Sie sind hier:

Zahlen des Mikrozensus - Lieber mit als ohne Kinder

Datum:

Die deutsche Gesellschaft wird kinderfreundlicher. Nimmt man Zahlen und nicht kaputte Aufzüge für Kinderwagen zum Gradmesser, liegt dieser Schluss nahe. Die Kinderlosigkeit steigt nicht weiter, Kinder gehören zum Lebensplan dazu, so das Statistische Bundesamt. Doch stabil ist dieser Trend nicht.

In den vergangenen 30 Jahren hatte sich die Quote kinderloser Frauen von 11 auf 21 Prozent fast verdoppelt. Dieser Trend ist nun gestoppt. Als Grund dafür gilt unter anderem die verbesserte Kinderbetreuung.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Aller vier Jahre prüft das Statistische Bundesamt, wie es in den deutschen Familien aussieht. Das hat es auch 2016 getan und kann jetzt Schlüsse im Vergleich zu den Vorjahren ziehen. Unterm Strich, sagt Georg Thiel, Vizepräsident der Behörde, "ist der Trend erfreulich".

Familie und Beruf ließen sich offenbar besser als früher miteinander vereinbaren, was er etwa auf das Elterngeld und den gesetzlichen Anspruch auf einen Kitaplatz zurückführt. Die gute Konjunktur sei ebenfalls ein Grund dafür, dass sich Paare für Kinder entscheiden. Paare, die zwar zum Großteil verheiratet sind, der Trend zu anderen Familienformen nehme aber zu. "Durchaus alles positive Veränderungen", sagt Thiel. Der demografische Wandel der Gesellschaft sei damit aber nicht gestoppt.

Weniger Kinderlose im Osten als im Westen

Insgesamt liegt in Deutschland nach jahrelangem Abwärtstrend die Zahl der Geborenen wieder auf dem Niveau der Jahrtausendwende. 2015 wurde wieder das Niveau von 1982 erreicht. Statistisch bekam jede Frau 1,5 Kinder. Das wichtigste Ergebnis der jüngsten Befragung: Der Trend zu mehr Kindern setzt sich fort, unter akademisch gebildeten Frauen geht die Kinderlosigkeit sogar zurück. Vor allem im früheren West-Deutschland, wo der Anteil der Kinderlosen besonders hoch war, zeichnet sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes eine Stabilisierung ab. Mit der Schweiz, Finnland und Italien gehört Deutschland trotzdem zu den Ländern, die in Europa am wenigsten Kinder haben.

Fast 80 Prozent aller Frauen werden im Laufe ihres Lebens einmal Mutter. 21 Prozent der Frauen zwischen 45 bis 49 Jahren hatten im vorigen Jahr im alten Westen keine Kinder, im Osten dagegen nur zwölf Prozent. Erst in diesem Alter gilt die Familienplanung statistisch als abgeschlossen. Dabei gibt es innerhalb Deutschlands erhebliche Unterschiede.

Generell gilt: Auf dem Land gibt es mehr Kinder als in den Städten. In den Stadtstaaten lag die Kinderlosenquote bei 28 Prozent, Spitzenreiter ist Hamburg. In Schleswig-Holstein haben die wenigsten Frauen Kinder, im Saarland die meisten. In den ostdeutschen Bundesländern ist dagegen die Gruppe der Frauen, die in dieser Altersgruppe auf Nachwuchs verzichten, ziemlich stabil: Die Quote liegt bei elf bis 13 Prozent.

Voriger Zuwanderungsschub noch nicht erfasst

Die Statistiker haben auch ermittelt, welche Frauen Kinder bekommen. Ihr Fazit: Bei Akademikerinnen sinkt die Kinderlosigkeit, bei Frauen, die in Deutschland geboren wurden und einen anderen Bildungsabschluss haben, steigt sie. Sie wäre noch höher, gäbe es nicht die Zuwanderinnen mit eher mehr Kindern. Allerdings: Die Flüchtlinge, die seit 2015 nach Deutschland kamen, sind in dieser Statistik noch nicht erfasst. Beim Mikrozensus werden ausschließlich Bewohner von Privathaushalten befragt. Die meisten Flüchtlinge lebten 2016 - und bis heute - allerdings noch in Sammelunterkünften. Der leichte Geburtenanstieg seit 2012 hängt "offensichtlich nicht nur mit der stärkeren Zuwanderung, sondern auch mit Geburtenverhalten der Gesamtbevölkerung zusammen", sagt Vizepräsident Thiel.

Denn die Zahlen sagen klar: Es geht zwar die Zahl der Familien zurück, die Zahl der Kinder bleibt aber stabil. So lebte 2016 fast die Hälfte der Bevölkerung in einer Familie. Unter diesen sind Ehepaare mit Kindern mit 68 Prozent die häufigste Familienform, dann kommen Alleinerziehende (23 Prozent). Lebensgemeinschaften mit Kindern machen acht Prozent aus - doppelt so viele Prozentpunkte wie 20 Jahre zuvor. Allerdings ist der Trend im Osten wiederum ein anderer: Nur noch etwas mehr als die Hälfte der Familien besteht dort aus Verheirateten plus Kindern.

Kitaplätze, Erzieher, Lehrer - alles fehlt

Während Deutschland im europäischen Vergleich bei der Kinderzahl eher unten zu finden ist, liegt es bei der Erwerbstätigkeit der Mütter im oberen Drittel. Nimmt man Mutterschutz und Erziehungszeit raus, haben im vorigen Jahr 70 Prozent der Mütter gearbeitet. Allerdings nur 24 Prozent Vollzeit. Insgesamt steigt die Erwerbstätigkeit, je älter die Kinder werden. Ist das jüngste Kind etwa zwei Jahre alt, gehen schon mehr als die Hälfte aller Mütter wieder arbeiten. Vor acht Jahren waren das noch viel weniger. Dabei drängt es zunehmend vor allem Akademikerinnen wieder zurück an den Arbeitsplatz. Sie kehren schneller wieder zurück in den Beruf und arbeiten häufiger Vollzeit.

Also alles bestens? Wohl kaum. Zum einen kommen die geburtenschwachen Jahrgänge der 1980er und 1990er Jahre erst noch, die dann vermutlich dementsprechend weniger Kinder in die Welt setzen, wie Thiele warnt. Und zum anderen: Es fehlen Kita- und Hortplätze, so dass die Erwerbstätigkeit der Mütter eher sinken könnte. Erst Anfang Juni hatte die Bundesregierung 1,1 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, um bis 2020 100.000 neue Kitaplätze zu errichten. Insgesamt fehlen aber nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaft 300.000, vor allem im Westen.

Die Bertelsmann-Stiftung hatte zudem erst kürzlich beklagt, dass wegen der steigenden Geburtenzahlen und Zuwanderung bis 2025 Lehrer und Schulgebäude fehlen. Beispiel München: Etwa 1.000 Kinder kamen 2016 mehr als im Vorjahr zur Welt. Das bedeutet: München braucht 1.000 neue Kitaplätze. Und 40 zusätzliche Schulklassen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.