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Stierkämpfe auf Mallorca - "Tradition sollte kein Grund sein, Tiere zu quälen"

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Zum ersten Mal seit zwei Jahren findet heute auf Mallorca wieder ein Stierkampf statt. Viele freuen sich, doch die Kritik von Tierschützern wird dadurch noch lauter.

Stierkampf in Mallorca, aufgenommen am 27.07.2017 in Palma (Mallorca)
Umstrittene Tradition: Stierkampf auf Mallorca.
Quelle: picture alliance/Clara Margais/dpa

Die von Linksparteien dominierte Balearenregierung hatte 2017 unter anderem ein Tötungsverbot bei Stierkämpfen ausgesprochen, was zu einem kompletten Erliegen der "Corridas" geführt hatte. Damit hätte sie aber ihre Kompetenzen überschritten, urteilten die Richter des spanischen Verfassungsgerichtes und hoben das Verbot im vergangenen Jahr wieder auf. 2013 sei der Stierkampf zum nationale Kulturgut erklärt worden und daher könne auch nur Madrid darüber entscheiden, hieß es in der Urteilsbegründung.

Zwar ist der Stierkampf in Spanien zunehmend umstritten und verliert vor allem bei Jüngeren immer mehr an Attraktivität, doch das Verfassungsgericht hatte schon 2016 festgestellt, dass die spanischen Regionen die sogenannten "Corridas" nicht völlig verbieten dürfen. Die nun aufgehobenen Bestimmungen der Balearenregierung, von Medien als "Stierkampf light" betitelt, sahen unter anderem keine Tötung und Verletzung von Stieren mehr vor.

Stierkämpfe - Kultur oder Tortur?

Mit dem Wiederaufnehmen der Kämpfe wird auch die Diskussion um den Tierschutz bei Stierkämpfen neu entfacht. Schon Tage vor dem ersten Stierkampf hatten rund 50 Tierschützer vor dem Rathaus von Palma protestiert.

Auch vom Deutschen Tierschutzbund kommt Kritik. "Bei den Stierkämpfen ist es nicht so, dass ein Tier wie beim Schlachthof betäubt wird und dann innerhalb von Sekunden auch getötet wird, sondern das Tier leidet über einen längeren Zeitraum. Das Tier wird dabei massiv unter Stress gesetzt, es wird verletzt, es hat wahnsinnige Schmerzen und Angst, es weiß gar nicht was ihm passiert", sagt Anne Kirchner, Sachreferentin der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbund.

Aus diesem Grund sei es aus Tierschutzgründen absolut abzulehnen, dass man Stierkämpfe veranstalte, aber auch, dass man sie sich anschaue. "Es ist wichtig, dass man selber nicht zu den Stierkämpfen hingeht, sich das nicht anguckt und dort auch kein Geld lässt", meint Kirchner.

Auch das Argument, dass der Stierkampf zum spanischen Kulturgut gehöre, lässt sie nicht gelten. "Das Argument zählt nicht, weil wir denken, dass in der heutigen Zeit Tradition kein Grund sein sollte, Tiere zu quälen. Das wurde in der Vergangenheit oft genug gemacht, aber das sollte heutzutage einfach nicht mehr passieren."

"Unblutig" ist nicht gleich unkritisch

Die zwischenzeitlichen Regelverschärfungen der balearischen Regierung bewertet Kirchner als einen Schritt in die richtige Richtung, allerdings müssten auch solche "unblutigen" Stierkämpfe kritisch gesehen werden. "Es kann beispielsweise sein, dass der Stier in die Bande prallt und sich dabei schwer verletzt oder auch ein Pferd angreift und das Pferd verletzt. Es ist also nicht so, dass ein unblutiger Stierkampf super ist, aber natürlich sind die blutigen noch deutlich kritischer zu bewerten." Die neuesten Entwicklungen auf den Balearen sind für Kirchner daher eine Enttäuschung.

Die Organisatoren dagegen erwarten trotz der Proteste viele Besucher im gut 11.600 Zuschauer fassenden "Coliseo Balear", das dieses Jahr den 90. Jahrestag seiner Eröffnung feiert. Vor den Kassen bildeten sich in den vergangenen Tagen lange Schlangen. Auftreten werden in Palma unter anderem die Star-Toreros Morante de la Puebla und Julián Lóper Escobar, genannt "El Juli".

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