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Konflikt an der Krim - Moskau bestätigt Besetzung ukrainischer Schiffe

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Neue Spannungen zwischen Moskau und Kiew: Russland bestätigt die gewaltsame Besetzung von drei ukrainischen Marineschiffe vor der Krim. Zuvor war eine Meerenge blockiert worden.

Frachter blockiert Meerenge von Kertsch
Frachter blockiert Meerenge von Kertsch
Quelle: ZDF

Mit Waffeneinsatz seien die Schiffe am Sonntag in der Straße von Kertsch vor der Halbinsel Krim gestoppt worden, erklärte die russische Sicherheitsbehörde FSB. Zuvor hatte Russland im Streit mit der Ukraine die Meerenge von Kertsch blockiert. Ein Tanker sperrte die Meerenge am Sonntag und Dutzende Frachtschiffe saßen fest. Russische Schiffe hätten dabei auch "das Feuer auf eine Gruppe von Schiffen der ukrainischen Marine eröffnet", sagten deren Vertreter. Dabei seien sechs Besatzungsmitglieder verletzt worden. Auch seien vom russische Grenzschutz mindestens zwei Schiffe festgesetzt worden. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko berief eine Krisensitzung des Generalstabs ein.

Nach ukrainischen Angaben hatte ein Schiff der russischen Küstenwache zuvor einen Schlepper der ukrainischen Marine gerammt, der mit zwei ukrainischen Militärschiffen die Meerenge durchquerte. Schiffe der russischen Küstenwache hätten aggressiv agiert. Russland sei vorab über die geplante Reise der Militärschiffe informiert worden, hieß es in einer ukrainischen Mitteilung.

Russland hatte das Passieren der ukrainischen Schiffe als Provokation gedeutet. Das Nachbarland wolle eine "Konfliktsituation" schaffen, zitierten Medien aus einer Stellungnahme der russischen Behörden. Es würden alle Schritte unternommen, um eine Provokation zu verhindern. Russland warf demnach der ukrainischen Marine vor, die russische Grenze ohne Erlaubnis passiert zu haben. Kiew dementierte. Die Russen sprachen von "gefährlichen Manövern". Nach dem Zwischenfall schickte Kiew zwei weitere Schiffe zum Asowschen Meer. Diese kehrten inzwischen wieder um.

EU und Nato fordern Deeskalation

Die Europäische Union hat Moskau aufgefordert, die Straße von Kertsch wieder freizugeben und so zur Deeskalation beizutragen. "Die Spannungen im Asowschen Meer und in der Straße von Kertsch haben sich heute gefährlich verstärkt", erklärte EU-Kommissionssprecherin Maja Kocijanic am Sonntagabend in Brüssel.

Auch die Nato rief zu "Zurückhaltung und Deeskalation" auf. An Russland appellierte das Verteidigungsbündnis in einer Erklärung, "in Übereinstimmung mit internationalem Recht einen ungehinderten Zugang zu ukrainischen Häfen im Asowschen Meer sicherzustellen".

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Nach Darstellung der russischen Küstenwache durchfuhren die ukrainischen Marineschiffe die russische Hoheitsgewässer ohne Erlaubnis. Der russische Geheimdienst FSB beschuldigte die ukrainische Marine, Russland provoziert zu haben. Deren Ziel sei, "eine Konfliktsituation in der Region zu schaffen", verlautete russischen Nachrichtenagenturen zufolge vom FSB. Die Russen sprachen von "gefährlichen Manövern". Kiew dementierte.

Meerenge von Kertsch
Die Meerenge von Kertsch liegt zwischen der Krim und dem russischen Festland. Seit Monaten nehmen die Spannungen zu. Russland hatte die Krim 2014 von der Ukraine annektiert und versucht seither, sein Einflussgebiet um die Halbinsel auszuweiten.
Quelle: ZDF

Das Asowsche Meer nordöstlich der Halbinsel Krim entwickelt sich seit Monaten zu einem weiteren Schauplatz des Konflikts der Nachbarländer. Die Beziehungen zwischen Kiew und Moskau sind ohnehin äußerst angespannt. Russland hatte die Krim im Frühjahr 2014 annektiert. Die ukrainische Regierung wirft Moskau überdies vor, dass es pro-russische Kämpfer bei dem Konflikt in der Ostukraine aktiv unterstütze.

Frachter blockiert Durchfahrt unter Brücke

Kiew hatte angekündigt, die Präsenz der Marine im Asowschen Meer zu erhöhen. In den vergangenen Monaten hatten beide Seiten Fischkutter in dem Meer festgesetzt und beschlagnahmt. Am Sonntag soll Moskau auch zwei Kampfhubschrauber dort eingesetzt haben. Die Agentur Interfax berichtete, es sollten russische Kampfflugzeuge auf der Krim stationiert werden. Auf Bildern war zu sehen, dass ein großes Frachtschiff direkt unter der Brücke zur Halbinsel quer im Wasser stand und so die Durchfahrt blockierte.

Aus Russland verlautete nicht, wie lange die Meerenge blockiert werden soll. Eine anhaltende Sperrung für zivile Schifffahrt käme einer wirtschaftlichen Blockade der ukrainischen Städte am Asowschen Meer gleich. Dort befinden sich strategisch wichtige Städte wie Mariupol. Von allen Städten unter der Kontrolle der ukrainischen Regierung liegt sie den abtrünnigen Gebieten im Osten des Landes am nächsten. Die abtrünnigen Gebiete stehen unter der Kontrolle von Rebellen, die von Russland unterstützt werden.

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