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Lauschangriffe auf Seekabel - Spionagekrieg im Atlantik

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Die NATO ist besorgt über den verstärkten Einsatz russischer U-Boote im Atlantik. Deren Interesse gilt den Unterseekabeln, die Daten zwischen Europa und Nordamerika transportieren.

Sonnenstrahlen unter Wasser
Die NATO ist besorgt: Unter Wasser nimmt die Spionagetätigkeit zu.
Quelle: colourbox.de

Kurz vor Weihnachten 2017 machte es der oberste Kommandeur der NATO-Unterseeboote richtig dramatisch. "Russland interessiert sich sehr stark für die Unterwasser-Infrastruktur der NATO", teilte Andrew Lennon, Admiral der US Navy und NATO-Kommandeur, in einem Pressegespräch Reportern der "Washington Post" mit.

Kein Internet ohne Seekabel

Er sei über die Entwicklung hochgradig besorgt, merkte der Admiral an. Denn über die Datenkabel am Meeresgrund des Nordatlantik laufen allein 75 Prozent der Internet-Datenpäckchen. Werden diese Kabel beschädigt oder lahmgelegt, geht in den meisten Unternehmen Europas und den USA nichts mehr. NATO-Militärvertreter in Brüssel bestätigen immerhin, dass amerikanische Überwachungsboote seit dem Sommer 2017 russische U-Boote so oft wie seit dem Ende des Kalten Kriegs nicht mehr in der Nähe von Seekabeln orten.

Allerdings deuten die Berichte der U-Boot-Kommandanten eher darauf hin, dass die russischen Bootsbesatzungen genau das machen, was ihre amerikanischen Kollegen auch schon seit langem tun: Sie belauschen die Datenkommunikation. Die US-Marine hat im Jahr 2005 bereits das Spionage-U-Boot "Jimmy Carter" in Dienst gestellt. Nach Einschätzung von Geheimdienstexperten ist die "Jimmy Carter" das Mutterschiff von kleineren U-Booten, die mit Sonderanfertigungen von Biegekopplern für den Unterwassereinsatz ausgerüstet sind.

Biegekoppler fürs U-Boot

Damit können auf dem Meeresboden liegende Glasfaserkabel angezapft werden. Moderne Lauschgeräte benötigen nur weniger als zwei Prozent der optischen Leistung der Glasfaser, um das komplette Signal abzugreifen und in Bits umzuwandeln. Die so gewonnenen Daten werden dann dem Mutterschiff übergeben und dort ausgewertet. Besonders wichtige Datenbestände werden sogar per Satellit von der "Jimmy Carter" an das Hauptquartier der National Security Agency in Fort Meade gefunkt.

Die von NATO-Kräften identifizierten russischen U-Boote sind mit der "Jimmy Carter" nicht vergleichbar. Sie verfügen nach Ansicht amerikanischer Marineexperten nicht über einen Multifunktionshangar, über den kleine U-Boote ausgesetzt werden können. Aber das technische Gerät für einen Lauschangriff auf unterseeische Glasfaserkabel haben sie auch an Bord. Und sie verfügen ebenfalls über leistungsstarke Rechner, mit denen die abgelauschte Datenkommunikation in Echtzeit an Bord ausgewertet werden kann.

Wirtschaftliche Folgen unübersehbar

Allerdings soll der Versand der so gewonnenen Daten an das Marinekommando in Seweromorsk doppelt so lange dauern wie von der "Jimmy Carter" an Fort Meade. Der Grund dafür sei die schlechtere technische Anbindung. Das wurde am Rande des zweiten Brüsseler Wehrtechnikgesprächs am 6. Dezember 2017 so von Mitgliedern des Militärausschusses der NATO inoffiziell bestätigt. Dennoch dürfen die militärischen und wirtschaftlichen Konsequenzen der Kabelspionage im Nordatlantik nach Einschätzung von NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg nicht unterschätzt werden.

"Wir beobachten russische U-Boote in der Nähe von Unterseekabeln und näher an unseren Küstenlinien", berichtet Stoltenberg. Der Einsatz an den Küstenlinien könnte, Analysen westlicher Geheimdienstexperten zufolge, den Übergabepunkten von Seekabeln an Land gelten. An diesen Übergabepunkten stellen die Telekommunikations- und Kabelgesellschaften westlichen Nachrichtendiensten eigene Ausleitungsschnittstellen zur Verfügung. Die dort gewonnenen Daten werden zum Teil über Richtfunkstrecken übertragen.

Insgesamt stellen Militärexperten verstärkte Lauschaktionen sowohl der Amerikaner als auch der Russen an Unterseekabeln fest. Fachleute wie der Sicherheitsforscher Professor Hartmut Pohl aus Sankt Augustin bei Bonn gehen von einer auf diese Weise erfolgenden großflächigen Überwachung der gesamten Internet-Kommunikation aus.

Der Kampf am Meeresboden

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