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Jerusalem-Entscheidung - "Netanjahu wird uns in den Abgrund führen"

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US-Präsident Trump hat Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt. Das sorgt weiter für Unruhe: bei Israelis wie Palästinensern gleichermaßen.

Eine Menschenmenge hält große, grüne Flaggen hoch
Eine Menschenmenge hält große, grüne Flaggen hoch
Quelle: epa

Es war ein Meer aus grünen Flaggen. Gaza, Freitagmittag nach den Gebeten ziehen Tausende Palästinenser durch die Straßen des abgeriegelten Gebietes. "Wir sind hier wegen Jerusalem. Ich bin bereit mein Leben für Jerusalem zu opfern", sagt Hussam al- Shayah, einer der Demonstranten

Die Stimmung aufgeheizt, groß die Wut auf US-Präsident Donald Trump und dessen Entscheidung, Jerusalem als "ungeteilte Hauptstadt Israels" anzuerkennen. Nachdem sich der Marsch aufgelöst hat, ziehen vor allem Jugendliche weiter zum Grenzzaun, der Gaza von Israel trennt.

Es kommt zum befürchteten Gewaltausbruch. Radikale Palästinenser greifen israelischen Soldaten an, es fliegen Steine und Brandsätze, die Armee schießt irgendwann scharf zurück. Zwei Palästinenser sterben.

Hamas versucht Situation zu verschärfen

Die vergangene Woche von der Hamas ausgerufene große Intifada ist bisher ausgeblieben. Auch weil die gemäßigtere Fatah im Westjordanland nicht mitzieht. Die Autonomiebehörde setzt vor allem auf eine diplomatische Lösung. Es gilt, die Entscheidung Trumps international zu isolieren. Möglichst wenige Staaten sollen dem Vorbild der USA folgen und ihre Botschaft irgendwann nach Jerusalem verlegen.

Dennoch gibt es täglich Meldungen über Ausschreitungen in den Palästinensergebieten, vor allem im Gaza-Streifen. Und mit jedem weiteren toten Palästinenser steigt die Gefahr, dass der Schwelbrand sich zu einem unkontrollierbaren Großfeuer ausweitet.

"Netanjahu wird uns in den Abgrund führen"

Auch auf der israelischen Seite wird demonstriert – allerdings gewaltlos und mit einer anderen Stoßrichtung. Busha - Busha - Schande, Schande skandieren sie. Großkundgebung Samstag Nacht in Tel Aviv. Einmal die Woche nach Ende des Schabbat gehen Tausende auf die Straße, um den Rücktritt von Benjamin Netanjahu zu fordern.

"Netanjahu wird uns in den Abgrund führen", sagt Yossi Poker. "Er muss nach Hause gehen." Lahav Halevi ist schon das dritte Mal dabei: "Netanjahu hat ein System aufgebaut, dass nur dazu da ist, korrupt zu sein." Seit über einem Jahr wird Israel gleich von mehreren Affären erschüttert: Gegen Benjamin Netanjahu und seine Frau Sara wird wegen Korruption ermittelt. Beide sollen wertvolle Geschenke für politische Gegenleistungen angenommen haben.

In einem anderen Fall soll Netanjahu illegale Absprachen mit einem Zeitungsverleger getroffen haben, um eine positivere Berichterstattung zu bekommen. Ein enger Vertrauter Netanjahus wird verdächtigt, über einen Mittelsmann, der für Thyssen Krupp tätig war, Schmiergeld für den Kauf von U-Booten erhalten zu haben. Thyssen Krupp selber ist nach heutigem Stand weder in Israel noch in Deutschland Gegenstand der Ermittlungen. Sieben Mal wurde Netanjahu bereits von der Polizei befragt. Er selbst bestreitet die Vorwürfe, verweist lieber auf seine Erfolge wie die Jerusalem- Entscheidung.

Jerusalem-Diskussion als Ablenkungsmanöver

Meni Naftali ist Initiator der Anti-Netanjahu-Proteste, des sogenannten "Marsches der Schande". So wie die meisten Demonstranten hält er die Frage nach dem Status der heiligen Stadt für ein Ablenkungsmanöver: "Ein Premier, der sagt, daß Jerusalem uns gehört und weiß, daß dies zu Gewalt führt,  ist ein Premier, der bereit ist, seine eigene Bevölkerung zu gefährden."

Und es droht neue Gewalt. Vermutlich am Donnerstag wird US- Vizepräsident Pence Jerusalem besuchen und dabei auch zur Klagemauer gehen. Auch für diesen Tag haben alle Palästinenserorganisationen wieder zu einem "Tag des Zorns" aufgerufen.

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