Sie sind hier:

Lauf gegen Rüstungsexporte - Kilometer schrubben für den Frieden

Datum:

Wenn es um Rüstungs- und Waffenexporte geht, steht Deutschland mit an vorderer Stelle in der Welt. Friedensaktivisten machen darauf mit einem besonderen Staffellauf aufmerksam.

Staffellauf gegen Rüstungsexporte
Staffellauf gegen Rüstungsexporte Quelle: ZDF

Im Gazastreifen eskaliert die Lage wieder. Das Bürgerkriegsland Syrien kommt nicht zur Ruhe. Die USA steigen aus dem Atomabkommen mit Iran aus und halten damit die Welt in Atem. Im Ringen um eine Lösung des Nordkorea-Konflikts folgt einem Hoffnungsschimmer die nächste Ernüchterung.

Kriegerische oder gewaltsame Auseinandersetzungen, eine Verschärfung der Rhetorik und ein teils offensives Säbelrasseln dominieren in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren das Geschehen in vielen Teilen der Welt.

Protest in Turnschuhen

Max Weber ist davon überzeugt, dass Deutschland als einer der weltweit großen Exporteure von Kleinwaffen und Großwaffensystemen für diese Situation eine Mitverantwortung trägt. "Mit Pistolen und Gewehren, Kriegsschiffen, Kampfflugzeugen und Kampfpanzern werden oftmals schwere Menschenrechtsverletzungen verübt, Millionen von Menschen in die Flucht getrieben oder getötet", sagt der 27-jährige Politikwissenschaftler und Theologiestudent.

"Daran ist Deutschland als Land, das viele Kriegswaffen und Rüstungsgüter an menschenrechtsverletzende und kriegführende Staaten exportiert, zumindest indirekt beteiligt. Das zeigt die Absurdität der Argumentation der Bundesregierung, dass Rüstungsexporte vermeintlich Sicherheit bringen."

Ein breites Bündnis von Menschen aus der Friedensbewegung, den Kirchen, Entwicklungsorganisationen, Kulturschaffenden und Sportlern stellt sich dieser Exportpraxis nun entgegen. Unter dem Motto "Frieden geht!" werden dafür von heute an knapp tausend Teilnehmer aus allen gesellschaftlichen Schichten für einen Stopp deutscher Rüstungsexporte protestieren: gehend, joggend, auf dem Fahrrad oder mit Inlineskates in einem Staffellauf einmal quer durch Deutschland. Die 1.100 Kilometer lange Strecke ist dabei nicht zufällig gewählt.

Von Rüstungsunternehmen zu Rüstungsunternehmen

"Wir starten heute in Oberndorf am Neckar, vor den Toren der Waffenschmiede von Heckler & Koch und passieren auf unserer Route viele weitere bekannte Rüstungsunternehmen, wie Rheinmetall Waffe und Munition oder Krauss-Maffei Wegmann in Kassel, wo Panzer hergestellt werden", betont Mitorganisator Max Weber. "Unser Staffellauf führt aber auch durch Frankfurt, dem Sitz der größten deutschen Banken, die hohe Investitionen in Rüstungsunternehmen tätigen, und an Orte mit Rüstungsunternehmen, die weniger bekannt sind, zum Beispiel Jenoptik in Jena, die optische Bestandteile für Kriegswaffen fertigen."

Der große Zuspruch, den das Trägerbündnis von "Frieden geht!" erfährt, kommt für Max Weber nicht von ungefähr: "Die Mehrheit der in Deutschland lebenden Menschen spricht sich gegen Rüstungsexporte aus, das zeigen viele Umfragen. Sie alle sind froh, endlich ein Zeichen für Frieden und gegen Rüstungsexporte setzen zu können. Was wir gerade erleben, ist hoffentlich der Anfang einer neuen Friedensbewegung."

Neue Friedensbewegung?

Ein Aufschwung, der aus der Sicht von Professor Götz Neuneck dringend notwendig ist. Denn in den Augen des stellvertretenden wissenschaftlichen Direktors des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) hat die Friedensbewegung ein Nachwuchsproblem: "Es muss wieder eine gesellschaftliche Debatte über Abrüstung und andere friedenspolitische Themen einsetzen. Im Augenblick fehlt es aber genau an der Masse. Aber in dem Moment, wo wieder viele auf die Straßen gehen, wird auch in der Politik wieder genauer hingesehen werden müssen."

Diese Energie müsse aufgenommen werden, um damit öffentlichen Druck auf die Politik ausüben zu können, fordert Max Weber: "Das Ziel des Staffellaufs ist deshalb auch Berlin, der Ort also, an dem die Entscheidungen über die besonders kritischen Rüstungsexporte getroffen werden." Verbunden ist damit als zentrale Forderung: Von Deutschland soll Frieden ausgehen und kein Krieg oder keine Kriegsbeteiligung, unter anderem durch Rüstungsexporte.

"Schadet unserem Ansehen"

Einer, der sich dafür als aktiver Teilnehmer einsetzt, ist Sven Chojnacki. Der Professor für Friedens- und Konfliktforschung an der Freien Universität Berlin wird bei der Halbmarathonstrecke am letzten Tag des Staffellaufes in Berlin an den Start gehen. Seine Motivation: "Da Frieden nicht von alleine läuft, braucht es eine engagierte Zivilgesellschaft, die sich - laufend - gewaltfrei einmischt, auf die negativen Folgen militarisierter Politiken aufmerksam macht und gemeinsam alternative Wege der Konfliktbearbeitung diskutiert."

Ein Appell, den auch der ehemalige UN-Diplomat Hans-Christof Graf Sponeck, Schirmherr von "Frieden geht!", an die Welt richtet: "Die weiterhin schwelenden Krisen in Asien, in Afrika, in Ost-Europa und, gerade in dieser Zeit, im Mittleren Osten, bezeugen, dass der Waffengang der Gegenwart nicht in der Lage ist, Konflikte zu lösen und Unmenschlichkeit zu beenden. Wirtschaftliche Interessen dürfen nicht dazu führen, dass deutsche Technologie missbraucht und krisenfördernd wird. Ein solcher Ansatz macht uns mitschuldig und schadet unserem Ansehen." Denn Frieden entstehe nicht durch Monologe und das Recht des Stärkeren, sondern nur durch Dialog.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.