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Potsdam nach der Evakuierung - Abwarten und Kaffeetrinken

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Der Konditor lässt den Laden auf, das Restaurant wartet mit dem Essen: Die Potsdamer reagieren besonnen auf die Evakierung ihres Weihnachtsmarktes. Mulmig ist ihnen dennoch.

Eine Frau mit einem Blumenstrauß in ihrer Hand wartet vor den Absperrband am Potsdamer Weihnachstmarkt am 01.12.2017
Quelle: epa

Einsatzwagen versperren die Zufahrt, ein Krankenwagen steht bereit, Zuschauer kommen nur bis zu einem Flatterband der Polizei. Dahinter herrscht gespenstische Ruhe. Die Geschäfte sind geräumt, auch auf dem Weihnachtsmarkt ist niemand zu sehen. Die festliche Beleuchtung wirft ein unwirkliches Licht auf die Szene. Hier in der Potsdamer Innenstadt mit ihren gepflasterten Straßen und kleinen Altbauten soll in einer Apotheke ein gefährliches Paket mit einem Spreng- oder Brandsatz abgegeben worden sein - ganz in der Nähe des Weihnachtsmarktes, der unter dem idyllischen Motto "blauer Lichterglanz" steht.

Die Köche warten mit dem Essen

"Ich bin hierhergekommen, und da war alles gesperrt", sagt die 54 Jahre alte Anwohnerin Jeanette Dittrich. Sie habe im Internet von dem verdächtigen Paket gelesen. Nun stehe sie schon seit einer Stunde an dem Polizeiband und wolle sich notfalls eine andere Bleibe suchen. Für die Absperrung hat sie trotzdem volles Verständnis. "Ich finde es in Ordnung, dass die Leute evakuiert werden", sagt die Assistentin einer Geschäftsführung. Angst habe man immer etwas, aber sie hoffe, dass alles gut gehe.

Am Rande der Absperrung warten zwölf Mitarbeiter einer Internet-Firma, die eine Weihnachtsfeier in einem Restaurant im abgesperrten Bereich geplant hatte. Man sei aber zuversichtlich, am Abend noch in das Lokal gehen zu können, sagt Nico, einer der Mitarbeiter. Im Restaurant habe man ihnen per Telefon gesagt, die Köche warteten mit dem Essen.

"Bis der letzte raus ist"

Konditormeister Erich Schröter öffnet dagegen am Abend seinen Laden für Anwohner, die auf die Aufhebung der Absperrung warten. "Wir trauen uns jetzt keinen rauszujagen in die Kälte", sagt er. In der Bäckerei wartet ein halbes Dutzend Anwohner. Der Konditormeister will geöffnet lassen, "bis der letzte raus ist".

In der Apotheke hatte man die Brisanz des Pakets am Nachmittag sofort bemerkt. Der Inhaber sagte den "Potsdamer Neuesten Nachrichten" (PNN), "dass da so komische Drähte herausguckten". Mitarbeiter trugen das Paket nach draußen und informierten die Polizei. Die wiederum sperrte die Gegend ab und rief schnell Spezialisten der Bundespolizei. Auch Einsatzkräfte mit Maschinenpistolen waren unterwegs. Am Ende zerlegen die Spezialisten den möglichen Spreng- oder Brandsatz mit Hilfe eines Wasserstrahls. Die Absperrungen werden zunächst aber aufrechterhalten. Anwohner bleiben am Abend aufgefordert, im hinteren Bereich der Gebäude zu bleiben.

Auch Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) kommt mit Limousinen durch die Absperrungen gefahren und macht sich vor Ort ein Bild von der Lage. Er spricht von Nägeln, einem zylinderförmigen Gegenstand und Gips oder einer anderen Substanz, die sich in dem Paket befunden hätten. Man könne derzeit nicht von einem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt sprechen, betont er. Gemeint sein könnte auch der Apotheker. Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sagt, er wisse noch nicht, ob es Einschränkungen geben werde. Noch gebe es aber keinen konkreten Anlass, etwas zu ändern.

Erinnerungen an den Berliner Weihnachtsmarkt

Der Vorfall dürfte die Diskussion um die Sicherheit auf deutschen Weihnachtsmärkten dennoch weiter anheizen - selbst wenn zunächst noch gar nicht klar ist, ob es einen direkten Zusammenhang gibt. Kurz vor dem ersten Advent hatten viele Märkte in Deutschland in dieser Woche bereits geöffnet.

Unter dem Eindruck islamistischer Terroranschläge waren die Schutzmaßnahmen in den vergangenen Jahren bereits Stück für Stück verschärft worden. In diesem Jahr kündigten die Behörden noch einmal höhere Standards an. Auch Stahlseile, Polizeistreifen und private Wachleute gehören längst zum üblichen Bild. In Potsdam fühlen sich am Abend alle sofort an den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche mit zwölf Toten vor fast einem Jahr erinnert. Die Menschen ließen sich dennoch bislang nicht von Besuchen auf Weihnachtsmärkten abhalten.

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