Sie sind hier:

Geschichten gefälscht - "Spiegel" deckt Betrug im eigenen Haus auf

Datum:

Ein Redakteur hat beim "Spiegel" mehrere Geschichten gefälscht - jetzt hat das Nachrichtenmagazin den Betrugsfall selbst an die Öffentlichkeit gebracht.

Verschiedene Ausgaben des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" liegen am 19.12.2018 in Berlin übereinander auf einem Tisch
Verschiedene Ausgaben des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel"
Quelle: dpa

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hat einen Betrugsfall im eigenen Haus aufgedeckt. Ein Redakteur habe in "großem Umfang seine eigenen Geschichten gefälscht und Protagonisten erfunden", heißt es in einem auf Spiegel Online am Mittwoch veröffentlichten Bericht. Aufgedeckt worden sei der Fall nach internen Hinweisen und eigenen Recherchen.

Mindestens 14 fragwürdige Beiträge seit 2011

Der Redakteur hat die Vorwürfe dem Blatt zu "Spiegel" eingeräumt. Er habe sein Büro am Sonntag ausgeräumt und seinen Vertrag am Montag gekündigt. Der Journalist schrieb erst als freier Mitarbeiter für den "Spiegel", seit anderthalb Jahren war er als Redakteur fest angestellt. Von ihm sind dem "Spiegel"zufolge seit 2011 knapp 60 Texte im Heft und bei Spiegel Online erschienen.

Erste Verdachtsmomente hatte es laut "Spiegel" nach einem im November 2018 veröffentlichten Text gegeben. Der Journalist habe in mehreren Fällen eingeräumt, Geschichten erfunden oder Fakten verzerrt zu haben. Seinen eigenen Angaben zufolge sind mindestens 14 Geschichten betroffen und zumindest in Teilen gefälscht. Ein Reporterkollege, der eine Geschichte zusammen mit dem Redakteur recherchiert habe, sei misstrauisch geworden und habe Bedenken geäußert, schreibt der "Spiegel". Ihm sei es gelungen, Material gegen den Kollegen zu sammeln.

Magazin will Fälle akribisch aufarbeiten

Nach anfänglichem Leugnen, so Spiegel Online weiter, habe der Journalist eingeräumt, dass er viele Passagen nicht nur in dem einem Text, sondern auch in anderen erfunden habe. Auch sei er Protagonisten, die er in seinen Storys zitiert habe, nicht begegnet. Vor seiner Zeit beim "Spiegel" hatte der Journalist für mehrere andere Medien gearbeitet und auch einige Auszeichnungen erhalten.

Die Leitung des "Spiegel"will eine Kommission aus internen und externen Experten einsetzen. Sie sollen den Hinweisen auf Fälschungen nachgehen. Die Ergebnisse sollen öffentlich dokumentiert werden, "um die Vorgänge aufzuklären und um Wiederholungsfälle zu vermeiden", wie es auf Spiegel Online heißt. "Ausschließen lassen sie sich, auch bei bestem Willen, nicht."

Der Deutsche Journalisten-Verband reagierte mit deutlichen Worten: "Der vermeintliche Reporter hat nicht nur dem 'Spiegel' großen Schaden zugefügt, sondern die Glaubwürdigkeit des Journalismus in den Dreck gezogen", sagte DJV-Vorsitzender Frank Überall. Dem Journalisten habe offensichtlich jegliches Verantwortungsgefühl für sein Blatt und die Leser gefehlt.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.