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Ermittlungen der US-Justiz - Haben Ex-Twitter-Mitarbeiter für Riad spioniert?

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Im großen Stil soll die saudische Regierung Twitter-Angestellte angeheuert haben, um unliebsame Regierungskritiker auszuspähen. Hunderte Twitter-Konten sollen betroffen sein.

Twitter-App auf dem iPhone (Symbolbild)
Twitter-App auf dem iPhone (Symbolbild)
Quelle: Reuters

Die saudische Regierung soll US-Staatsanwälten zufolge zwei Mitarbeiter der Firma Twitter für Spionage angeheuert haben. Die früheren Angestellten des Internetkonzerns hätten für das Königreich private Kontoinformationen von Regierungskritikern beschaffen sollen, hieß es in einer am Mittwoch bekanntgewordenen Beschwerde, die bei einem Bezirksgericht in San Francisco eingereicht wurde. Es ist das erste Mal, dass Sadui-Arabien in Amerika der Spionage bezichtigt wird. Riad gilt als Verbündeter der Regierung von Präsident Donald Trump.

US-Staatsanwälte sprachen von konzertierten Aktionen der saudischen Drahtzieher: Gezielt hätten sie Angestellte von Twitter anzuwerben versucht, um private Daten von Tausenden Twitter-Konten auszuspähen.

Dabei hatte es die Führung in Riad den Angaben zufolge auf mit den Accounts verbundene E-Mail-Adressen sowie IP-Adressen abgesehen, die den Standort von Nutzern verraten. Im Visier stand unter anderem das Twitter-Konto eines bekannten Journalisten mit mehr als eine Million Followern.

Luxus-Uhren und Zehntausende US-Dollar als Bestechung

Die Vorwürfe richten sich gegen zwei frühere Twitter-Mitarbeiter und einen Mittelsmann, der eine Social-Media-Marketingfirma betrieb, die für die saudische Königsfamilie tätig war. Die Ex-Angestellten von Twitter sollen mit einer Designer-Uhr sowie Zehntausenden US-Dollar belohnt worden sein, die in Geheimkonten geparkt worden sein sollen. Der Verbindungsmann habe einen der damaligen Mitarbeiter im Frühling 2015 angeworben und ihn nach Washington einfliegen lassen, hieß es in der Beschwerde. Zu jener Zeit besuchte eine saudische Delegation das Weiße Haus. Binnen einer Woche nach seiner Rückkehr nach San Francisco habe der Twitter-Mitarbeiter begonnen, ohne Erlaubnis im großen Stil auf private Daten von Nutzern zuzugreifen.

6.000 Twitter-Nutzer waren betroffen

Von der Aktion waren demnach Informationen von 6.000 Twitter-Nutzern betroffen, darunter mindestens 33 User-Namen, über die die saudische Polizei bei Twitter mit Verweis auf einen Notfall Einsicht in deren Daten beantragt hatte.

Als der Twitter-Mitarbeiter von seinen Vorgesetzten zur Rede gestellt wurde, habe er die Aktion eingeräumt. Tags darauf sei er mit Frau und Tochter nach Saudi-Arabien geflogen und seitdem nicht in die USA zurückgekehrt. Gegen ihn und den Mittelsmann erging inzwischen Haftbefehl. Die saudische Botschaft in Washington äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen.

Twitter habe Sicherheitsstandards missachtet, so ein Experte

Twitter teilte mit, dass das Unternehmen mit den Ermittlern in dem Fall kooperiere. Zugang zu sensiblen Kontoinformationen habe nur "eine begrenzte Gruppe geschulter und überprüfter Mitarbeiter". Der Cyber-Sicherheitsexperte Mike Chapple warf dem Internetkonzern indes vor, diesem Standard, den Zugang zu Daten von Privatpersonen auf eine möglichst kleine Mitarbeiterzahl zu beschränken, nicht gerecht geworden zu sein. "Wenn Twitter sein Prinzip umgesetzt hätte, wäre dieser Missbrauch von Informationen nicht möglich gewesen", kritisierte Chapple, der Internetsicherheit an der University of Notre Dame lehrt. Ein Versagen in diesem Gebiet gefährde nicht nur die Privatsphäre, sondern gar die körperliche Sicherheit von Nutzern sozialer Medien. Vor rund einem Jahr sorgte etwa der brutale Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul international für Aufsehen. Der Kolumnist der "Washington Post" galt als prominenter Kritiker der saudischen Führung.

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