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Streit um Stromtrassen - Grüne Energie - hohe Spannung

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Sie gelten als Hauptschlagadern der Energiewende: die künftigen Hochspannungstrassen. Sie sollen "grünen" Strom von Nord nach Süd leiten. Doch die Kritik daran hält an.

Die neuen Hochspannungsleitungen: angeblich notwendig für die Energiewende. 40 Meter breite Trassen durch die Natur sorgen für Widerstand. Doch werden die Leitungen überhaupt gebraucht?

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Deutschland hat sich entschieden: Die Zeit der Kohle läuft ab, die Atomkraftwerke gehen vom Netz, die Energiewende kommt. Damit verändert sich auch das Stromnetz - vor allem geht es um die Frage, wie der aus Windkraft erzeugte Strom vom Norden Deutschlands in den Süden kommt. Politik und Wirtschaft sind überzeugt: Neue innerdeutsche Stromautobahnen sollen und werden das Problem lösen.  

Als Modell dafür sehen sie das Kabel Nordlink. Es verbindet das norwegische Dorf Tonstad mit der Stadt Wilster in Schleswig-Holstein. Die ungewöhnliche Tauschidee: Überschüssiger Strom aus den deutschen Windparks soll nach Norwegen fließen und den dortigen Bedarf an Wasserkraft-Strom decken. Wenn in Deutschland kein Wind weht, können die Norweger Strom aus ihren Wasserkraftwerken nach Deutschland verkaufen. Durch diesen flexiblen Austausch wirkt die Leitung wie ein großer Stromspeicher.

Thinktank gegen Dorfbewohner

"Diese neue Stromautobahn ist ein gutes Beispiel für die Vorzüge einer engen europäischen Vernetzung", sagt der Direktor der Denkfabrik Agora Energiewende, Patrick Graichen. Graichen sieht in Nordlink auch ein Vorbild dafür, was etwa die innerdeutschen Stromautobahnen Südlink und Südostlink einmal bringen sollen: "Der Strom kann freier fließen und der Strommarkt insgesamt funktioniert besser."

Doch dort, wo die neuen Trassen gerade entstehen oder einmal verlaufen sollen, hält sich die Begeisterung oft in Grenzen - trotz des Versprechens, die Leitungen entgegen der ursprünglichen Planung unter der Erde zu verstecken. Die Proteste gehen weiter. So auch in Großmoor in der Lüneburger Heide. Das Dorf liegt inmitten weitläufiger Wälder, Wiesen und Moore. Die Menschen lieben die Ruhe, doch genau hier könnte die künftige Trasse der Südlink-Stromautobahn führen, in unmittelbarer Nähe von Wohngebäuden.

"Für uns als Dorf würde das bedeuten, dass wir 30 Jahre lang hier keine Straße und auch kein Haus bauen können. Wir möchten aber als Dorf weiter zusammenwachsen, viele junge Familien ziehen gerade hierher", kritisiert Angela Hoffmann von der Bürgerinitiative Adelheidsdorf. Ihre Befürchtungen sind nicht unbegründet: Weil auf den Kabeltrassen keine Bäume oder Häuser stehen dürfen, könnte das Stromprojekt die Entwicklung der betroffenen Städte und Gemeinden massiv aus dem Takt bringen. Großmoor wäre damit nur ein Beispiel von vielen.

Bauern fordern Pacht für Leitungen

Auch anderswo in Deutschland sorgen die Stromautobahnen für erhitzte Gemüter. Aktuell gibt es etwa Streit zwischen Bauern und Energiewirtschaft: Der Bauernverband fordert jährliche Pachtzahlungen für Landwirte, auf deren Grundstücken Höchstspannungs-Leitungen verlegt werden.

Die Unternehmen halten das für unangemessen, es gebe ja schon Entschädigungen. Und selbst namhafte Experten, darunter die Wirtschaftswissenschaftlerin Claudia Kemfert  (DIW) bemängeln, dass die Trassen um ein Drittel überdimensioniert seien und für den Transport von "schmutzigem Braunkohlestrom" nach Süddeutschland genutzt würden.

Und die Politik? Die argumentiert, dass ohne dieses Projekt die Energiewende nicht zu schaffen sei. Der industriereiche Süden brauche den Strom aus dem Norden, denn bis 2022 sollen alle Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet sein. Schleswig-Holsteins Energiewende-Minister Robert Habeck hat dennoch Verständnis für die Proteste. "Wir haben einen intensiven Dialog mit Bürgern und Verbänden geführt und Lösungen gefunden", sagt Habeck. Er betont, es einfach zu lassen, könne nicht die Antwort sein.

Die neuen Stromtrassen

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