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Abstimmung über Streiks - Ufo droht, Lufthansa wartet auf Klärung

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Noch im August drohen Streiks. Denn die Flugbegleitergewerkschaft Ufo führt seit heute eine Urabstimmung bei German- und Eurowings durch. Klar sind Lage und Ausgang aber nicht.

Maschinen von Germanwings und Eurowings auf dem Rollfeld
"Unsere Mitglieder werden sagen, wie sie momentan zu Streiks stehen", sagt Ufo-Tarifvorstand Daniel Flohr über die Urabstimmung bei Eurowings und Germanwings. (Archivbild)
Quelle: imago
Unsere Mitglieder werden sagen, wie sie momentan zu Streiks stehen.
Daniel Flohr, Ufo-Tarifvorstand

Die Fronten sind schon seit Längerem verhärtet. Nun eskaliert die Lage im Lufthansa-Konzern. Denn die Gewerkschaft der Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter (Ufo) hat ihre Mitglieder zunächst bei Eurowings und Germanwings zur Urabstimmung aufgerufen. "Unsere Mitglieder werden sagen, wie sie momentan zu Streiks stehen. Und dann werden wir, mit dem entsprechenden Ergebnis, die ersten Maßnahmen planen müssen", sagt Daniel Flohr, Tarifvorstand der Flugbegleitergewerkschaft Ufo.

Eskalation läuft seit Längerem

Dabei gibt er sich aber weiter gesprächsbereit gegenüber dem Lufthansa-Konzern, in diesem Fall speziell gegenüber dem Eurowings-Management. "Vielleicht gibt es ja noch einen Ausweg, ich finde reden ja immer sinnvoller, als einfach nur weiter auf Eskalation zu setzen", sagt Flohr. Die Urabstimmung beginnt an diesem Dienstag und soll drei Wochen bis zum 8. August laufen. Streiks seien danach - bereits im August - möglich.

Die Eskalation läuft nicht erst seit heute. Und sie ist verworrener, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Vorausgegangen war nach Angaben der Gewerkschaft das Angebot eines vierwöchigen Streikmoratoriums, das aber von Lufthansa beziehungsweise Eurowings nicht angenommen worden sei. Der Lufthansa-Konzern argumentiert dagegen, dass bei der Gewerkschaft gar kein verhandlungsfähiger Vorstand vorhanden sei.

Lufthansa bestreitet Vertretungsbefugnis des Ufo-Vorstands

Nach innergewerkschaftlichen Auseinandersetzungen waren in den vergangenen Monaten mehrere Ufo-Vorstände zurückgetreten. In einer offiziellen Stellungnahme von Eurowings heißt es: "Anstatt aus machtpolitischem Eigeninteresse Verunsicherung über Medien zu verbreiten, fordern wir die Gewerkschaft auf alles daranzusetzen, ihre Vertretungsbefugnis und damit die Rechtmäßigkeit des Gewerkschaftsvorstands herzustellen. Dies hat die Ufo trotz zahlreicher und monatelanger Aufforderungen bis heute nicht getan."

Lufthansa und Eurowings nehmen die Haltung ein, dass die Kündigung der Tarifverträge seitens der Gewerkschaft im März schon nicht rechtens war. Sie sagt, die im März handelnden Gewerkschafter hatten keine offizielle Vertretungsbefugnis, sprich: Sie konnten die Verträge gar nicht kündigen, haben dies also auch nicht getan. Folglich könne es auch keine Streiks geben.

Fronten verhärtet

Die Gewerkschaft dagegen meint, ihre im März erfolgte Kündigung der Tarifverträge sei rechtens - deswegen kann sie nun in die Urabstimmung gehen und in der Folge grundsätzlich auch streiken. Eurowings wiederum unterstreicht, dass die mittlerweile ausgehandelten neuen Tarifverträge vom Unternehmen unterschrieben auf dem Tisch lägen. Man hätte sie längst für die Kabinenmitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter Dach und Fach bringen könnten. Da aber der Gewerkschaftsvorstand bis heute nicht handlungsfähig und unterschriftsfähig sei, könne man eine solche Vereinbarung eben nicht abschließen.

Button der UFO-Gewerkschaft und Germanwings-Badget
Streik - ja oder nein?: Die Gewerkschaft der Flugbegleiter hat ihre Mitglieder zunächst bei Eurowings und Germanwings zur Urabstimmung aufgerufen. (Archivbild)
Quelle: DPA
Man fing an, die Mitarbeiter zu verunsichern und auch zu bedrohen.
Daniel Flohr, Ufo-Tarifvorstand

Die Gewerkschaft hält das natürlich für ein vorgeschobenes Argument. "Die einzige Reaktion des Unternehmens war zu sagen, die Ufo kann ja gar nicht und das wird auch nicht passieren. Und man fing an, die Mitarbeiter zu verunsichern und auch zu bedrohen", meint Daniel Flohr. Germanwings und Eurowings hätten mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen gedroht, wenn die Mitarbeiter in den Ausstand treten sollten.

Beide Seiten haben klare Interessen

In der Tat gibt es in diesem Tarifkonflikt zwei divergierende Interessen, die nicht allein auf die Frage nach Arbeitsbedingungen oder mehr Lohn und Gehalt zurückgeführt werden können. Denn die Lufthansa und insbesondere deren Billigflugtochter Eurowings kämpfen mit einigem Gegenwind:

  • Die Konkurrenz durch Billigflieger ist hoch und drückt auf die Ticketpreise.
  • Das Kerosin ist vergleichsweise teuer und treibt zudem die Kosten die Höhe.

Der Konzern ist also stark daran interessiert, seine Kosten in den Griff zu bekommen und zu sparen, wo es geht. Erst im Juni musste die Lufthansa ihre Jahresprognose senken. Eurowings hat weitere Sparmaßnahmen angekündigt.

Ein Airbus A320 Neo der Fluggesellschaft Lufthansa. Archivbild
Im Juni musste die Lufthansa ihre Jahresprognose senken. (Archivbild)
Quelle: Silas Stein/dpa

Der Flugbegleitergewerkschaft Ufo dagegen dürfte, nach dem internen Machtkampf mit den Rücktritten mehrerer Vorstände, an einer inneren Stabilisierung gelegen sein, die den Mitgliedern signalisiert, dass man durchaus handlungsfähig ist. Jedenfalls aber ist das ein realer Haufen an Problemen, hinter dem Lufthansa und Eurowings sich verschanzen und in Deckung gehen können. In dieser Gemengelage ist es schwierig herauszufinden, welche Seite "im Recht" ist.

Gerichtliche Klärung - drohen Streiks?

Vermutlich wird sich aber in den kommenden Tagen oder Wochen herausstellen, wer juristisch Recht behält. Und das wäre dann auch eine erste Antwort auf die Frage, ob Kunden sich wirklich auf Streiks bei Eurowings im August einstellen müssen.

Am Montag hat nämlich vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt ein weiterer Prozess zur Klärung der Situation begonnen. Von dem erhofft sich die Lufthansa eine Bestätigung ihrer Rechtsauffassung. Sollte sie allerdings scheitern, droht Ungemach. Denn nach der Urabstimmung bei Eurowings will die Gewerkschaft auch ihre Mitglieder im Lufthansa-Konzern zu möglichen Arbeitsausständen befragen.

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