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Patientenversorgung im Akkord - Krankenpfleger streiken 48 Stunden

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Das Pflegepersonal der Düsseldorfer Uniklinik macht heute den Anfang, in Essen wird morgen gestreikt. Auch Esther Hasenbeck ist dabei. Folge: Viele geplante Operationen fallen aus.

Zu wenig Personal, um allen Patienten gerecht zu werden: So sieht der Alltag von Krankenpflegerin Esther Hasenbeck vom Universitätsklinikum Essen häufig aus. Und dagegen will sie jetzt kämpfen.

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"So geht es nicht weiter", meint die Essener Krankenpflegerin Esther Hasenbeck. Seit zehn Jahren arbeitet sie in ihrem Job, doch die Arbeitsbelastung wird jedes Jahr schlimmer statt besser. "Pflege ist gut darin, hinter verschlossenen Türen zu jammern, wie schlecht es einem geht. Aber dann tatsächlich aufzustehen und zu sagen: Wir lassen uns das nicht gefallen, wir gehen jetzt auf die Straße und kämpfen - das ist ein sehr langer und schwerer Weg, aber er muss jetzt sein", meint die 32-Jährige.

In zwei Uniklinken wird deshalb die Arbeit niedergelegt, den Auftakt macht Düsseldorf mit einem 48-Stunden-Streik. Das Pflegepersonal fühlt sich überlastet: Viele wechseln auf Teilzeit, der Krankenstand ist sehr hoch und immer wieder müssen Mitarbeiter aus ihren freien Tagen für erkrankte Kollegen einspringen. Das alles geht zu Lasten der Patienten und der Mitarbeiter. Esther Hasenbeck: "Im Nachtdienst arbeiten wir zu zweit und sind für 36 Patienten verantwortlich. Das geht oft an die Grenze unserer Belastbarkeit, für jeden Patienten die richtigen Tabletten und Infusionen bereitzustellen. Da passieren leider Fehler auf menschliche Kosten."

Krankenpfleger schlagen Alarm

Die nächsten beiden Tage wird es nicht nur Streiks in zwei Uniklinken geben, sondern auch eine Demo, zu der zahlreiche Pfleger aus ganz Deutschland anreisen. Hintergrund: am Mittwoch beginnt in Düsseldorf eine zweitägige Gesundheitsministerkonferenz. Diese Gelegenheit will ver.di nutzen, um Gesundheitsminister Jens Spahn klarzumachen: "Es reicht: Der Fachkräfte-Mangel muss endlich ein Ende haben!"

Ver.di hat in den letzten Monaten eine erschreckende Statistik erstellt: So schiebt das Personal an deutschen Kliniken 35,7 Millionen Überstunden vor sich her, das entspricht 32,5 Überstunden pro Beschäftigtem. Anders ausgedrückt: es müssten 22 Prozent mehr Pflegestellen in den Krankenhäusern geschaffen werden. Und in der Altenpflege sieht es nicht besser aus, im Gegenteil. Altenpfleger verdienen meist weniger als Krankenpfleger, deshalb kommt auch Daniela Höfer aus Siegen am Mittwoch nach Düsseldorf zur Demonstration.

Ungleiche Bezahlung von Alten- und Krankenpflegern

Obwohl die Ausbildung von Kranken- und Altenpflegern seit kurzem zusammengelegt wurde, sind die Verdienstmöglichkeiten sehr unterschiedlich. In der Regel verdienen Altenpfleger knapp 600 Euro weniger als Krankenpfleger - für die Altenpflegerin Daniela Höfer eine große Ungerechtigkeit: "Ich finde, beide Berufsgruppen machen einen wichtigen Job und sollten deshalb auch gleich bezahlt werden", sagt die 46-Jährige. Ganz nebenbei erzählt sie dann auch noch von den zahlreichen Überstunden, die sie wohl auch nie vergütet bekommen wird.

Wenn noch nicht mal Zeit für den Gang zur Toilette ist oder für ein Glas Wasser zwischendurch, wenn immer mehr Pflegekräfte ihren Job kündigen oder an einem Burn-Out erkranken, dann ist es höchste Zeit für ein Umdenken. Die vom Gesundheitsminister versprochenen 13.000 neuen Stellen in der Altenpflege sind deshalb laut ver.di auch nur "ein Tropfen auf dem heißen Stein". Tatsächlich fehlten nach Gewerkschaftsberechnung 63.000 Stellen in der Altenpflege.

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