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Rückgang des Wachstums in China - Handelskonflikt sorgt für Wirtschaftsflaute

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Während die USA weitere Strafzölle gegen Produkte aus der EU eingeführt haben, zeigt ein erneuter Rückgang des Wachstums in China: Die Auswirkungen von Handelskonflikten sind groß.

Lastwagen fährt im Hafen von Savannah an Containern aus China vorbei am 5.7.2018
Chinas Wirtschaft: Maue Exporte und eine schwächelnde Inlandsnachfrage sorgten dafür, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Sommer so langsam zulegte wie seit fast 30 Jahren nicht mehr.
Quelle: dpa

Wie teuer die vorwiegend von den USA vorangetriebenen Handelskonflikte sind, hat unlängst die amerikanische Notenbank FED ausgerechnet: Ein Prozent oder rund 850 Milliarden Dollar des weltweiten Bruttosozialproduktes könnten die Konflikte kosten. Das ist mehr als das Zweifache des gesamten deutschen Staatshaushaltes.

Chinas Wachstum so schwach wie vor knapp 30 Jahren

Konkret studieren lassen sich die Auswirkungen an den jüngsten Angaben aus China zum Wachstum des Bruttoinlandsproduktes im dritten Quartal des Jahres. Zwar sind die Daten aus Peking mit angemessener Vorsicht zu genießen, doch die Tendenz ist eindeutig: Der Zuwachs liegt im dritten Quartal bei 6,0 Prozent - und damit liegt das Wachstum auf dem niedrigsten Stand seit 27 Jahren. Bereits im zweiten Quartal hatte Peking einen Dämpfer in Form eines Rückganges gemeldet.

"Es ist eine ziemlich schwere Aufgabe für eine so große Volkswirtschaft wie China, schnelle Wachstumsraten von mehr als sechs Prozent vor dem Hintergrund der ungewissen internationalen Situation zu wahren", sagte Chinas Premier Li Keqiang anlässlich ernüchternder Wirtschaftsdaten aus seinem Land vor rund einem Monat.

China sehe sich mit "wachsenden Risiken und Herausforderungen im Inland und Ausland konfrontiert", kommentierte ein Sprecher der Statistikbehörde des Landes die neuesten Daten. Mit Risiken aus dem Ausland und der internationalen Situation ist natürlich der Handelsstreit zwischen den USA und China gemeint. Hinzu kommt allerdings nun auch, dass die Nachfrage in China selbst, also die so genannte Binnen-Nachfrage, schwächelt. Die Regierung in Peking peilt für das gesamte Jahr ein Wachstum des Landes zwischen 6,0 und 6,5 Prozent an.

Handelskonflikt bremst Investitionen

Zwar haben sich in dieser Woche die beiden Hauptstreithähne in Washington und Peking auf eine Art Burgfrieden geeinigt und einen Teilkompromiss im Handelsstreit gefunden. Allerdings sind bindende Verträge dazu noch nicht unterschrieben. Und die Launen des US-Präsidenten lassen zumindest Zweifel aufkommen, ob damit wirklich der große Durchbruch erreicht ist.

Im Handelsstreit zwischen den USA und China hat US-Präsident Trump eine erste Einigung verkündet. Die Unterhändler beider Seiten hätten sich auf ein Teilabkommen verständigt. Die USA wollen nun auf die geplante Erhöhung von Zöllen verzichten.

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Zudem gelten die bisherigen Handelsbeschränkungen in Form von Strafzöllen weiter - und sie sind es, die sich eben negativ auf das Wachstum in China ausgewirkt haben und weiter auswirken dürften. Denn durch Strafzölle und Handelsbarrieren entsteht weniger Handel, in der Folge werden weniger Waren produziert. Und die Unsicherheit sorgt dafür, dass Unternehmen sich bei neuen Investitionen zurückhalten - etwa in neue Fabriken oder für das Entwickeln neuer Produkte.

Warnung vor Handelskrieg zwischen USA und EU

So hat in diesen Tagen auch der Internationale Währungsfonds seine Wachstumsvorhersage für die Weltwirtschaft für das laufende Jahr das vierte Mal in Folge gesenkt – auf mittlerweile drei Prozent. Das ist das langsamste Wachstum der Weltwirtschaft seit der letzten großen Finanz- und Wirtschaftskrise. Auch die Bundesregierung hat wegen des schwächeren Welthandels ihre Konjunkturprognose für 2020 deutlich gesenkt. Sie erwartet nun noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,0 Prozent. Im April ist man in Berlin noch von einem Plus von 1,5 Prozent ausgegangen.

Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank.
"Ein ausgewachsener Handelskrieg könnte beide Seiten teuer zu stehen kommen", sagt Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank. (Archivbild)
Quelle: Arne Dedert/dpa

Vor allem die exportstarke deutsche Industrie wird von den internationalen Handelskonflikten, aber auch die lange Hängepartie beim Brexit belastet. Auch hier bremst Unsicherheit die Investitionen. Auch aus diesem Grund hat Bundesbank-Präsident Jens Weidmann vor einem Handelskrieg zwischen den USA und der Europäischen Union gewarnt. "Ein ausgewachsener Handelskrieg könnte beide Seiten teuer zu stehen kommen", sagte Weidmann in dieser Woche auf einer Veranstaltung in New York.

Ab sofort nämlich gelten Sonderzölle für bestimmte Ausfuhren aus der EU in Richtung der USA - etwa auf Flugzeugimporte und Produkte wie Wein, Käse und Whisky. Stein des Anstoßes bilden europäische Staatsbeihilfen für die heimische Flugzeugindustrie, insbesondere für Airbus.

Wird Trump bis zum Äußersten gehen?

Da der Wert der amerikanischen Ausfuhren in die EU dreimal so groß ist wie der in Richtung China, würden die Auswirkungen eines "ausgewachsenen" Handelskrieges hier noch um einiges drastischer ausfallen als im Konflikt zwischen den USA und China. Allerdings rechnete Weidmann auch vor, dass bei Strafzöllen von 25 Prozent auf die Handelsströme zwischen USA und Europa die Wirtschaftsleistung der USA um 1,5 Prozent sinken würde.

Solche negativen Szenarien für die eigene Wirtschaft könnten dazu führen, dass Donald Trump die Eskalation doch nicht auf die Spitze treiben wird. Denn angetreten ist er mit dem Versprechen, die amerikanische Wirtschaft voranzubringen. Die aber zeigt mittlerweile auch Bremsspuren durch die schwächelnde Weltwirtschaft, ausgelöst vor allem durch die von ihm und den USA losgetretenen Handelskonflikte. Möglicherweise war das auch einer der Gründe, zuletzt zumindest mit zaghaften Schritten auf China in dem Konflikt zuzugehen.

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