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"Spiel des Jahres 2019" - Gesellschaftsspiele: Begeisterung, die ansteckt

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In Berlin wird das "Spiel des Jahres 2019" gekürt – und Gabriele Orymek fiebert mit. Seit über zehn Jahren rezensiert sie Gesellschaftsspiele und hat einen eigenen Spielefundus.

Regal eines Spielzeuggeschäfts mit Brettspielen
Eine zehnköpfige Jury kürt seit 1979 das "Spiel des Jahres."
Quelle: dpa

Gabriele Orymek’s liebstes Hobby funktioniert in Stapeln, die in diversen Räumen ihres Hauses liegen. Markiert mit "muss noch rezensiert werden" oder "noch nicht gespielt" warten Gesellschaftsspiele in allen Formaten und Varianten darauf, von ihr getestet zu werden – und sich letztlich zu den inzwischen über 2.700 Spielen zu gesellen, die im Hause Orymek über die Jahre eingezogen sind. "Das darfst du eigentlich keinem erzählen", merkt die gelernte Kinderkrankenschwester grinsend an. Zu verrückt klinge das in den Ohren Unbedarfter. Gleichzeitig zeugt dieser enorme Fundus aber auch von ihrer riesigen Leidenschaft für das Spielen in all seinen Facetten.

Dass dieses "Hobby" mal so viel Raum ihres Lebens für sich beanspruchen würde, überrascht die 48-Jährige manchmal selbst noch. "Die gemeinsamen 'Canasta', 'Stadt, Land, Fluss' oder 'Mensch ärger dich nicht'-Partien mit der Familie, wenn es draußen stürmte, gehören zu meinen schönsten Erinnerungen", erzählt sie und lächelt. Nach der Geburt ihrer beiden Töchter und inspiriert von der Messe "Modell, Hobby, Spiel" in Leipzig nahm die Spielerei wieder so richtig Fahrt auf.

Hohe Ansprüche an ein gutes Gesellschaftsspiel

Gabriele Orymek
Aus Gabriele Orymek's Begeisterung für Gesellschaftsspiele ist eine große Expertise geworden.
Quelle: Maike Steuer

Aus ihrer Begeisterung für Gesellschaftsspiele sind in ihrer Heimatstadt Altenburg in Thüringen jährlich zwei feste Termine geworden. Seit 2009 organisiert Orymek die "Altenburger Spieletage". Zum ersten Termin kamen 40 Leute, inzwischen sind es bis zu 250 Erwachsene und Kinder - Gabi Orymek als wandelndes Spielelexikon mittendrin. Ihre Begeistung steckt an.

Denn wenn sie anfängt, von "ihren" Spielen zu sprechen, bekommen die Augen von Gabriele Orymek einen schwärmerischen Glanz und die Worte sprudeln nur so aus ihr heraus. "Dieser uns Menschen eigene Spieltrieb ist was lebensnotwendiges, um unsere Entwicklung vorwärts zu treiben. Der Geist bleibt dadurch beweglich", philosophiert die bei vielen Einheimischen nur als "Spieletante" bekannte Frau. Dabei sei es Quatsch, dass nur Kinder spielen wollen würden. Im Gegenteil: "Am Spieltisch trifft sich alles. Da ist es egal, wer du bist, was du machst oder hast, denn es geht für den Moment nur um das gemeinsame Erlebnis", schwärmt sie.

Gabi Orymek ist zertifizierte Spieletherapeutin und Rezensentin. An ein gutes Spiel hat sie ganz genaue Ansprüche. Es muss so sein, "dass es mich nicht ärgert zu verlieren, weil der Sieg zur Nebensache wird," sagt sie. Ihr ewiger Favorit ist das Spiel "Dominion", sonst bevorzugt sie kooperative Spiele, die für gute Unterhaltung sorgen oder schwierige Themen spielerisch verpacken und der breiten Masse zugänglicher machen.

Zehnköpfig Jury entscheidet über "Spiel des Jahres 2019"

Spiel Amigo L.A.M.A.
Favorit für den Titel: "L.a.m.a."
Quelle: ZDF

Welches das "Spiel des Jahres 2019" wird, entscheidet eine zehnköpfige Jury - in wechselnder Besetzung seit 1979, sowie seit 2011 auch das "Kennerspiel des Jahres. Der Titel wird nach monatelangen, umfangreichen Spielerunden aus allen eingereichten Spielen des vergangenen Jahres vergeben. Die Jury siebt letztlich das heraus, "das am besten geeignet erscheint, für das Kulturgut Spiel in der Breite der Gesellschaft zu werben", wie es auf der Vereinswebsite heißt.

Favorit bei der Titelvergabe in Berlin diese Jahr ist "L.a.m.a." von Reiner Knizia. Damit könnte ein Spiel ausgezeichnet werden, das die Jury als "ein Türöffner für das Spielen", bezeichnet. Denn das Kartenspiel mit dem Andentier als Maskottchen lässt sich genauso fix erklären wie "Mau Mau" oder "Uno", macht Laune, egal ob man acht oder 80 Jahre alt ist. Für Spieleexpertin Orymek hat "L.a.m.a." das Zeug zum Klassiker". "Es ist so einfach wie genial, sehr unterhaltsam und funktioniert generationsübergreifend," sagt sie.

Gabi Orymek hat einen eigenen Favoriten für den Titel. "Just One" von Ludovic Roudy und Bruno Sautter ist ein Wörterratespiel im Stile von "Tabu", bei dem jeder Mitspieler aber nur ein Wort auf ein Kärtchen schreiben darf, um dem Ratenden einen Hinweis auf den gesuchten Begriff zu geben. Der Haken: Doppelt sich ein Hinweis, fällt er raus. "Das hab ich mir damals von der Spielemesse Essen mitgebracht und inzwischen sogar zwei Exemplare davon, weil es so klasse ist," erzählt Orymek. Ebenfalls im Rennen um die begehrte Auszeichnung zum "Spiel des Jahres 2019": "Werwörter" von Ted Alspach. Laut Gabi Orymek ist es ein "humorvolles Gruppenspiel bei dem Gut und Böse um ein unbekanntes Wort ringen."

Eine Auszeichnung mit Folgen

Ganz gleich, welches Spiel letztlich ganz oben auf dem Treppchen steht, die Auswirkungen für den herausgebenden Verlag sind enorm, weiß Orymek: "Die Markierung als Spiel des Jahres erregt sehr viel Aufmerksamkeit und treibt die Verkaufszahlen in die Höhe, denn viele Menschen orientieren sich beim Kauf daran."

Unabhängig davon hat sie für alle Spielefans, die ihre heimische Sammlung erweitern wollen, ein paar Tipps für die Suche nach dem "besten" Spiel: "Man sollte sich fragen, welches Thema interessiert mich? Wie viele Regeln vertrag ich? Und welche Mechanismen mag ich? Also puzzle ich lieber oder mag ich memo-artiges, eher Lege- oder Optimierungsspiele oder möchte ich mal ganz was Neues austesten?"

So sehr sie sich auf die Preisverleihung in Berlin freut, so sehr fiebert sie ihrem persönlichen Highlight im Herbst entgegen: Der Spielemesse in Essen vom 24. bis 27. Oktober 2019. "Das wird klassenfahrtmäßig. Wir sind zehn von 190.000 Besuchern, die fünf Tage lang durch die Hallen strömen. Das wird großartig! Nur noch 93 Tage."

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