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Gedenken an Opfer von Verfolgung - Steinmeier bittet Homosexuelle um Vergebung

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Der Bundespräsident hat Homosexuelle um Vergebung für frühere Verfolgung und Diskriminierung gebeten. Auch für die Verharmlosung von NS-Verbrechen fand er deutliche Worte.

Frank-Walter Steinmeier verneigt sich vor dem Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen
Frank-Walter Steinmeier verneigt sich vor dem Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen
Quelle: dpa

Bei einem Festakt zum zehnjährigen Bestehen des Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen erinnerte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier daran, dass Schwule und Lesben auch in der Bundesrepublik und der DDR verfolgt wurden.

Mehr als 20 Jahre nach Gründung der Bundesrepublik seien Zehntausende Männer nach dem Paragraphen 175 verhaftet, verurteilt und eingesperrt worden. Sie hätten sich weiter verstecken müssen, wurden weiterhin bloßgestellt und hätten ihre wirtschaftliche Existenz riskiert: "Für all diejenigen, deren Sexualität schon vor 1945 als eine Straftat galt, für sie persönlich war der 8. Mai 1945 nicht wirklich ein Tag der Befreiung", sagte der Bundespräsident.

Eigene Verantwortung für das Heute erkennen

Steinmeier sagte weiter: "Ihr Land hat Sie zu lange warten lassen. Deshalb bitte ich heute um Vergebung - für all das geschehene Leid und Unrecht, und für das lange Schweigen, das darauf folgte." Sich zu korrigieren, sich ehrlich an die Geschichte zu erinnern und sich nötigenfalls auch zu entschuldigen, wenn Unrecht geschehen ist - das seien große Stärken der Demokratie, unterstrich der Bundespräsident.

Deutschland habe dazugelernt. Vor allem die Engagierten und politisch Bewegten könnten stolz auf das Erreichte sein. Allen Schwulen, Lesben und Bisexuellen, allen Queers, Trans- und Intersexuellen in Deutschland könne heute gesagt werden, "auch Ihre sexuelle Orientierung, auch Ihre sexuelle Identität stehen selbstverständlich unter dem Schutz unseres Staates". Und weiter: "Auch Ihre Würde ist so selbstverständlich unantastbar, wie sie es schon ganz am Anfang hätte sein sollen."

Jedoch dürfe sich niemand zufrieden zurücklehnen, wenn etwa homophobe Beleidigungen heute wie selbstverständlich auf dem Schulhof zu hören seien. Es bleibe daher wichtig, immer wieder an die Gedenkorte zu kommen, zu erinnern und die eigene Verantwortung für das Heute zu erkennen.

Steinmeier verurteilt Verharmlosung von NS-Verbrechen

Steinmeier verurteilte bei dem Festakt auch jegliche Relativierung von Holocaust und Nazi-Diktatur. "Wer diesen einzigartigen Bruch mit der Zivilisation leugnet, klein redet oder relativiert, der verhöhnt nicht nur die Opfer, sondern der will alte Wunden wieder aufreißen und sät neuen Hass", sagte Steinmeier in seiner Rede. "Dem müssen wir uns gemeinsam entgegenstellen." Damit reagierte er offenbar auf eine Aussage von AfD-Chef Alexander Gauland, ohne dessen Namen zu nennen.

Deutschland habe in den Jahren der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft millionenfach Menschen verschleppt und ermordet sowie ganz Landstriche verwüstet, sagte der Bundespräsident. "Unser Land hat in diesen zwölf Jahren schwere Schuld auf sich geladen."

Gauland hatte am Samstag auf dem Bundeskongress der Jungen Alternative für Deutschland im thüringischen Seebach gesprochen. Medien zitierten ihn mit den Worten: "Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte." Holocaust-Überlebende und Spitzenpolitiker von CDU, SPD und Grünen reagierten mit Entsetzen und Empörung auf Gaulands Äußerungen.

Gauland hat in der Vergangenheit mehrfach durch provokative Äußerungen und fehlende Abgrenzung zum rechten Rand der AfD für Empörung gesorgt. Auf einer Veranstaltung im Bundestagswahlkampf sagte Gauland, er wolle die damalige Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz (SPD) "in Anatolien entsorgen". Auf einem Treffen der AfD-Rechtsaußen-Gruppe "Der Flügel" forderte er das Recht, wieder "stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen".

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