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US-Konferenz in Bahrain - Auf der Suche nach dem Frieden in Nahost

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Die USA stellen heute ihren Plan vor, wie sie die Israelis mit den Palästinensern aussöhnen möchten. Die fühlen sich verkauft, berichtet ZDF-Korrespondentin Nicola Albrecht.

Palästinenserstadt Nablus im nördlichen Westjordanland.
Palästinenserstadt Nablus im nördlichen Westjordanland.
Quelle: Ayman Nobani/dpa

Es ist Stromausfall, als wir in die Eiscremefabrik Al-Arz von Zahi Anabtawi in Nablus, im von Israel besetzen Westjordanland, kommen. Notstromgeneratoren gibt es nicht. Die Produktion steht für 20 Minuten still.

"20.000 Dollar verliere ich in dieser Zeit," erklärt Anabtawi und fügt hinzu, dass das eben so sei, wenn man unter Besatzung lebe. Das Familienunternehmen hatte sein Großvater 1950 gegründet, mit den einfachsten Mitteln. Heute, und darauf ist Anabtawi stolz, werden hier 300 Mitarbeiter beschäftigt. Die Bänder laufen sieben Tage die Woche, 24 Stunden, ausgenommen, wenn der Strom mal wieder ausfällt. Sein Eis am Stil exportiert Anabtawi nach Jordanien und bis in den Oman.

"Wege gefunden, Rohstoffe aus aller Welt zu importieren"

Ins Nachbarland Israel hingegen nicht, das sei ihm nicht gestattet worden. "In meinem Unternehmen haben wir Wege gefunden, Rohstoffe aus aller Welt zu importieren und unser Eis auch zu exportieren. Aber es ist natürlich mühsam, denn jeder Schritt wird von Israel kontrolliert und erschwert", erklärt er.

Anabtawi ist stellvertretender Vorsitzender der palästinensischen Handelskammer. Hier haben die Geschäftsleute einstimmig beschlossen, den Wirtschafts-Workshop in Bahrain zu boykottieren. Man sei sich zwar einig, dass sich die Lage für Unternehmer und die wirtschaftliche Entwicklung allgemein nur verbessern könne, aber dazu müsse zunächst nur eins passieren: Die Besatzung müsse enden. "Unsere Autonomiebehörde kann ihren Job nicht machen, weil sie nicht autonom ist, weil wir keinen unabhängigen Staat haben", erläutert Anabtawi.

Desillusioniert von der Führung

Als wir uns mit jungen palästinensischen Unternehmern verabreden, schlagen die auch andere Töne an. Desillusioniert distanzieren sie sich zunehmend von der politischen Führung in Ramallah. Das Beste aus der schwierigen Situation machen und lieber gar nicht über Politik nachdenken, ist ihr Motto. Die Idee, neue Investoren für das Westjordanland zu finden, halten viele von ihnen für grundsätzlich gut. Das offen zu formulieren, trauen sie sich allerdings nicht, denn als Verräter der palästinensischen Sache will niemand dastehen.

Karte Westjordanland mit Nablus
Das Westjordanland
Quelle: ZDF

Die Palästinensische Autonomiebehörde boykottiert den Workshop in Bahrain. Denn in den Augen der politischen Führung unter Mahmud Abbas hat sich die Trump-Administration als neutraler Vermittler ohnehin disqualifiziert. Die USA hätten ihr wahres Gesicht gezeigt, so beschreibt es der Eiscremefabrikant Anabtawi. Die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen, die diplomatische Vertretung der PLO in Washington zu schließen und keine US-Gelder mehr an das palästinensische Flüchtlingshilfswerk UNRWA zu zahlen, seien eindeutige Signale.

Und so ist sich die Mehrheit der palästinensischen Führung und Gesellschaft einig: Der Workshop in Bahrain diene nur dazu, den Palästinensern das Recht auf einen eigenen Staat abkaufen zu wollen und dazu werden man nie bereit sein.

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