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Anschläge in Sri Lanka - ZDF-Korrespondent: "Warnungen sind versickert"

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Die Zahl der Toten nach den Anschlägen in Sri Lanka steigt stetig. Neben Trauer und Ohnmacht macht sich Unsicherheit gegenüber den Sicherheitsbehörden breit. Denn es gab Warnungen.

Wie ZDF-Korrespondent Norman Odenthal berichtet, haben die Behörden die Situation in Sri Lankas Hauptstadt Colombo derzeit noch nicht unter Kontrolle. Die Menschen lebten in steter Angst und Sorge, zumal die Informationen nur häppchenweise nach außen dringen würden. Es gebe vieles, was noch aufgearbeitet werden müsse.

Das Vertrauen in die Sicherheitsbehörden ist massiv erschüttert.
ZDF-Korrespondent Norman Odenthal

Besonders schwer wiege, "dass eine Warnung bestanden hat, indische Quellen haben das noch einmal bestätigt. Anfang April schon wurde die Polizei in Sri Lanka vorgewarnt: Ja, es gebe eine Terrorgefahr, ja, auch christliche Kirchen seien bedroht". Diese Warnungen seien jedoch im Polizeiapperat versickert, so Odenthal. Die große Frage sei jetzt: Wie konnte es soweit kommen? "Solange darauf keine Antworten gefunden werden, ist auch hier das Vertrauen in die Sicherheitsbehörden massiv erschüttert."

Über 300 Tote

Die Zahl der Toten ist inzwischen auf über 300 gestiegen, 500 Menschen wurden bei den Anschlägen verletzt. Wie die Polizei in Sri Lanka erklärt, habe es inzwischen rund 35 Festnahmen gegeben. Mehr als 20 Häuser seien durchsucht worden, hieß es.

In der Nacht zum Dienstag traten Notstandsbestimmungen in Kraft. Staatspräsident Maithripala Sirisena erklärte den öffentlichen Notstand im Interesse der öffentlichen Sicherheit, der Wahrung der öffentlichen Ordnung und der Sicherung der Versorgung mit Waren und Dienstleistungen für die Bürger, wie es in einer Erklärung des Präsidenten hieß. Mit den Regelungen erhalten Sicherheitskräfte erweiterte Befugnisse, etwa für Durchsuchungen und zur Festnahme von Personen.

Karte: Sri Lanka - Colombo
Karte: Sri Lanka - Colombo
Quelle: ZDF

Politiker warnen vor gesellschaftlicher Spaltung

Nach den Selbstmordanschlägen in Sri Lanka mit mehr als 300 Toten fordern deutsche Politiker einen stärkeren Schutz christlicher Minderheiten. Vertreter verschiedener Parteien mahnten am Dienstag zugleich zu religiöser Toleranz und warnten vor gesellschaftlicher Spaltung. Der Dienstag wurde zudem zu einem nationalen Trauertag erklärt. Am Morgen wurden drei Schweigeminuten abgehalten. Zahlreiche Bestattungen waren geplant.

UN-Sicherheitsrat verurteilt Anschläge

Der UN-Sicherheitsrat hat die Anschlagsserie in Sri Lanka auf das Schärfste verurteilt. Zugleich sprach er den Familien der Opfer der "abscheulichen und feigen" Anschläge tief empfundenes Mitgefühl aus, wie es in einer Mitteilung des UN-Gremiums vom Montag hieß. Den Verletzten werde eine rasche Genesung gewünscht. Terrorismus stelle in all seinen Erscheinungsformen eine der schwerwiegendsten Bedrohungen für den Frieden und die internationale Sicherheit dar, hieß es weiter. Täter, Organisationen und Geldgeber dieser Terrorakte müssten zur Rechenschaft gezogen und vor Gericht gestellt werden.

26 Jahre lang wurde ein blutiger Bürgerkrieg zwischen buddhistischen Singhalesen und hinduistischen Tamilen geführt. Seit dem Ende des Bürgerkrieges wurden nach Angaben des Auswärtigen Amtes keine Terroranschläge mehr verübt. Bis heute:

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