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Entscheidung im Bundesrat - Städte sehen E-Roller als Chance

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Schneller als ein Rad, langsamer als ein Auto: Der E-Roller ist irgendwas dazwischen. Die Städte sehen in ihm eine Chance für weniger Autos und bessere Luft. Aber auch Gefahren.

Archiv: Eine Frau testet einen E-Roller, aufgenommen am 02.05.2019
Wenn kein Radweg, dann auf der Straße: E-Roller gehören bald dazu.
Quelle: dpa

Vielleicht schon ab Juni könnte es auf den Radwegen enger werden. Dann dürfen dort auch elektrische Tretroller - auch E-Roller oder E-Scooter genannt - mit einer maximalen Geschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde fahren. Wer den kleinen Flitzer nutzt, muss mindestens 14 Jahre alt sein und braucht keinen Helm. Der Roller muss Licht, Bremsen und einen Versicherungsnachweis haben. Das hat heute der Bundesrat entschieden, die Bundesregierung soll nun die Verordnung umsetzen. Die Länder schränkten aber ein: Die E-Roller sollen auf den Radweg fahren, nicht auf Gehwegen oder Fußgängerzonen. Wenn es keine Radwege gibt, müssen sie auf der Straße fahren. Die Städte finden die Entscheidung gut.

Kein neues Chaos wie bei Leihrädern

"Wenn wir eine Mobilitätswende wollen, dann müssen wir die Nahmobilität stärken", sagt Timm Fischer vom Städte- und Gemeindebund dem ZDF. Die E-Scooter seien ein Baustein, um den Verkehr in den Städten neu zu organisieren. "Natürlich ist der Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs ein wesentlich wichtigerer Baustein", sagt Fischer. "Aber wenn wir eine Verkehrswende wollen, dann müssen wir uns auch mit Innovationen auseinandersetzen."

Die Tretroller, das glaubt auch Helmut Dedy vom Deutschen Städtetag werden das Leben in den Städten verändern. "Ob verbessern", das sei noch eine Frage. Wichtig sei, dass der Bund nun ein Verkehrskonzept für die Städte vorlegt, um Radwege zum Beispiel auszubauen. "Wir brauchen einen neuen Blick auf die Stadt", so Dedy im ZDF. Zwei Milliarden Euro seien in den nächsten zehn Jahren dafür notwendig.

Städte wollen Chaos wie bei Leihrädern verhindern

Eins wollen die Städte-Organisationen allerdings vermeiden: ein ähnliches Chaos wie bei den Leihfahrrädern. Anbieter hatten oftmals quasi über Nacht die Kommunen mit Rädern vollgestellt, die dann irgendwo in den Parks vor sich hin rotteten. "Den Wahnsinn brauchen wir nicht noch einmal", sagt Dedy. Zumal mit den Batterien in den Elektrorollern auch ein echtes Umweltproblem auf die Städte zukäme. Fischer vom Städte- und Gemeindebund will mit den Verleihfirmen Regeln verabreden.

Feste Stationen zum Beispiel, nicht vor Denkmälern, ein Sicherungssystem, das wildes Abstellen verhindert. Darüber sei man mit ihnen schon im Gespräch. "Wir erwarten von den Anbietern, dass sie auch mit den einzelnen Kommunen verträgliche Lösungen finden, bevor sie ihre E-Roller in die Stadt stellen", so Fischer. "Da gibt es eine Menge interessanter Dinge, wie das Geofencing zum Beispiel." Damit werde verhindert, dass die E-Scooter außerhalb der Parkstationen verschlossen und damit die Miete beendet werden kann.

Markt mit Gewinnaussichten

Die Zulassung von E-Rollern war in Deutschland schon seit langem gefordert worden. In anderen europäischen Städten sind sie bereits erlaubt, allerdings hat man dort nachträglich Regeln eingeführt. In Wien und Paris werden sie nun auch von den Gehwegen verbannt. In Paris wurde mit den Anbietern eine Charta geschlossen, um wildes Parken zu verhindern. Außerdem sollen sie die Roller recyceln und mit grüner Energie ausstatten. Die Kehrseite: Madrid verbot die Roller wieder, nachdem dort eine frau ums Leben gekommen war.

Die Verleihfirmen jedenfalls dürfte es freuen, dass der deutsche Markt nun auch für sie offen ist. Sieben bis acht Unternehmen stehen bereits in den Startlöchern. Marktforscher gehen davon aus, dass in den kommenden Jahren in der Branche Umsätze in zweistelligem Milliardenbereich möglich sind. "Die Nutzer mögen diese günstige und intuitive Form der Mobilität ", sagt Kersten Heineke von der Unternehmensberatung McKinsey und Co, der eine Studie dazu verfasst hat. Die Anschaffungskosten sind überschaubar, man kommt schneller durch den Stadtverkehr. E-Roller und E-Bikes, so Heineke, könnten das richtige Verkehrsmittel sein, um die "letzte Meile" zwischen U- oder S-Bahnstation und dem Zielort zu überbrücken.

Und zumindest für den Arbeitsweg oder den schnellen Einkauf um die Ecke das Auto ersetzen. In der Bahn jedenfalls dürfen ab sofort E-Roller kostenlos in ICEs und Intercitys mitgenommen werden.

Wer muss Platz machen?

Allerdings gibt es auch einige Bedenken gegen die E-Roller. Zum einen wegen der Sicherheit. Ein Antrag im Bundesrat, sie erst ab 15 Jahre zuzulassen, bekam keine Mehrheit. Zum anderen sind nicht alle Radfahrer begeistert von der Aussicht, sich ihre Wege künftig mit E-Tretrollern zu teilen. "Wir sagen: Doppelt so viel Platz und hohe Wegequalität für den Radverkehr, dann klappt's auch mit dem gemeinsamen Fahren von Fahrrädern, Pedelecs und E-Scootern", sagte der Bundesgeschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs ADFC, Burkhard Stork. Radwege seien ohnehin oft schlecht, holprig oder gar nicht vorhanden. Für E-Scooter mit kleineren Rädern und hoher Beschleunigung sei das "richtig unbequem und gefährlich".

Der BUND fordert zudem eine neue Debatte über den Verkehr in den Städten. "Wer Verkehrsmittel abseits des Autos stärken oder neu etablieren will, muss ihnen zusätzlichen Raum geben", sagt deren Verkehrsexperte Jens Hilgenberg. "Und dieser Raum muss dafür dem Autoverkehr entzogen werden."

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