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Caputova Favoritin in der Slowakei - Liberal, pro Europa, gegen das Establishment

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Für Gleichberechtigung, Umwelt und Europa - Zuzana Caputova will den grundlegenden Wandel und ist die Hoffnung vieler Slowaken. Sie könnte neue Präsidentin der Slowakei werden.

Stichwahl in der Slowakei
Vor dem entscheidenden zweiten Durchgang der Präsidentenwahl in der Slowakei heute gilt Zuzana Caputova als große Favoritin.
Quelle: ap

Sie ist zur Symbolfigur für den Kampf gegen Verflechtungen von Wirtschaft, Politik und organisierter Kriminalität in der Slowakei geworden - und hat gerade deshalb gute Chancen, die neue Präsidentin des Landes zu werden. Aufsehen erregte Zuzana Caputova erstmals vor Jahren als Juristin und Aktivistin gegen den Bau einer illegalen Müllkippe. Heute tritt sie als Präsidentschaftskandidatin an. Zwar umfasst das Präsidentenamt in der Slowakei in erster Linie repräsentative Aufgaben, doch diese Wahl bedeutet angesichts der slowakischen Politkrise deutlich mehr: Jede Stimme für Caputova ist eine Stimme für einen politischen Richtungswechsel, einen neuen politischen Kurs der Slowakei.

Doppelmord rüttelt das ganze Land auf

Seit einem Jahr demonstrieren regelmäßig Zehntausende quer durch alle Gesellschaftsschichten für eine "anständige Slowakei", für eine unabhängige Justiz, für mehr Demokratie. Auslöser für diese Protestwelle war der Auftragsmord an dem Investigativjournalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten im Februar 2018. Seitdem steckt die Slowakei in einer tiefen politischen Krise.

Karte von Tschechien und Slowakei
Die Slowakei hat 5,4 Millionen Einwohner, Hauptstadt ist Bratislava.
Quelle: ZDF

Kuciaks Recherchen brachten Korruptionsfälle und Verbindungen von Politik und Wirtschaft zur Mafia ans Licht. Der Doppelmord hat das ganze Land aufgerüttelt. Landesweite Demonstrationen führten zum Rücktritt des Regierungschefs Robert Fico und des Innenministers Robert Kalinak. Grundlegend geändert hat sich an der Regierungspolitik allerdings kaum etwas.

Standfest, werteorientiert und tolerant

Ein deutliches Zeichen für einen grundlegenden Wandel in der Slowakei haben die Wähler nun allerdings bereits im ersten Durchgang der Präsidentschaftswahlen gesetzt: Zuzana Caputova hat mit 40,57 Prozent der Stimmen die erste Runde klar gewonnen. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 49 Prozent. Im Wahlkampf sagte sie: "Die Gerechtigkeit ist in der Slowakei nicht für alle gleich. Ich will dazu beitragen, dass unser Land gerechter wird." Damit sprach die Bürgerrechtlerin offenbar vielen Slowaken aus dem Herzen und weckte ihre Hoffnung.

Caputova ist regierungskritisch, gilt als standfest, werteorientiert und tolerant. Sie setzt sich für Umweltschutz, liberale Werte, Gleichberechtigung, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ein und verfolgt einen proeuropäischen Kurs. Mit diesem Stil kam sie bisher gut an - nicht nur bei jungen Städtern, Caputova hat in 71 von 79 Wahlkreisen gewonnen. Und das, obwohl die Juristin bisher parteipolitisch nicht aktiv war.  

Sie steht für die Reformbewegung, die sich im letzten Jahr in der Slowakei formiert hat. Caputova will mit dem Establishment abrechnen und gilt deshalb als klare Favoritin bei der Präsidentschaftswahl. Das Ergebnis am Wochenende könnte also die Weichen stellen für einen politischen Neuanfang in der Slowakei.

Zu liberal für die Slowaken?

Caputovas Gegner in der Stichwahl ist der parteilose EU-Kommissar Maros Stefcovic. Nach langer Kandidatensuche hatte ihn die slowakische Regierungspartei Smer-SD aufgestellt. In der ersten Wahlrunde erhielt er 18,66 Prozent die Stimmen. Stefcovic ist ebenfalls Jurist und tritt für Europa und christliche Werte ein. Genau das könnte Caputova zum Verhängnis werden. Schließlich setzt sie sich für die rechtliche Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren und ein Recht auf Abtreibung ein - für viele in der konservativ-katholischen Slowakei ist beides ein absolutes No-Go.

Die Frage nach dem katholisch Richtigen kann noch einiges geändert haben an den Präferenzen der Wähler. 14 Tage vor der Wahl dürfen in der Slowakei keine Wählerumfragen mehr veröffentlicht werden. Allerdings deutet bislang alles darauf hin, dass die Wahl über das Präsidentenamt zur Protestwahl gegen das Establishment wird.

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