ZDFheute

Stahlharte Zeiten für ThyssenKrupp

Sie sind hier:

Geschäftsbericht des Konzerns - Stahlharte Zeiten für ThyssenKrupp

Datum:

Eine schlechte Performance, Verluste und keine Dividende für die Anleger. ThyssenKrupp, die einstige Ikone der deutschen Industriegeschichte, kommt nicht zur Ruhe.

Thyssenkrupp hat nach hohen Verlusten die Dividende kassiert. Der Konzern rechnet im laufenden Geschäftsjahr unter dem Strich mit noch schlechteren Zahlen.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Martina Merz sagt es klar und deutlich: "Die Performance etlicher Geschäfte ist nicht zufriedenstellend". Das ist das Mantra der vergangenen Jahre. Heute sieht es nicht so aus, als ob die Talsohle durchschritten wäre. Selbst mittelfristige Geschäftsziele wurden nicht erreicht.

Die Übergangschefin spricht bei der Vorstellung des Geschäftsberichtes in Essen von "dringendem Handlungsbedarf" - und das bedeutet auch, dass wohl mehr Arbeitsplätze wegfallen werden als die ohnehin schon beschlossene Streichung von 6.000 Jobs.

Absturz aus der Topliga

Beinahe hätte Martina Merz es geschafft: Sie wäre die erste Frau an der Spitze eines DAX-Konzerns geworden. Aber eben nur beinahe. Der Weltkonzern aus dem Ruhrgebiet rutschte ab aus der Topliga deutscher Unternehmen, kurz bevor Merz den Vorstandsvorsitz übernahm. Und darin zeigt sich auch die Entwicklung der letzten Jahre.

ThyssenKrupp flog aus dem DAX, weil Aktienkurs und Geschäftszahlen miserabel sind: Der Konzern machte allein in 2019 bislang mehr als zwei Milliarden Euro Verlust, und er hat Milliarden Schulden. Das kann Anleger nicht begeistern. Der Aktienkurs spiegelt das wider. Er steht aktuell nur noch halb so hoch wie vor zehn Jahren. Heute, mit Vorlage der Bilanz, rutschte er noch weiter ab.

Gewinnsparte soll verkauft werden

Das Kernproblem ist aber, dass der Konzern über Jahre hinweg schlecht geführt wurde.
Martin Murphy, Chefreporter des Handelsblatts

Dabei ist die Misere hausgemacht. "Die allgemein schwächere Wirtschaft belastet Thyssenkrupp. Das Kernproblem ist aber, dass der Konzern über Jahre hinweg schlecht geführt wurde. Mal war Stahl Kerngeschäft, dann Aufzugsbau und nun gibt es überhaupt keine Strategie mehr", sagt Martin Murphy, der Chefreporter des Handelsblatts, der den Konzern seit Jahren sehr gut kennt. "Thyssenkrupp liegt in allen Geschäften hinter der Konkurrenz. Solide Gewinne weist immerhin die Aufzugssparte aus."

Und genau die soll nun ausgegliedert, an die Börse oder verkauft werden. Sie soll dringend benötigtes Kapital in die Kassen spülen. Merz sagte heute, dass noch nicht entschieden ist, ob die Sparte an die Börse oder an einen Investor geht. Andere Geschäftsbereiche machen mehr Sorgen als Hoffnung:

  • In Brasilien und den USA hat der Essener Konzern Milliarden in gescheiterten Kraftwerksprojekten versenkt.
  • Im schwierigen Stahlgeschäft misslang nach jahrelangen Verhandlungen die Fusion mit dem Weltkonzern Tata steel. Hier sucht der Konzern nach einer neuen Strategie.
  • Für verbotene Kartellabsprachen musste Thyssenkrupp hohe Millionenstrafen zahlen.

Zerstrittene Führung

Der Aufsichtsrat, der die Geschäftsentwicklung kontrollieren soll, zeigt seit Jahren öffentlich ein zerstrittenes Bild. Teils aggressive Finanzinvestoren verfolgen ganz andere Interessen als der Hauptanteilseigner, die Krupp-Stiftung, die mehr als 20 Prozent der Firmenanteile hält. Stiftungschefin Ursula Gather erklärte dazu jüngst in einem Interview, man habe - anders als ein Finanzinvestor - kein Interesse an Kurs-Renditen, wohl aber daran, dass es dem Unternehmen gut gehe.

Wie soll das zusammenpassen? Stiftungsauftrag war ursprünglich einmal, die Einheit des Konzerns zu garantieren. Aber davon ist man abgerückt. Cevian, eine schwedische Investmentgesellschaft mit Sitz in Stockholm, und besonders der aggressive Investor Hedgefonds Elliot, haben deutlich andere Interessen und drängen auf Zerschlagung.

Zwischenlösungen

2018 warf der langjährige Vorstandschef Heinrich Hiesinger überraschend hin. Finanzvorstand Guido Kerckhoff rückte nach und wurde 2019 nach glücklosen Zwischenspiel hinauskomplimentiert. Wie schwierig es ist, noch gute Führungskräfte zu finden, zeigt die Tatsache, dass Martina Merz aus dem Aufsichtsrat ausschied, um den Vorstandsvorsitz für ein Jahr zu übernehmen.

Chefkontrolleurin Ursula Gather räumte öffentlich ein, dass die Situation der einstigen Industrie-Ikone herausfordernd sei. Geschäftsbereiche, die nicht profitabel sind, kann sich Thyssenkrupp auf Dauer nicht mehr leisten.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.