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Klage in den USA - Spiele-Apps: Wenn Kinder ausspioniert werden

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Spiele-Apps für Kinder in der Kritik: In den USA haben Eltern vier große Spieleentwickler verklagt, weil sie heimlich Daten von Kindern sammeln und für Werbezwecke nutzen. Auch viele deutsche Smartphone-Apps für Kinder schludern beim Datenschutz.

Spiele-Apps sind nicht nur bei Kindern beliebt. Auch die Werbebranche hat ein Herz für Spiele auf dem Smartphone. Solche Apps sind ein einträgliches Geschäft, obwohl sie in der Regel kostenlos sind. Denn bezahlt wird der Spielspaß mit teuren In-App-Käufen und mit den persönlichen Daten der jungen Spieler.

Eltern in den USA klagen

In den USA sind Eltern nun auf die Barrikaden gegangen. Sie haben vier Spieleentwickler verklagt, weil deren Apps laut Klageschrift Nutzerdaten der minderjährigen Spieler heimlich gesammelt und ohne Einwilligung der Eltern an die Server der App-Betreiber geschickt hätten. Dort würden die Daten zu Profilen verdichtet und zu Werbezwecken ausgewertet.

Eine solche Datensammelei, sagen die Eltern, verstoße gegen den Children’s Online Privacy Protection Act (COPPA), ein im Jahr 2000 in Kraft getretenes US-Gesetz, das Kinder unter 13 Jahren im Internet unter besonderen Schutz stellt und es App-Betreibern verbietet, Daten ohne Einwilligung der Eltern zu erheben. Kinder könnten meist noch nicht zwischen Werbung und anderen Inhalten unterscheiden, heißt es in der Klageschrift. Sie müssten deshalb vor personalisierter Werbung besonders geschützt werden.

Auch Disney-Apps betroffen

Betroffen sind rund 40 Spiele-Apps renommierter Entwickler, darunter mehrere Apps des Disney-Konzerns. Disney wird zudem vorgeworfen, die Software zum Daten sammeln entwickelt und anderen App-Herstellern zur Verfügung gestellt zu haben. Der US-Konzern steht nicht zum ersten Mal wegen eines Verstoßes gegen das COPPA-Gesetz vor Gericht. Bereits 2011 musste Disney in einem ähnlichen Verfahren eine Geldstrafe von drei Millionen Dollar zahlen.

Die fraglichen Spiele-Apps werden in den App-Stores von Apple, Google und Amazon zum kostenlosen Download angeboten. Sie wurden für den englischsprachigen Markt produziert. Einige Apps gibt es auch in einer deutschen Version, so etwa die Spiele-App "Disney Princess Palace Pets". Es ist davon auszugehen, dass auch die deutsche App Daten sammelt und an US-Server schickt.

"Keine Spiele-App empfehlenswert"

Dass auch Spiele-Apps, die für den deutschsprachigen Markt produziert werden, in Sachen Privatsphäre und Datenschutz schludern, hat Stiftung Warentest kürzlich festgestellt. Im Test befanden sich 50 beliebte und besonders umsatzstarke Apps für Kinder. "Leider können wir keines der geprüften Spiele empfehlen", so das Fazit der Warentester.

19 Apps würden Kinder zu wenig vor Mobbing und unangemessener Kontaktaufnahme durch Fremde schützen, heißt es im Testbericht. Andere Apps würden Werbung zeigen, die sich mit dem Spiel vermische. Zudem würden viele Apps zum Geldausgeben durch In-App-Käufe animieren. Mit In-App-Käufen kann man im Spiel zusätzliche Inhalte kaufen, die dabei helfen, das nächste Level schneller zu erreichen.

"Nutzer können identifiziert werden"

Auch mit den Daten ihrer jungen Spieler gehen viele Apps sehr sorglos um. "27 der 50 Apps senden Daten, mit denen Smartphones und letztlich auch Nutzer identifiziert werden können", sagt Peter Knaak von Stiftung Warentest zu heute.de. "Im Datenstrom fanden wir beispielsweise Standortangaben, das vom Spieler angegebene Alter, Nutzungsstatistiken und eine Geräte-Identifikation." Mit deren Hilfe könnten die Nutzungsdaten weiterer Apps, die auf demselben Smartphone installiert sind, zusammengeführt werden, sagt Knaak.

Trotz solcher Mängel sei es weltfremd, Kindern das Spielen am Smartphone einfach zu verbieten, heißt es bei Stiftung Warentest. Besser sei es, mit den Kindern zusammen zu spielen, meint Knaak. Dabei könne man ganz nebenbei die Kompetenz der Kinder im Erkennen von Internetrisiken stärken und richtige Reaktionen auf Probleme wie etwa Mobbing im Spiele-Chat trainieren.

Und: Daten können nur gesendet werden, wenn der Spieler online ist. Deshalb ist es sinnvoll, nur solche Apps zu nutzen, die auch offline spielbar sind, rät Knaak. Allein 15 der von Stiftung Warentest geprüften Apps lassen sich ohne Internetverbindung spielen. Auf Portalen wie Klick-Tipps.net und beim Deutschen Jugendinstitut finden Eltern zudem eine große Zahl kindgerechter Spiele-Apps.

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