Sie sind hier:

Stalker-Apps - Totale Überwachung zum Schnäppchenpreis

Datum:

Stalking ist verboten. Stalker-Apps haben trotzdem Konjunktur. Opfer sind vor allem Frauen. Sie werden von ihren Partnern heimlich auf Schritt und Tritt per Smartphone überwacht.

Screenshot von Spyzie
Screenshot von Spyzie

Die totale Überwachung eines anderen Menschen gibt es im Internet bereits für 26,99 Euro. So viel kostet pro Monat eine Spionage-App, die man heimlich auf einem fremden Smartphone installiert. Anschließend bekommt man alle Daten, die man benötigt, um das Leben des Anderen bis ins Detail auszuforschen und zu kontrollieren. 

"Wie man eine untreue Freundin erwischt"

Als Kunden haben Überwachungs-Apps wie Spyzie oder Flexispy vor allem eifersüchtige Männer im Visier. Die Apps sollen ihnen helfen, ihre Partnerinnen rund um die Uhr zu kontrollieren. "Ungewissheit ist das Schlimmste", werben die Betreiber von Spyzie für ihre App und zeigen ihren Kunden gern, "wie man eine untreue Freundin erwischt. Und als Bonus werden wir Ihnen erklären, wie Sie das Handy Ihrer Freundin ausspionieren können."

Überwachungs-Apps wurden bisher meist für Arbeitgeber zur Kontrolle ihrer Mitarbeiter oder für übervorsichtige Eltern angeboten, die stets darüber informiert sein wollen, wo sich ihre Kinder gerade befinden. Eltern können mit solchen Apps zudem Orte festlegen, an denen sich ihre Kinder aufhalten dürfen. Verlassen sie die erlaubte Zone, schlagen die Apps Alarm.

Google mistet Play Store aus

Viele dieser Apps könnten genauso gut benutzt werden, um den Partner auszuspionieren, so das Ergebnis einer neuen US-Untersuchung. Manche Hersteller werben ganz offen mit dieser Funktion. Etliche Blogs, Foren und YouTube-Videos erklären im Detail, wie die Apps funktionieren und wie man sie heimlich auf einem fremden Smartphone installiert. Dass die Verwendung einer solchen App zum Stalken anderer Personen illegal ist, wird in der Regel mit keinem Wort erwähnt.

Google hat mittlerweile reagiert. Nachdem die Ergebnisse der US-Studie über Stalker-Apps bekannt geworden waren, hat der Suchkonzern seinen Play Store ausgemistet, etliche Spionage-Apps aus seinem Shop verbannt und die Werbung für solche Apps eingeschränkt. Doch das Problem ist damit längst noch nicht gelöst. Denn viele Apps werden nicht über die offiziellen Download-Shops, sondern direkt über die Webseiten der Hersteller vertrieben.

Alles wird überwacht

Ist die Stalker-App auf einem fremden Smartphone installiert, werden alle Telefongespräche, jede SMS und WhatsApp-Nachricht, alle Fotos, Videos und Social-Media-Aktivitäten sowie E-Mails und GPS-Standortdaten auf den Rechner des Überwachers übertragen. Auch Kamera und Mikrofon können heimlich eingeschaltet werden. Bei technischen Problemen helfen Echtzeit-Chats und Hotlines der Betreiber.

Im familiären Umfeld sei es oftmals kein Problem, eine Überwachungs-App heimlich auf dem Smartphone des Partners zu installieren, sagt Sandra Cegla, Gründerin von "SOS Stalking", einer Agentur, die Stalking-Opfern Hilfe und Beratung anbietet. Oft kenne der Partner den Code, mit dem das Telefon entsperrt werde. "Was uns ebenso immer wieder begegnet, ist das Smartphone als Geschenk, auf dem die Spyware bereits vorinstalliert ist", so Cegla.

Die meisten Stalking-Opfer sind Frauen

Die geschlechtsspezifische Werbung der App-Betreiber fällt offenbar auf fruchtbaren Boden. "In unserer Beratungspraxis zeichnet sich eindeutig ab, dass in erster Linie Männer diese Apps verwenden", sagt Cegla. In rund 80 Prozent der Fälle seien Frauen die Opfer. Diese Beobachtung deckt sich mit den Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik. Danach sind die Opfer von Stalking in fast 90 Prozent der Fälle Frauen.

"Spyware kommt häufig zum Einsatz, wenn Männer eine Affäre ihrer Frau vermuten oder krankhaft eifersüchtig sind", sagt Cegla. Dass ein Smartphone manipuliert wurde, lässt sich für den Laien dabei nicht erkennen. Überwachungs-Apps tarnen sich als Systemanwendungen und laufen unsichtbar im Hintergrund. Von Antiviren-Apps und anderen Schutzprogrammen werden sie in aller Regel nicht erkannt.

Handy ausschalten und Passwörter ändern

"Einer Frau, die den Verdacht hat, durch eine Spyware ausgespäht zu werden, würde ich raten, das Handy ab sofort nicht mehr zu verwenden", sagt Cegla. Das Telefon sollte ausgeschaltet und der Akku herausgenommen werden. Zudem sollten alle Passwörter, die für das E-Mailkonto, Social-Media-Plattformen oder das Online-Banking verwendet werden, augenblicklich geändert werden, rät Cegla.

Stalking ist eine Straftat. Betroffene können also Strafanzeige erstatten. In diesem Falle sollte das manipulierte Smartphone bei der Polizei zur Beweissicherung vorgelegt werden. "In der Praxis bleibt trotzdem die Hürde der Beweisbarkeit, die in aller Regel schwierig ist", sagt Cegla. Viele Verfahren würden eingestellt oder führten lediglich zu geringen Geldstrafen. Bewährungs- oder Haftstrafen kämen nur sehr selten vor.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.