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Neue Mobilfunk-Frequenzen - Wie der Streit um 5G den Handymarkt aufmischt

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2019 werden die neuen Frequenzen 5G versteigert. Für Netzbetreiber wie die Telekom geht es um ein milliardenschweres Zukunftsgeschäft. Und darum, weiter den Markt zu dominieren.

79,95 Euro im Monat - das ist relativ viel Geld für eine Handyflatrate. So viel berechnet jedenfalls die Telekom für unbegrenztes mobiles Surfen: Videos auf dem Handy gucken, Musik streamen, Bilder bei Instagram hochladen. Bei der Konkurrenz gibt es ähnliche Angebote, zum Teil etwas günstiger. Doch im internationalen Vergleich sind mobile Daten in Deutschland immer noch relativ teuer: 4 GB, 8 GB, 12 GB - in anderen Ländern sind solche Datenpakete oft um einiges günstiger.

Das liegt auch daran, dass es auf dem deutschen Mobilfunkmarkt relativ wenig Wettbewerb gibt. Drei Anbieter teilen sich den Markt auf: Telekom, Vodafone und Telefonica mit seiner Kernmarke O2. Doch genau diese Vormachtstellung der drei Großen wackelt gerade. Und damit auch ihr Geschäftsmodell. Anfang 2019 werden in Deutschland die neuen Mobilfunkfrequenzen versteigert, die Frequenzen der fünften Generation - kurz: 5G. Nur wer eine Frequenz abbekommt, kann auch in Zukunft Geschäfte mit mobilen Daten machen. Die Karten werden neu gemischt.

1&1 fordert Telekom, O2 und Vodafone heraus

Diese Gelegenheit würde ein neuer, ein vierter Anbieter gerne nutzen: Auch 1&1 möchte eine 5G-Frequenz ersteigern und 5G-fähige Mobilfunkmasten in Deutschland aufbauen, so zumindest das Versprechen. Doch bis 1&1 ein eigenes Mobilfunknetz in Deutschland aufgebaut hat, dürften Jahre vergehen. "Wenn Sie ein neues Netz aufbauen, dann bauen Sie das nicht in einem Schlag bundesweit auf. Sie fangen in einem ersten Ort an", sagt der Vorstandsvorsitzende von 1&1, Ralph Dommermuth. Gerade in dieser Aufbauphase am Anfang sei 1&1 auf die bisherigen Netzbetreiber wie Telekom oder O2 angewiesen. "Ein neuer Anbieter muss die Netze bestehender Anbieter kostenpflichtig nutzen können", sagt er.

Bestehende Netze kostenpflichtig nutzen: Dommermuth möchte Telekom, O2 und Vodafone zwingen, ihm seine bestehenden Netze zu vermieten. Wenn 1&1 eine 5G-Frequenz ersteigert, würde das Unternehmen erst einmal Handymasten in großen Städten bauen, Berlin zum Beispiel. Dort hätte ein 1&1-Kunde folglich Empfang. Doch wenn er zum Beispiel mit dem Zug nach Magdeburg fährt, hätte er dort kein Netz. Sein Handy müsste sich in ein anderes, bestehendes Netz einwählen, zum Beispiel das der Telekom. 1&1 würde der Telekom dafür eine Art Mietgebühr zahlen.

Der Knackpunkt: "Nationales Roaming", also geteilte Netze

Dieses Prinzip nennen Experten "Nationales Roaming". Es ist der Knackpunkt der 5G-Versteigerung. Telekom, Vodafone und O2 lehnen es strikt ab. "Nationales Roaming ist per se erst einmal eine Enteignung", sagt Markus Haas, Chef von Telefonica Deutschland, dessen Kernmarke O2 ist. Telefonica habe in den vergangenen Jahren viel Geld in das eigene Mobilfunknetz investiert, etwa 20 Milliarden Euro. Sein Argument: Warum sollte ein neuer Anbieter ohne derartige Investitionen auf einmal ein fremdes Netz nutzen dürfen? "Es kann nicht im Sinne der sozialen Marktwirtschaft sein, dass wir hier in eine Planwirtschaft zurückkehren", schimpft er.

Zwischen diesen beiden Positionen steht Jochen Homann. Er ist der Präsident der Bundesnetzagentur, die bis Ende November die Kriterien für die Frequenzversteigerung festlegt. Und ein Kriterium könnte sein: Nur wer Nationales Roaming ermöglicht, darf am Ende auch eine 5G-Frequenz ersteigern. Im ZDF-Interview lässt Homann durchblicken, dass er sich prinzipiell über mehr Wettbewerb und damit auch einen vierten Anbieter freuen würde. Aber: "Wir können die Unternehmen, die ein Mobilfunknetz haben, nicht dazu verpflichten, Dritte auf ihre Netze zu lassen."

Entscheidung erst Ende November

Die Bundesnetzagentur schiebt die Frage weiter nach Berlin, etwa zum zuständigen Minister für digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer (CSU). Bisher fehlt nämlich ein Gesetz, das Nationales Roaming einfordert. Ob Scheuer es plant? Schwer zu sagen. Ein Interview jedenfalls will er nicht geben. Das Thema ist heikel, es geht um viel Geld. Erst Ende November fällt die endgültige Entscheidung über das Nationale Roaming. Für Millionen von Kunden in Deutschland hängt von dieser Entscheidung auch ab, wie teuer ihre Handyverträge in Zukunft sein werden.

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