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Starkregen - Umweltbundesamt fordert Gefahrenkarten

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Fast täglich ist ein anderer Ort von Starkregen betroffen, versinken ganze Dörfer in den Fluten. Wo genau sich die Himmelsschleusen öffnen, können auch Experten kaum vorhersagen.

Nach Starkregen und Hagelschlag ist ein Bach in Hetzerode (Hessen) am 27.05.2018 über die Ufer getreten
Nach Starkregen und Hagelschlag ist ein Bach in Hetzerode (Hessen) über die Ufer getreten Quelle: dpa

Das Frühjahr hat den Trend klar bestätigt: Wie schon in den vergangenen Jahren haben heftige Unwetter mit Starkregen und Hagel immer wieder ganze Ortschaften in kürzester Zeit überflutet. Wenn die Meteorologen Recht behalten, werden uns die Bilder solcher Starkregenereignisse im kommenden Sommer weiter begleiten: Sie rechnen mit Hitzewellen und weiterhin auch punktuell mit extremen Unwettern.

Umweltbundesamt ermittelt den Status Quo

Schon in den Jahren 2014, 2015 und 2016 verursachten extreme Niederschläge enorme Sachschäden. Auch Menschen kamen ums Leben. Das Umweltbundesamt (UBA) hat im Rahmen des Projekts "Vorsorge gegen Starkregenereignisse und Maßnahmen zur wassersensiblen Stadtentwicklung" recherchiert, wie es in deutschen Kommunen um die Starkregenvorsorge bestellt ist. Ein Ziel des Projektes sind Handlungsempfehlungen, die dem ZDF teilweise vorab vorliegen.

Anders als das klassische Hochwasser an Flüssen kann Starkregen völlig unabhängig von Gewässern auftreten.  "Starkregenereignisse sind extrem kleinräumig, und man weiß nie genau, wo so ein Ereignis stattfindet", betont Corinna Baumgarten, die das Projekt beim UBA betreut. "Man kann auch nicht sagen, dass eine bestimmte Region stärker gefährdet ist als eine andere. Man kann überall gleichermaßen von einem Starkregenereignis betroffen werden."

Kurze Vorwarnzeiten

Weil Starkregen mit herkömmlichen Wettermodellen kaum vorherzusagen ist, bleiben meist nur wenige Stunden für Hinweise an die Bevölkerung. Bei Befragungen nach den Sturzfluten im Frühjahr 2016 stellte sich heraus, dass bei den untersuchten Ereignissen nur rund zwölf Prozent der Betroffenen vorab durch offizielle Warnungen erreicht werden konnten.

In manchen Fällen hätte es womöglich nicht viel geändert, wenn die Menschen früher gewusst hätten, was auf sie niederkommt. Die Infrastruktur vieler Orte ist den sintflutartigen Niederschlägen oft nicht gewachsen. Hinzu kommt, dass noch immer zu viele Flächen versiegelt werden, auf denen Wasser versickern könnte. Das kritisiert auch Corinna Baumgarten: "Die Versiegelung und insbesondere die Neuversiegelung ist in Deutschland noch immer zu hoch. 2016 wurden täglich 62 Hektar Siedlungs- und Verkehrsfläche neu ausgewiesen, das ist mehr als doppelt so viel, wie die Bundesregierung mit 30 Hektar pro Tag bis 2030 in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie vorgibt."

Starkregengefahrenkarten sollen helfen

Ein Ausbau der Kanalisation, der von manchen Experten immer wieder gefordert wird, sei allein nicht ausreichend für einen effektiven Umgang mit Starkregenereignissen, so Baumgarten. Städte und Gemeinden müssten vor allem analysieren, welche Flächen für eine Aufnahme von ablaufendem Starkregenwasser besonders geeignet sind und den Abfluss dorthin gezielt lenken, um andere Flächen zu entlasten.

Ein probates Mittel, um die möglichen Auswirkungen extremer Niederschläge zumindest etwas berechenbarer zu machen, sind so genannte Starkregengefahrenkarten. Anhand solcher meist auf Geländemodellen basierenden Karten lässt sich ungefähr vorhersagen, welche Straßenzüge oder Gebäude eines Ortes wie stark betroffen sein könnten. Daraus lassen sich dann gezielt Gegenmaßnahmen ableiten.

Bewusstsein ist gewachsen

Laut UBA haben einige Kommunen wie Worms und Lübeck solche Karten erstellt. Weil es aber noch keine einheitlichen Standards gibt, sind diese bislang unterschiedlich konzipiert und kaum vergleichbar. "Ein Ergebnis des Projekts ist, dass man sich um eine Vereinheitlichung der Karten kümmern muss. Jede existierende Karte ist gut und wichtig, aber man könnte es besser machen", so Baumgarten.

Das Projekt insgesamt habe gezeigt, dass das Bewusstsein und das Verständnis über Starkregenereignisse auf allen Ebenen gestiegen seien. "Jetzt kommt es darauf an, auf der Grundlage von Risikoanalysen konkrete Maßnahmen in den urbanen Räumen zu planen und umzusetzen."

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