Sie sind hier:

Staatsvertrag unterzeichnet - Bundeswehr bekommt jüdische Militärseelsorger

Datum:

Nach rund 100 Jahren kommen erstmals wieder Militärrabbiner bei den deutschen Streitkräften in Dienst. Dazu wurde heute ein Staatsvertrag unterzeichnet.

Bundesregierung und Zentralrat der Juden haben in Berlin den Staatsvertrag für eine jüdische Seelsorge in der Bundeswehr unterzeichnet.

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Drittanbietern nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server (Facebook, Google, Instagram, Twitter, etc.) übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in einem 'ZDF-Cookie'. Diese Zustimmung können Sie in den Einstellungen unter 'Mein ZDF' jederzeit widerrufen. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und Zentralratspräsident Josef Schuster unterschrieben gemeinsam das Dokument, das nach rund 100 Jahren die institutionell verankerte Arbeit von Rabbinern im deutschen Militär wieder ermöglicht. Kramp-Karrenbauer sprach von einem "bewegenden Moment". Jüdinnen und Juden seien heute in Deutschland zu Hause.

"Historischer Tag"

Dass dies möglich und wirklich ist nach den unfassbaren Verbrechen, die von Deutschland ausgegangen sind, macht mich demütig und dankbar.
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden

"Dass dies möglich und wirklich ist nach den unfassbaren Verbrechen, die von Deutschland ausgegangen sind, macht mich demütig und dankbar", sagte die Ministerin. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sprach von einem "historischen Tag". So wie die Bundeswehr ein Teil des demokratischen Deutschlands sei, sei dies auch die jüdische Gemeinschaft, sagte er.

Militärrabbiner zeigten zudem, wie das Vertrauen der jüdischen Gemeinschaft in diesem demokratischen Staat gewachsen sei, nachdem Juden nach dem Holocaust mit großer Distanz auf das deutsche Militär geblickt hätten.

Kramp-Karrenbauer sagte, das Judentum und die deutschen Streitkräfte hätten eine lange Tradition und eine gebrochene Geschichte. Juden hätten insbesondere im Ersten Weltkrieg für das Land gedient, das sie später verraten habe. Zudem verurteilte sie Antisemitismus und betonte, Extremismus, insbesondere Rechtsextremismus, dürfe in der Bundeswehr nicht geduldet werden.

Jeder Einzelfall werde geprüft. Zudem solle das Disziplinarrecht nachgeschärft werden, um konsequent mit Extremismusfällen umzugehen. Das Bundeskabinett hatte in der vergangenen Woche dem Staatsvertrag für die Verankerung jüdischer Militärseelsorge in der Bundeswehr zugestimmt.

Beschluss des Bundestags 2020

Der Vertrag braucht noch einen Beschluss des Bundestags, der im nächsten Jahr erfolgen soll. Dann kann der Vertrag auch praktisch umgesetzt werden. Er sieht den Einsatz von zehn Militärrabbinern vor. Sie begleiten Soldaten im In- und Ausland und wirken am sogenannten lebenskundlichen Unterricht mit.

Seit Jahrzehnten gibt es evangelische und katholische Militärpfarrer in der Bundeswehr auf Grundlage entsprechender Verträge mit den Kirchen. Weil die Zahl christlicher Soldaten abnimmt und zugleich die Religionszugehörigkeiten pluraler werden, sollen die Pfarrer künftig nicht die einzigen Geistlichen in der Armee sein.

Auch eine muslimische Militärseelsorge soll entstehen. Die Zahl jüdischer Soldaten schätzt das Verteidigungsministerium auf rund 300. Die Zahl evangelischer Soldaten liegt demnach bei rund 53.000, die der katholischen bei etwa 41.000 und die muslimischer bei circa 3.000. Eine genaue Erfassung der Religionszugehörigkeit gibt es nicht.

Der Antisemitismus in Deutschland als Problem der gesellschaftlichen Gegenwart darf nicht geleugnet werden.
Sigurd Rink, evangelischer Militärbischof

Der evangelische Militärbischof Sigurd Rink begrüßte die Erweiterung der Seelsorge in der Bundeswehr. Der Umgang mit religiöser Vielfalt gehöre zu den Garantien jeder pluralen Demokratie und gründe sich im Respekt vor der Gewissensfreiheit und Wohlfahrt aller Soldaten, erklärte er. Rink ergänzte, der Staat setze damit auch ein Zeichen, dass Antisemitismus in den Streitkräften keinen Platz haben dürfe. "Der Antisemitismus in Deutschland als Problem der gesellschaftlichen Gegenwart darf nicht geleugnet werden", sagte er.

Homolka: "Ein großer Schritt nach vorne"

Rabbiner Walter Homolka hat die Unterzeichnung des Staatsvertrags für eine jüdische Militärseelsorge am Freitag als "Paradigmenwechsel" gelobt. "Es tilgt meines Erachtens das Unrecht, das Juden in deutschen Armeen früher erfahren mussten", sagte der Rektor des Potsdamer Abraham Geiger Kollegs im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Potsdam.

Die jüdische Gemeinschaft hat Vertrauen in die Bundeswehr als einer pluralistischen, demokratischen Armee. Und: Wir Juden haben vor, dieses Gemeinwesen in all seinen Aspekten mitzugestalten.
Walter Homolka, Rabbiner

Die Wiederaufnahme der jüdischen Militärseelsorge durch den Zentralrat der Juden in Deutschland zeigt aus Sicht Homolkas: "Die jüdische Gemeinschaft hat Vertrauen in die Bundeswehr als einer pluralistischen, demokratischen Armee. Und: Wir Juden haben vor, dieses Gemeinwesen in all seinen Aspekten mitzugestalten." Er empfinde das als "einen großen Schritt nach vorne" und sehe breite Zustimmung dafür innerhalb des deutschen Judentums und auch im Ausland.

Das Verhältnis zwischen den deutschen Streitkräften und der jüdischen Gemeinschaft sei in den vergangenen 200 Jahren "sehr belastet" gewesen. Im Ersten Weltkrieg seien jüdische Soldaten erstmals von Feldrabbinern betreut und begleitet worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch bestanden dem Rabbiner zufolge zwischen Bundeswehr und jüdischer Gemeinschaft lange Vorbehalte.

Doch inzwischen seien Distanz und Misstrauen einem entspannten Miteinander gewichen. "Als Reservestabsoffizier bin ich erleichtert, dass sich heute jüdische Bundeswehrangehörige auf Augenhöhe mit ihren Kameradinnen und Kameraden begegnen", sagte Homolka.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.