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maybrit illner - Mohring: Zinspolitik Gefahr für Sparkassen und Volksbanken

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Eine Volksbank verlangt Strafzinsen ab dem ersten Euro. Bislang ein Einzelfall. Doch laut CDU-Politiker Mohring drohen weitere Gefahren – für Sparer, aber auch für Banken.

Strafzinsen – dieses Wort löst im Moment bei deutschen Sparern Angst aus. Was kann die Politik dagegen tun? Die Highlights der Debatte bei "maybrit illner".

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Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bringt laut dem Thüringer CDU-Chef Mike Mohring die Sparkassen und Volksbanken in Deutschland massiv in Gefahr. Die EZB greife "permanent das Drei-Säulenmodell unseres Banken- und Sparkassen- und Volksbankenwesens an", sagte Mohring in der ZDF-Sendung "maybrit illner".

Nähe zum Kunden in Gefahr

Manche Geschäftsmodelle von Volksbanken und Sparkassen funktionierten nicht mehr. "Sie sind verloren", sagte Mohring. "Wenn wir nicht aufpassen und wenn der Kurs bei der EZB so weitergeht, dann werden wir erleben, dass Sparkassen und Volksbanken mehr fusionieren müssen, als Ihnen lieb ist." Damit gehe die Nähe zum Kunden und zur örtlichen Wirtschaft verloren. "Das ist eine Riesengefahr", sagte der CDU-Politiker.

Zwar gibt es Negativzinsen schon länger. Doch die Volksbank Fürstenfeldbruck schlug nun mit Strafzinsen ab dem ersten Euro ein neues Kapitel auf – denn damit sind auch Kleinsparer betroffen. Sahra Wagenknecht (Die Linke) befürchtet, dass andere Banken nachziehen werden. "Das muss verhindert werden", forderte die frühere Fraktionschefin der Linken im Bundestag. Es könne nicht sein, dass Banken von einer staatlichen Einlagensicherung profitierten – und trotzdem Negativzinsen erhöben. "Da muss es Regeln geben, die solche Strafzinsen verbieten", sagte Wagenknecht.

Renten-Staatsfonds à la Schweden?

Negativzinsen sind für Sparer ein Ärgernis – und eine Gefahr für so manche Altersvorsorge. Dorothea Mohn, Finanzexpertin beim Bundesverband der Verbraucherzentrale, forderte ein Vorsorge-Modell, wie es etwa in Schweden funktioniere. Die Politik solle den Verbrauchern "ein Standard-Produkt anbieten", mit dem die Zusatz-Vorsorge funktioniere. Ein staatliches Modell sei "massiv kostengünstiger" als der Weg über Banken und Versicherungen, die oft teure Provisionen verlangten.

Den derzeit diskutierten Renten-Staatsfonds hält Wagenknecht hingegen für überflüssig. "Wenn der Staat sich sowieso darum kümmert, dann kann man es auch gleich über die Umlagerente machen und geht nicht den Weg über die Finanzmärkte, die immer ein Risiko beinhalten." Die Linken-Politikerin sprach sich für die österreichische Variante aus, wonach alle Arbeitnehmer, Selbstständige und Beamte "in einen Topf" einzahlten. Dies schütze vor Altersarmut. In Österreich erhalte ein Durchschnittsrentner 800 Euro monatlich mehr als in Deutschland.

Kommt der große Crash?

Der Finanzexperte Marc Friedrich sagt bis spätestens 2023 den größten Crash aller Zeiten voraus. Deswegen sollten die Bürger vermehrt in Sachwerte investieren – etwa in Immobilien, Edelmetalle oder Diamanten. "Wir erleben seit 2008 einen steigenden Vertrauensverlust in Politik und Banken. Und wir als Bürger zahlen für den ganzen Kladderadatsch", kritisierte Friedrich. "Noch nie wurde eine Krise durch Gelddrucken gelöst. Wir sind im monetären Endspiel, die EZB ist verzweifelt."

Noch nie wurde eine Krise durch Gelddrucken gelöst. Wir sind im monetären Endspiel, die EZB ist verzweifelt.
Marc Friedrich, Finanzexperte

Allerdings ist Friedrichs düsterer Blick in die Glaskugel umstritten. "Sie haben keine wissenschaftliche Basis für Ihre Argumente", kritisierte Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. "Schwarzmalerei" helfe nicht weiter. Die Lage in Europa sieht er nicht so düster: Europäische Länder wie Spanien, Portugal oder Irland hätten harte Reformen unternommen.

40 Prozent der Deutschen haben gar nicht die Möglichkeit zu sparen.
Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung

Fratzscher warnte davor, einen großen Teil der Gesellschaft nicht zu vergessen: "40 Prozent der Deutschen haben gar nicht die Möglichkeit zu sparen. Viele haben niedrige Löhne, arbeiten Teilzeit und werden deshalb in die Altersarmut abrutschen. Die Menschen brauchen wieder Chancen."

Dem Autor auf Twitter folgen: @raphael_rauch

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