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Start ins Ausbildungsjahr - Azubimangel auf dem Land

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Heute startet in Deutschland das neue Ausbildungsjahr. Viele Unternehmen suchen noch immer händeringend Azubis. Gerade auf dem Land herrscht akuter Nachwuchsmangel.

Eigentlich läuft es gut für den Teigwarenhersteller Henglein im Süden von Sachsen-Anhalt: 160 Tonnen Pizzateig produziert das Unternehmen täglich – und ist damit Marktführer in Deutschland. Besonders pikant: Der größte Teil des exportierten Pizzateigs geht ausgerechnet nach Italien.

Nur die Ausbildung macht dem Betrieb große Sorgen. Obwohl das Unternehmen von der IHK als "Top Ausbildungsbetrieb" zertifiziert ist, finden sie hier in Lebensmitteltechnik, im Lager und im Büro kaum Nachwuchs. Betriebsleiter Ralf Röhrborn: "Wir haben pro Ausbildungsjahr acht Ausbildungsplätze, die wir anbieten. Und momentan haben wir halt nur vier besetzen können."

Wir haben pro Ausbildungsjahr acht Ausbildungsplätze, die wir anbieten. Und momentan haben wir halt nur vier besetzen können.
Ralf Röhrborn, Betriebsleiter Henglein

Qualität der Bewerber gesunken

Azubis arbeiten an der Verdrahtung eines Schaltschranks
Azubis mit guten Noten werden händeringend gesucht.

Das Problem: Vor allem ländlichen Betrieben wie hier im Burgenlandkreis geht der Nachwuchs aus. Auch die Qualität der Bewerber hat sich laut Ausbildungsleiter Gerd-Uwe Heimbach in den vergangenen Jahren verschlechtert: "Habe ich in der Vergangenheit Realschüler mit 1er-, 2er- oder 3er-Notendurchschnitt gehabt in den Bewerbungen, kommen heute Hauptschüler, die 3 und 4 als Abschlussnote haben. Und das ist schon schwierig, das in der Ausbildung noch umzusetzen."
Wie Henglein konnte jedes zweite Unternehmen im südlichen Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr nicht alle Ausbildungsplätze besetzen. Geburtenschwache Jahrgänge und der Trend zum Studium machen den Unternehmen schon länger zu schaffen. Wie sich auch die ländliche Lage auswirkt, zeigt eine aktuelle Studie.

Wie Henglein konnte jedes zweite Unternehmen im südlichen Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr nicht alle Ausbildungsplätze besetzen. Geburtenschwache Jahrgänge und der Trend zum Studium machen den Unternehmen schon länger zu schaffen. Wie sich auch die ländliche Lage auswirkt, zeigt eine aktuelle Studie.

Mangel droht auch in alten Bundesländern

Aktuell sind die Regionen im Osten deutlich stärker vom Azubimangel betroffen.
Alexander Burstedde, Institut der deutschen Wirtschaft

Gibt es in westdeutschen Großstädten wie Heidelberg, Bonn oder Freiburg pro 100 Beschäftigte mit Berufsausbildung mehr als zehn Azubis, sind es in den ländlichen Regionen Ostdeutschlands meist weniger als fünf. Alexander Burstedde vom Institut der deutschen Wirtschaft: "Aktuell sind die Regionen im Osten deutlich stärker vom Azubimangel betroffen. Aber das ist einfach nur so, weil sie schon länger unter Abwanderung leiden. In westdeutschen Regionen gibt es auch Abwanderung und über kurz oder lang sieht es dann dort genauso aus wie in Ostdeutschland."

Virtuelle Klassenzimmer als Alternative

Hürden für Azubis auf dem Land sind vor allem die mangelnde Mobilität und, dass zunehmend Berufsschulen schließen. Seit den 1990ern ging deren Zahl von rund 1.800 auf 1.500 zurück. Wirtschaftsvertreter fordern Gegenmaßnahmen: Schon jetzt sei der Azubi- und Fachkräftemangel eine echte Wachstumsbremse.

Deshalb sind tatsächlich virtuelle Klassenzimmer aus unserer Sicht eine wichtige Möglichkeit.
Achim Dercks, DIHK

Achim Dercks, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), findet: "Die Berufsschulen haben hier tatsächlich eine Schlüsselrolle. Wir brauchen Berufsschulen auf dem Land. Auf der anderen Seite ist natürlich klar, man kann nicht für jeden Kleinstberuf eine eigene Klasse auf dem Land aufmachen. Deshalb sind tatsächlich virtuelle Klassenzimmer aus unserer Sicht eine wichtige Möglichkeit."

Mehr über berufliche Bildung sprechen

In vielen, vor allen Dingen technischen Ausbildungsberufen kann man zum Beispiel mit Weiterbildung leicht 50.000 Euro und mehr verdienen.
Alexander Burstedde, Institut der deutschen Wirtschaft

Schon heute werden ländlich gelegene Unternehmen im Kampf um Bewerber selbst erfinderisch: Teigwarenhersteller Henglein besorgt den Azubis eine Wohnung und zahlt einen Teil der Miete. Alexander Burstedde vom Institut der deutschen Wirtschaft fordert, auch an den Gymnasien müsse die berufliche Ausbildung stärker thematisiert werden:

"In vielen, vor allen Dingen technischen Ausbildungsberufen kann man zum Beispiel mit Weiterbildung leicht 50.000 Euro und mehr verdienen. Das ist mehr als in vielen Studienberufen. Darüber wird zu wenig gesprochen." Wenn sich das ändere, sei das ein erster Schritt, um dem Nachwuchsmangel auf dem Land entgegenzuwirken.

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