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Strafzölle abgewendet - Mexikanische Wirtschaft kann vorerst aufatmen

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USA und Mexiko haben Strafzölle für mexikanische Exporte in die USA abgewendet. Damit kann das mittelamerikanische Land aufatmen. Auch deutsche Autobauer dürften erleichtert sein.

Die USA und Mexiko haben sich im Streit um Migration geeinigt. Die angedrohten Strafzölle sind vom Tisch, dafür will Mexiko stärker gegen illegale Einwanderung in die USA vorgehen.

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Die sinnbildliche Mauer entsteht nun anderswo. Nachdem US-Präsident Donald Trump die Gelder für den Bau einer Mauer entlang der mexikanischen Grenze nicht bewilligt bekommen hat, wird Mexiko nun unter anderem die Nationalgarde an die Grenze zu Guatemala verlegen. Damit will das Land die illegale Migration aus Mittelamerika über Mexiko in die USA unterbinden. Die Maßnahme ist Teil des "Deals", den die mexikanische Regierung mit US-Präsident Donald Trump ausgehandelt hat.

Trumps Mauerbau stockt

Trump hatte Mexiko Strafzölle auf alle Einfuhren des Landes in die USA angedroht. Der US-Präsident wollte ab 10. Juni fünf Prozent Zölle erheben, wenn das Land keine entsprechenden Maßnahmen ergreife, um die Migration zu verhindern. Für den Fall, dass Trump die Maßnahmen als nicht ausreichend bewertet hätte, wollten die USA die Zölle in fünf Stufen bis Oktober auf 25 Prozent erhöhen.

Ursprünglich hatte Donald Trump im Wahlkampf versprochen, eine Grenzmauer entlang der mexikanischen Grenze zu bauen. Allerdings legte der US-Kongress den Plänen des US-Präsidenten Steine in den Weg und ein US-Gericht stoppte im Mai den Einsatz bestimmter Mittel aus dem Verteidigungsetat für den Mauerbau.

Mexiko ist wichtigster Handelspartner der USA

Die Einigung zwischen den USA und Mexiko ist umso wichtiger, als durch einen tieferen Handelskonflikt auch der erst kürzlich von beiden Staaten ausgehandelte Nachfolger für das Freihandelsabkommen Nafta auf dem Spiel stand.

Die Strafzölle hätten für die mexikanische Wirtschaft potenziell verheerende Auswirkungen gehabt: Das Land liefert 80 Prozent seiner Exporte in die USA. Umgekehrt gilt aber auch: Mexiko ist der wichtigste Handelspartner der USA. Allein im ersten Quartal des Jahres belief sich das Handelsvolumen auf gut 150 Milliarden US-Dollar.

Volkswagen und andere Autobauer können aufatmen

Damit kann nicht nur die mexikanische Wirtschaft aufatmen - Mexiko ist auch ein wichtiger Standort für die internationale Autoindustrie. So betreibt der US-Autobauer General Motors beispielsweise 14 Fabriken in dem Land und produzierte dort im vergangenen Jahr 835.000 Autos. Die meisten davon waren für den Export in die USA bestimmt.

Von den deutschen Herstellern haben sich sicherlich die Wolfburger in den vergangenen Tagen die größten Sorgen gemacht. Denn Volkswagen hat im vergangenen Jahr nach Angaben des mexikanischen Autoverbandes rund 435.000 Autos in Mexiko vom Band rollen lassen. Daimler und BMW lassen ihre Produktion erst anlaufen, das heißt aber auch, dass sie in jüngster Vergangenheit viel Geld in Mexiko investiert haben.

USA und China: Weiter verhärtete Fronten

Denn durch Nafta und sein jüngst ausgehandeltes Nachfolgeabkommen können die Unternehmen unter vergleichsweise günstigen Bedingungen in Mexiko produzieren. Die so gebauten Autos können dann zollfrei die Grenze in die USA und nach Kanada passieren. Dieser Produktions- und Handelsvorteil wäre durch Strafzölle empfindlich eingeschränkt worden. Zudem passieren für den Bau der Autos manche Bauteile mehrmals die Grenze zwischen den USA und Mexiko, was diese Teile zusätzlich verteuert hätte.

Während Unternehmen in Mexiko nun aufatmen können, ist der Handelskonflikt mit der Wirtschaftsmacht China noch lange nicht vom Tisch. Vor wenigen Tagen erst hatte die Volksrepublik Strafzölle auf US-Waren im Volumen von 60 Milliarden Dollar eingeführt. Sie sind als Retourkutsche auf Strafzölle der USA auf chinesische Einfuhren im Volumen von rund 200 Milliarden US-Dollar zu verstehen. Mittlerweile sind die Verhandlungen auf hoher Ebene auf Eis gelegt, dafür überziehen sich beide Länder nicht nur mit Zöllen, sondern bereits mit den nächsten Drohungen.

China: USA betreiben "Wirtschaftsterrorismus"

So hatten die USA mit ihrem Zollschritt angekündigt, auch alle übrigen chinesischen Einfuhren an der US-Grenze mit Zöllen belegen zu können. In Rede stehen damit noch einmal Waren im Volumen von über 300 Milliarden US-Dollar. Zudem haben die USA den Huawei-Konzern auf eine schwarze Liste gesetzt. Nun unterliegen die Geschäfte mit dem Telekommunikationsausrüster und seinen Partnern in den USA strengen Kontrollen.

Auch die Regierung in Peking hat die Tonart verschärft. So hat China Ende Mai auch angekündigt, ebenfalls eine schwarze Liste anzufertigen, auf denen Unternehmen stehen sollen, die den Interessen chinesischer Unternehmen schaden. Die Art der US-Administration, den Handelskonflikt bewusst zu schüren, sei "nackter Wirtschaftsterrorismus", sagte Chinas stellvertretender Außenminister Zhang Hanhui in Richtung USA.

Chinas ultimative Waffe: Seltene Erden

China wiederum hat nun die seinerseits schwerste Waffe auf den Tisch gelegt: Das Land droht damit, die Ausfuhr seltener Erden zu beschränken. Diese Gruppe chemischer Elemente ist zentral für die Produktion etwa von Smartphones und anderen hochmodernen technischen Geräten. Die Drohung wiegt umso schwerer, weil die USA rund 80 Prozent dieser Rohstoffe aus China beziehen. "Wenn die Chinesen ihren Deckel auf die seltenen Erden machen, dann heißt das, dass wir in einen Mangel kommen", sagt Aktienhändler Oliver Roth von Oddo Seydler. "Die Preise werden gigantisch ansteigen und damit auch die Waren teurer werden." Was wiederum zu weniger Verkäufen führen würde und die globale Wirtschaft bremsen könnte.

Dadurch, dass sich die USA und Mexiko nun geeinigt haben, wird sich die Lage deutlich entspannen – auch bei deutschen Unternehmen. Der Handelskonflikt zwischen China und den USA allerdings wiegt schwerer. Und hier liegen beide Kontrahenten – nicht nur örtlich – viel weiter auseinander.

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