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Streit um intelligente Kampfmaschinen

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Killer-Roboter - Streit um intelligente Kampfmaschinen

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Kampfroboter, intelligente Drohnen und autonome Panzer gehören längst zum Waffenarsenal vieler Staaten. In Genf verhandeln 75 Länder über den Einsatz solcher Tötungsmaschinen.

Platforma-M robotic system
"Platforma-M Robotic System"
Quelle: picture alliance / Igor Zarembo/Sputnik/dpa

Maya Brehm gibt sich wenig zuversichtlich. Die Völkerrechtlerin begleitet seit vielen Jahren die Verhandlungen der UN-Waffenkonvention über eine Regulierung autonomer Waffensysteme in Genf.

Kein Verbot in Sicht

Vor allen Dingen die USA, Russland und China, aber auch Israel verhindern ein klares Verbot von Kampfrobotern und Raketen mit Künstlicher Intelligenz. Bei den Genfer Verhandlungen im vergangenen Jahr waren Vertreter von Nichtregierungsorganisationen wie Thomas Küchenmeister von der "Kampagne gegen Killerroboter“ noch sehr zuversichtlich, dass sich die Staaten zumindest auf ein Verbot vollkommen autonomer Waffensysteme einigen würden.

Bomb disposal robot "Dragon Runner"
"Bomb disposal" Roboter "Dragon Runner"
Quelle: picture alliance / empics

Doch nur 26 Staaten haben einem solchen Verbot in Genf zugestimmt. Die Bundesrepublik Deutschland hat sich bisher nicht für ein solches Verbot ausgesprochen. Vor allen Dingen israelische Unterhändler konnten sich bisher mit ihrer Einschätzung durchsetzen, dass zwischen teilautonomen und vollkommen autonomen Waffen gar nicht so leicht unterschieden werden könne.

Bei einem Verbot autonomer Waffensysteme wisse man dann ja gar nicht, welche Waffen konkret davon betroffen seien. Die israelische Regierung sieht zum Beispiel ihre Harpy-Drohne nicht als autonomes Waffensystem. Das Harpy-Fluggerät wertet Funksignale aus, kann auf dieser Basis eine feindliche Radaranlage erkennen und diese selbstständig zerstören.

Was ist teilautonom?

"Dafür muss aber der Angriffsmodus vor dem Raketenstart freigeschaltet werden“, erläutert ein israelischer Armeesprecher. Und das müsse von einem Menschen gemacht werden. Deshalb handele es sich bei Harpy nicht um eine autonome Waffe.

Das sieht man im Kreml ganz ähnlich. Der Star des russischen Rüstungskonzerns Kalaschnikow heißt Sorotnik. Dabei handelt es sich um einen kleinen roboterähnlichen Kampfpanzer, der wahlweise mit einem Granatwerfer oder einem Maschinengewehr ausgerüstet werden kann.

Die clever programmierten Systeme für maschinelles Lernen erlauben Sorotnik nicht nur die Orientierung in unübersichtlichem Gelände. Sie sorgen auch dafür, dass Sorotnik feindliche Ziele vollkommen selbständig erkennen und bekämpfen kann. Der kleine Kampfpanzer kann sogar im Verband mit Drohnen angreifen.

Mit Schwarmintelligenz handeln dabei auch die Kampfpanzer des Models Nerechta. Sie greifen koordiniert feindliche Ziele an und leiten dabei auch die Luftunterstützung. Ausgeklügelte generative Netzwerke machen es möglich.

Panzer mit Schwarmintelligenz

Doch im russischen Verteidigungsministerium legt man Wert darauf, dass jeder Kampfeinsatz der roboterähnlichen Kampfpanzer von einem Soldaten freigegeben werden muss. "Die letzte Entscheidung liegt beim Menschen“, sagt auch ein Vertreter des südkoreanischen Rüstungskonzerns DoDaam Systems. Ihr Kampfroboter wird für Grenzsicherungsaufgaben an der Demarkationslinie zu Nordkorea eingesetzt. Der Roboter kann feindliche Soldaten erkennen und unter Beschuss nehmen.

Israelische Drohnen werden nun von der Bundeswehr angemietet.
Israelische Drohnen werden nun von der Bundeswehr angemietet.
Quelle: Abir Sultan/EPA/dpa

Die israelische Armee setzt zwar auch auf KI-Systeme in ihren Carmel-Schützenpanzern. Sie lässt die aber nicht vollkommen selbständig operieren, sondern setzt ein oder zwei Panzersoldaten noch zur Beaufsichtigung in das Gefährt. Eine Fernsteuerung sei auch verfügbar, heißt es aus Armeekreisen.

Beim Gebirgsjägerbataillon 231 der Bundeswehr sichert ein autonomes Fahrzeug den Gebirgsjägerzug. Bei Feindkontakt erkennt das Fahrzeug die Position der gegnerischen Schützen und fordert Drohnen an. Allerdings soll bei solchen Konzepten des vernetzten Gefechtsfeldes immer noch ein Gruppenführer den Oberbefehl über die Waffensysteme haben.

China setzt auf dezentrale Lage

Das handhabt auch die chinesische Armee so, die ihre intelligenten Kampfpanzer und Gefechtsroboter zwar immer noch fernsteuert, aber auch Softwaremodule für das autonome Gefecht entwickelt hat. Infrarot- und Wärmekameras von Drohnen, Gassensoren und Lidar-Ortungssysteme der kleinen beweglichen Kampfpanzer tauschen dabei selbständig und dezentral ihre Rohdaten aus.

In jedem autonomen Waffensystem ist ein KI-System für die Lagebeurteilung implementiert, das die gegnerischen Kräfte anhand dieser Rohdaten einschätzen und bekämpfen kann. Bisher werden diese Rohdaten noch im digitalen zentralen Gefechtsstand ausgewertet. Das Lagesystem unterbreitet dann Handlungsempfehlungen, die aber ein Offizier erst noch freigeben muss, damit ein militärischer Befehl daraus wird.

Die Verhandlungssituation, wann diese Waffensysteme als teilautonom und wann als autonom gelten sollen, ist derzeit in Genf vollkommen unübersichtlich. Beobachter rechnen deshalb auch nicht mit einem Ergebnis der jetzigen Konsultationsrunde.

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