Sie sind hier:

Steinmeier in Moskau - Sprachlosigkeit ist keine Alternative

Datum:

Zum ersten Mal seit sieben Jahren besucht ein deutscher Bundespräsident Moskau. Frank-Walter Steinmeiers Reise ist nicht einfach: Die Beziehungen zu Russland sind derzeit eher von Entfremdung gekennzeichnet als von Nähe.

"Viel sollte man nicht erwarten, es geht darum, auszuloten was möglich ist", sagt ZDF-Korrespondent Winand Wernicke über den Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Seit Jahren bewege sich nichts in den strittigen Punkten um den Konflikt in …

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Frank-Walter Steinmeier macht sich keine Illusionen über den Stand der deutsch-russischen Beziehungen, das hat der Bundespräsident kürzlich in einem Interview mit der FAZ betont. Lange vorbei sind die Zeiten, als Deutschland zusammen mit Michail Gorbatchow am gemeinsamen Haus Europa gebaut habe, als Wladimir Putin 2001 im Bundestag eine Rede hielt, die Hoffnungen auf eine sehr schelle Annäherung zwischen Europa und Russland begründeten.

Patricia Wiedemeyer
Patricia Wiedemeyer, Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio Quelle: zdf

Heute suche Russland seine Identität eher in Abgrenzung zu Europa und dem Westen, als in Gemeinsamkeiten - zugespitzt habe sich die Situation 2014 mit der Annexion der Krim und der militärischen Aktivitäten in der Ost-Ukraine. Annäherungen zwischen Europa, Deutschland und Russland seien daher derzeit nicht zu erwarten, sagt der als Russlandversteher bekannte Bundespräsident. So viel also zur Ausgangslage.

Erster Präsidenten-Besuch seit sieben Jahren

Dennoch fliegt Steinmeier jetzt nach Moskau: Zum ersten Mal übrigens seit sieben Jahren besucht ein Bundespräsident das Land. Christian Wulf war 2010 zum Staatsbesuch da, sein Nachfolger Joachim Gauck in seiner Amtszeit nicht ein Mal, ganz im Gegenteil, er reiste demonstrativ nicht zu den Olympischen Winterspielen nach Sotschi - ein deutliches Signal, das Verhältnis Gauck-Putin galt als eisig.

Die Initiative zu diesem Besuch nun ging von deutscher Seite aus. Klein anfangen, so das Motto, es ist lediglich ein Arbeitsbesuch. Ein richtiger Staatsbesuch mit allen militärischen Ehren schien angesichts des angespannten Verhältnisses keiner Seite angemessen. Das Rahmenprogramm ist die Rückgabe der Kathedrale St. Peter und Paul an die Evangelisch-Lutherische Kirche in Russland. Es ist eine kleine Geste, ein Entgegenkommen der russischen Seite gegenüber den Deutschen. Ob es wirklich viel bedeutet, sei dahingestellt.

Entgegenkommen der russischen Seite

Die Teilnahme an der Übergabe-Zeremonie ist also ein willkommener Anlass für die Reise, hinzu kommen dann Treffen mit Mitarbeitern des Menschenrechtszentrums Memorial, mit Michail Gorbatschow und vor allem mit Präsident Wladimir Putin.

Wie lange das Gespräch mit Putin dauern wird, ist offen. Es ist auf jeden Fall genügend Zeit im Programm vorgesehen. Steinmeier will dabei ausloten, wo Russland derzeit steht: Wie sieht Putin die künftigen Beziehungen mit Europa, mit Deutschland? Gibt es eine Chance, aus der jetzigen Krise wieder herauszukommen?

Erwartungen eher gering

Die Erwartungen sind eher gering, es sei jetzt nicht die Zeit für neue Projekte, für eine neue Ostpolitik. Aber - das war schon immer Steinmeiers Ansatz, auch als Außenminister - man müsse im Gespräch bleiben, den Dialog suchen. Anders als Kanzlerin Merkel war Steinmeier immer mehr auf Dialog bedacht, wollte strengere Sanktionen verhindern, sieht sich gerne in der Rolle als Eisbrecher, als Vermittler.

Er reise dorthin, wo es schwierig sei, kündigte er zu Beginn seiner Amtszeit an. In Griechenland und in Israel war er bereits. In Israel hat er die Scherben, die sein Nachfolger im Amt des Außenministers, Sigmar Gabriel, bei einem Besuch hinterlassen hatte, wieder zusammengefügt. Nun also Russland: Die Sprachlosigkeit wird er überwinden, aber das könnte es dann möglicherweise auch gewesen sein.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.