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Stichwahl in der Ukraine - Der Amtsinhaber gegen den Schauspieler

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Präsident Petro Poroschenko gegen Schauspieler Wolodymyr Selenskyj: Das Duell um das Präsidentenamt in der Ukraine geht heute in die Stichwahl. Der klare Favorit? Der Schauspieler.

20.000 Menschen im Kiewer Olympiastadion, Millionen vor den Fernsehern. Das Rededuell der Präsidentschaftskandidaten sollte den Ukrainern eine letzte Entscheidungshilfe geben. Doch statt Inhalten bekamen sie nur persönliche Angriffe zu hören.

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Diesem Showdown hatte das ganze Land entgegengefiebert: Zum Wahlkampfabschluss lieferten sich Präsident Petro Poroschenko und sein Herausforderer Wolodymyr Selenskyj eine hitzige Debatte im Kiewer Fußballstadion. Es war der Höhepunkt eines Wahlkampfs der Absonderlichkeiten - zu dem auch öffentliche Drogentests der Kandidaten zählten.

Für die Ukraine steht viel auf dem Spiel. Seit fünf Jahren herrscht im Osten des Landes Krieg: Dort kämpfen von Russland unterstützte Separatisten gegen Regierungstruppen. Wirtschaftlich geht es vielen Ukrainern heute deutlich schlechter als zu Beginn der Kämpfe. Knapp ein Drittel der Bevölkerung im flächenmäßig größten Land Europas lebt in Armut, leidet unter hoher Inflation und allgegenwärtiger Korruption.

Herausforderer Wolodymyr Selenskyj

Wolodymyr Selenskyj will Petro Poroschenko ablösen. Archivbild
Wolodymyr Selenskyj will Petro Poroschenko ablösen. Archivbild
Quelle: Dan Braun/AP/dpa

"Weg mit dem bestehenden System" - das ist die Botschaft von Wolodymyr Selenskyj. Und die kommt offenbar an. Schon im ersten Wahlgang bescherte sie dem 41-jährigen ausgebildeten Juristen einen deutlichen Vorsprung vor Poroschenko. Selenskyj ist Schauspieler. In seiner populärsten Rolle spielt er das, was er werden möchte, den Präsidenten. "Diener des Volkes" heißt die Serie. Dazu hat er noch eine eigene Fernsehshow. Der Besitzer des Senders ist ein bekannter Oligarch. Nicht wenige halten Selenskyj deshalb auch für eine Marionette.

Inhaltlich unterscheidet er sich gar nicht so sehr von Poroschenko: Auch er setzt auf die Westbindung Richtung EU. Über eine NATO-Mitgliedschaft will er in einem Referendum abstimmen lassen. Den Krieg im Osten des Landes möchte er beenden - und dabei hart gegenüber Russland bleiben. Im Wahlkampf hat Selenskyj vor allem auf Social Media gesetzt. Sein Team verbreitete immer wieder kurze Clips, die bei vielen jungen Leuten gut ankamen. Den klassischen Medien stellte er sich kaum - was ihm den Vorwurf einbrachte, kritischen Journalisten und ihren Fragen aus dem Weg zu gehen.

Amtsinhaber Petro Poroschenko muss kämpfen

Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine.
Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine.
Quelle: Mykhailo Markiv/Pool, Presidential Press Service/dpa

Der amtierende Präsident muss kämpfen. Fast aussichtslos liegt er in den Umfragen hinten - das muss allerdings nichts heißen. Gerade in den letzten Tagen hat der 53-jährige studierte Jurist immer wieder versucht, seine Erfahrung zu betonen. Vor allem auf der internationalen Bühne sei das wichtig. Ganz besonders, um Russland und Putin die Stirn zu bieten.

Fast aggressiv trat Poroschenko auf in der entscheidenden Debatte. Er sprach frei, während sein Kontrahent immer wieder vom Blatt ablas. Ob es ihm so im letzten Moment gelingt, die Wähler auf seine Seite zu bringen ist unklar. Versprechen, mit denen er vor fünf Jahren als Präsident angetreten war, hat er nie eingelöst: So wollte er den Krieg in der Ost-Ukraine beenden und die wirtschaftliche Situation deutlich verbessern.

Tatsächlich leben fast ein Drittel aller Ukrainer unterhalb der Armutsgrenze. Auch seine Schokoladenfabriken, die ihm Millionen einbringen, hat Poroschenko nie aufgegeben. Viele halten seine Beteuerungen die allgegenwärtige Korruption zu bekämpfen für leere Worte.

Tag der Entscheidung

"Ich bin nicht ihr Gegner, ich bin ihr Urteil", schleuderte Selenskyj Poroschenko in der Abschlussdebatte entgegen. So ging ein Wahlkampf zu Ende, der von Show, Dramatik und gegenseitigen Vorwürfen geprägt war. 30 Millionen Ukrainer haben heute die Möglichkeit ihre Stimme abzugeben.

Anne Brühl ist Reporterin des ZDF auslandsjournals. Folgen Sie der Autorin hier auf Twitter.

Die Kandidaten im Porträt

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