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Sollen schon Zwölfjährige vor Gericht gestellt werden?

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Debatte über Strafmündigkeit - Sollen schon Zwölfjährige vor Gericht gestellt werden?

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Zwölf- und 14-Jährige sollen in Mülheim eine Frau vergewaltigt haben. Nun wird diskutiert: Sollen Heranwachsende früher strafmündig sein? Doch auch Gefängnisse sind umstritten.

Nach der schweren Sexualstraftat in Mülheim an der Ruhr wird diskutiert, ob das Alter für die Strafmündigkeit von Kindern herabgesetzt werden soll. Drei 14-Jährige und zwei Zwölfjährige stehen im Verdacht, eine junge Frau am Freitagabend in einem Waldstück vergewaltigt zu haben. Bisher können Jugendliche erst mit 14 Jahren vor ein Gericht gestellt werden. Soll das Alter dafür auf zwölf Jahre gesenkt werden?

Pro: Die Deutsche Polizeigewerkschaft fordert schon seit Jahren, dass das Alter für die Strafmündigkeit in Deutschland herabgesetzt wird. "Die Jugendgerichte haben viel mehr Möglichkeiten, Auflagen zu erteilen", sagt der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. Sie könnten zum Beispiel veranlassen, dass der junge Täter Sozialstunden leisten oder sich beim Opfer entschuldigen muss und sich so mit der Tat auseinandersetzt. Bisher ist das Jugendamt für Tatverdächtige unter 14 Jahren zuständig, sie sehen "nie einen Richter oder Staatsanwalt", beklagt Wendt.

Auch Falko Liecke, Jugendstadtrat in Berlin-Neukölln, würde eine Absenkung der Strafmündigkeit begrüßen. "Damit könnte eine andere Form der Intervention erfolgen und nicht nur sozialpädagogische Familienhilfe", sagt der CDU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Contra: Gegen eine Absenkung des Alters für Strafmündigkeit sprechen sich der Deutsche Richterbund und der Deutsche Kinderschutzbund aus. Das Jugendstrafrecht habe sich im Grundsatz bewährt, erklärt der Vorsitzende des Richterbunds, Jens Gnisa. "Wir haben es hier mit einer extremen Straftat zu tun", sagt der schellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jörg Radek. "Betrachten wir aber alle Straftaten, so müssen wir feststellen, dass wir seit 2004 rückläufige Zahlen bis zu 30 Prozent von tatverdächtigen Kindern haben. Wir müssen hier also mit anderen Methoden arbeiten als mit der Herabsetzung der Strafmündigkeit."

In den Augen des Kinderschutzbundes sollte weiterhin das Jugendamt zuständig sein und sich die Ursachen für das Verhalten eines Kindes im Einzelfall anschauen.

Taugt Gefängnis als Strafe?

Egal welches Alter ein Straftäter hat, je nach Verbrechen werden Strafen als zu lasch empfunden. Manche Bürger fordern härtere Sanktionen für Wiederholungs- und Intensivtäter. Andere wiederum sind der Meinung, es säßen zu viele Menschen im Gefängnis und Einsperren sei nicht die Lösung. Taugt Gefängnis als Strafe? Dazu nehmen Jugendrichter Andreas Müller und Sozialwissenschaftler Professor Bernd Maelicke Stellung - die ganze Diskussion hier im Video:

Jugendrichter Andreas Müller diskutiert mit Jura-Professor Bernd Maelicke

Beitragslänge:
12 min
Datum:

Pro: Jugendrichter Andreas Müller ist der Meinung: "Eine Haftstrafe gehört zum Bestrafen dazu." Besonders bei härteren Delikten führe sie dazu, dass nicht weitere kriminelle Taten begangen werden. Außerdem könne die Haftstrafe des Täters auch eine Genugtuung für die Opfer sein: "Dafür, dass der andere eben - wie sie möglicherweise wochenlang im Krankenhaus - auch ein paar Wochen leiden muss." Klar ist für den Jugendrichter auch: Im Knast müsse daran gearbeitet werden, dass ein Täter nach der Haftstrafe keine neuen Taten begeht.

Contra: Für den Jurist und Sozialwissenschaftler Bernd Maelicke ist der Knast keine Lösung. "Gefängnisse sind Orte von Subkultur, Gewalt und Drogen", sagt er. Damit Täter nicht mehr straffällig werden, müsse Resozialisierung nachhaltiger gestaltet werden. Zwar schafften hohe Mauern Sicherheit, doch ließen sie auch zu, dass dahinter Dinge passierten, die eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft erschwerten. Insassen lernten voneinander "wenig oder nichts Gutes", so Maelicke. Vor allem Jugendliche, die im Arrest sind, hätten Vorgeschichten und kämen aus schwierigen sozialen Verhältnissen. "Das kann ich nicht in vier Wochen Jugendarrest in den Griff kriegen", so Maelicke.

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