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Musik-Streamingdienst - Spotify-Börsengang mit möglichen Dissonanzen

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Der Musik-Streamingdienst Spotify hat angekündigt, an die Börse zu gehen. Nichts Ungewöhnliches soweit. Doch die Art und Weise, wie das geschehen soll, ist es schon.

Auf einem iPhone wird die App von Spotify angezeigt
Die App von Spotify auf einem iPhone
Quelle: dpa

Spotify will nun also an die Börse gehen. Das muss niemanden vom Hocker reißen. Der Schritt war absehbar. Allerdings: Der Börsengang wird mitnichten gewöhnlich sein; und das passt wiederum zum Image des Unternehmens: Cool, jung, digital – anders eben. Damit schafft es aber auch Unsicherheit.

20 Milliarden Dollar Börsenwert

Doch der Reihe nach. Zunächst einmal handelt es sich augenscheinlich einmal mehr um einen Riesen-Börsengang. Denn das Unternehmen ist weltweit Marktführer im Bereich der Musik-Streaming-Dienste. Rund 70 Millionen Menschen ziehen sich via Spotify ihre Lieblingsmusik aus dem Netz. Und Spotify kann auf einen beträchtlichen Abstand zu seinem nächsten Konkurrenten, Apple music blicken. Denn der hat nur in etwa die Hälfte der Kunden. Der geschätzte Börsenwert von Spotify liegt aufgrund seiner Position bei schwindelerregenden 20 Milliarden Dollar. Das ist umso beachtlicher, als dass Spotify noch immer hohe Verluste schreibt. 1,2 Milliarden Euro waren es im vergangenen Jahr.

Bislang halten private Großaktionäre die Aktien von Spotify in ihrem Besitz. Firmenchef und Mitbegründer Daniel Ek besitzt beispielsweise rund ein Viertel der Unternehmenspapiere. Durch den Börsengang werden diese Aktien – oder ein Teil von ihnen – in den öffentlichen Börsenhandel gelangen und den Besitzer wechseln.

"Direktplatzierung" geplant

Anders als bei gewöhnlichen Börsengängen plant Spotify seinen Schritt auf das Börsenparkett in New York über eine sogenannte "Direktplatzierung" der Aktien. Das heißt: Die Spotify-Aktien wechseln am Tag des Börsenganges auf der New Yorker Börsenplattform zwar den Besitzer. Es gibt dabei aber keine Preisspanne, innerhalb derer die Aktien platziert werden sollen oder können. "Das ist sehr günstig für Spotify", sagt Börsenhändler Stefan Scharfetter von der Baader Bank. "Denn das Unternehmen stellt quasi seine Aktien ins Schaufenster. Und dann kann jeder überlegen, was er dafür zahlen will."

Ein äußerst schlanker Börsengang sozusagen, der allerdings auch Risiken mit sich bringt. Denn zum einen könnte es sein, dass das Unternehmen sich unter Wert verkaufen muss, wenn gerade niemand – aus welchen tagesaktuellen Gründen auch immer – an einer Investition in die Aktien interessiert ist. Oder der Kurs liegt zu hoch. Das würde das Risiko von unmittelbaren Kursabstürzen mit sich bringen. "Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es sehr lange dauern wird, bis der erste Kurs feststeht. Und dann wird es am ersten Tag gleich heftig hin und her gehen – da sind ordentliche Kursschwankungen abzusehen. Alles andere würde mich wundern", meint Scharfetter.

Im Normalfall legen eigens beauftragte Banken eine Preisspanne für die Aktien eines börsenwilligen Unternehmens fest. Die Banken schauen sich im Vorfeld des Börsenganges beispielsweise andere Unternehmen aus der Branche an. Auf Basis dieser Analyse geben sie dann eine Spanne an, innerhalb derer Investoren die Aktien zeichnen können. Das schafft vor allem für Privatanleger ein wenig Orientierung – denn gewöhnlich liegt der erste an der Börse festgestellte Kurs in dieser Spanne, oder nicht allzu weit davon entfernt. In diesem Fall wird diese Orientierung um einiges schwerer fallen.

Modell für andere Konzerne?

Andererseits haben aber auch Banken einen Grund, das Ereignis zitternd zu verfolgen. Denn das Beispiel könnte Schule machen. Auch andere junge und technologienahe US-Unternehmen wollen in naher Zukunft an die Börse gehen: So liebäugelt etwa der Fahrdienst Uber mit dem Sprung aufs Parkett. Und auch der Vermittler von Unterkünften aller Art – Airbnb – will mittelfristig an der Börse eine Unterkunft für sich finden.

Sollte Spotify mit seiner Direktplatzierung erfolgreich sein, könnte diese Art des Börsenganges auch für andere milliardenschwere Konzerne ein Modell sein. "Das Begleiten von Börsengängen ist ein wesentlicher Teil des Investmentbankings", sagt der Börsenexperte Dirk Müller. "Wenn das beginnt zu bröckeln, wird es für Banken schwieriger werden." Für Spotify allerdings wird sich dieser unorthodoxe Börsengang wohl lohnen. Denn damit spart das Unternehmen einen Haufen Geld, den sonst die Banken kassiert hätten.

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