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Straßenschilder für Sehbehinderte

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Pionierarbeit in Stadt Wedel - Straßenschilder für Sehbehinderte

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In Wedel verläuft sich bald niemand mehr - die Stadt führt als erste in Deutschland Straßenschilder für Sehbehinderte ein. Erfinder ist Volker König, der vor 50 Jahren erblindete.

Straßenschilder für Sehbehinderte in Wedel.
In Wedel gibt es jetzt Straßenschilder für Sehbehinderte, erfunden hat sie der Blinde Volker König.
Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa

Die Stadt Wedel hat ihre bisherigen Straßenschilder für Sehbehinderte umgerüstet. Die neuen Schilder sind so groß wie zwei Bauklötze, blau lackiert mit weißer Schrift. So fügen sie sich unauffällig in das Straßenbild ein. Dafür ist ihr Nutzen umso größer. In einer Höhe von 1,40m an den bereits vorhanden Pfählen der großen Schilder befestigt, können diese problemlos von sehbehinderten Personen gelesen werden. Aber auch für Rollstuhlfahrer, Kinder oder Personen, die nicht mehr gut nach oben schauen können, seien diese Schilder praktisch, erklärt der Erfinder Volker König. Damit leistet die Stadt mit ihren 33.000 Einwohnern echte Pionierarbeit.

Finanziert wurden die Straßenschilder zum größten Teil von Sponsoren. Aber auch die Stadt Wedel selbst unterstützte das Projekt ihres engagierten Bürgers. "118 dieser Schilder hängen bereits," sagte Stadtsprecher Sven Kamin im Gespräch mit dem ZDF. 370 Schilder sollen es bis Ende Januar 2020 werden. Dann ist Wedel vollständig sehbehinderten-gerecht ausgeschildert.

Erfinder stets auf der Suche nach Verbesserungen

In seinem Alltag ist Ingenieur Volker König stets dabei, Probleme zu analysieren und Verbesserungen zu entwickeln. Auch die eigene Erblindung hindert den Erfinder nicht, sich in seiner Freizeit für die Entwicklung technischer Hilfsmittel für behinderte Menschen einzusetzen. Mehr als 50 Erfindungen und Verbesserungen entwickelte der 75-Jährige bereits. Darunter die Vereinheitlichung der Signaltöne der Ampelanlagen für Blinde in Deutschland oder das Einführen von Orientierungsstreifen für Blinde an Bahnhöfen. Eine große Unterstützung dabei ist ihm stets seine Ehefrau Marie-Luise.

Straßenschilder für Sehbehinderte
Straßenschilder in neuem Format.
Quelle: Anna-Lena Herzmann

Die Idee für die Straßenschilder für Sehbehinderte kam König auf einer Reise mit einem Freund. Dieser besitzt ein Restsehvermögen, doch Volker König fiel auf, wie schwer es für ihn ist, Straßenschilder zu lesen und sich ohne Hilfe zu orientieren. Um das Problem zu lösen, entwickelte der Ingenieur die ertastbaren Straßenschilder.

Idee soll vielen Menschen helfen

Als sehbehindert zählt, wer trotz Brille oder Kontaktlinsen nicht die normale Sehfunktion erreicht und dessen Sehschärfe auf dem besseren Auge bei weniger als einem Drittel liegt. Er oder sie hat bereits auf kurze Distanz Probleme, Gesichter von Personen zu erkennen. "Wir haben bewusst auf Blindenschrift bei den Schildern verzichtet, da überhaupt nur noch zehn Prozent der Betroffenen die Brailleschrift beherrschen" erklärt Volker König.

Seit 2012 hat der Ingenieur für physikalische Technik die Straßenschilder entwickelt. Ihm geht es dabei nicht um Profit, sondern darum, dass seine Idee möglichst vielen Menschen helfen kann. So meldete der Erfinder auf seine Schilder kein Patent an.

Eine Einschränkung sieht König jedoch: "Für die etwa 200.000 blinden Menschen (in Deutschland) sind diese Schilder weniger geeignet, weil sie diese -ohne zusätzliche Auffindhilfe - vermutlich nur zufällig finden werden." Daher entwickelt er weiter - ihm bleiben noch genügend Probleme, für die es Lösungen zu finden gilt. Allerdings: Er sei nun auch schon 75 Jahre alt, gibt er zu bedenken. Zurzeit kommt Aufhören aber noch nicht in Frage: bereits mehrere Städte und Gemeinden bekundeten Interesse an seinen Straßenschildern.

Kinder der Blindenschule in Marburg haben diesen Stock schon getestet.

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