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Streit um Wiederaufbau - Künftige Notre-Dame modern oder die Alte?

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Kaum sind die Trümmer von Notre-Dame abgekühlt, entzündet sich der Streit um den Wiederaufbau. Wie lange wird es dauern? Wie soll Notre-Dame künftig aussehen? Und wer bezahlt?

Notre Dame am 17.04.2019 in Paris
Der Wiederaufbau von Notre-Dame ist beschlossene Sache. Nur wie?
Quelle: ap

Am Seine-Ufer steht eine ältere Frau und weint. Sie schaut kopfschüttelnd auf die vom Brand beschädigte Kathedrale Notre-Dame und sucht nach ihrem Taschentuch. "Ich bin 65 Jahre alt. Ich glaube nicht, dass ich Notre-Dame noch einmal wieder aufgebaut sehen werde", sagt sie und wischt sich die Tränen aus dem Gesicht.

Die Ankündigung von Präsident Macron, die bei einem Großbrand stark beschädigte Kathedrale binnen fünf Jahren wieder aufzubauen, ist bei vielen Parisern und Experten auf Skepsis gestoßen. Immerhin hat es etwa zwei Jahrhunderte gedauert, Notre-Dame zu errichten. Ausgerechnet ein ehemaliger Generalstabschef, Jean-Louis Georgelin, soll den Wiederaufbau überwachen.

Dass der französische Staat sich so beherzt um die Rekonstruktion einer katholischen Kirche kümmert, hat seine Gründe im besonderen Verhältnis von Kirche und Staat in Frankreich. Alle vor 1905 gebauten Kirchengebäude gehören dem Staat, der für den Unterhalt aufkommt. Die Kirche ist nur für die Innenräume und die Bezahlung der Priester zuständig, für die sie Spenden sammelt. Eine Kirchensteuer gibt es nicht.

Originalgetreuer Wiederaufbau? Moderne Elemente?

Noch bevor die Regierung offiziell zu Spenden für den Wiederaufbau aufrief, überboten sich die reichsten Familien Frankreichs mit Millionenzusagen. Innerhalb von zwei Tagen kam fast eine Milliarde Euro zusammen. Sogar das Internationale Olympische Komitee hat eine halbe Million Euro versprochen, in der Hoffnung, dass die Kirche zu den Olympischen Spielen in Paris 2024 fertiggestellt ist.

Aber zunächst muss entschieden werden, in welcher Form Notre-Dame wieder aufgebaut werden soll - möglichst originalgetreu oder mit modernen Elementen?

Notre-Dame nach dem Brand

Einiges ist unwiederbringlich verloren, vor allem der mächtige Dachstuhl aus Eichenbalken aus dem 13. Jahrhundert. Dazu hatten die Bauleute Eichen benutzt, die mehrere hundert Jahre alt waren. Es ist kaum vorstellbar, dass für den Wiederaufbau so viele Baumriesen gefällt werden. Zudem war der hölzerne Dachstuhl höchst entzündlich.

Metallkonstruktion denkbar

Denkbar wäre eine Konstruktion aus Metall - ein französischer Stahlriese hat bereits eine Materialspende angekündigt - oder auch aus Stahlbeton, wie bei der Rekonstruktion der Kathedrale von Reims.

Der Dachreiter, der wie eine Fackel brannte, und dessen spektakulärer Sturz sich tief ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat, muss ebenfalls komplett neu gebaut werden. Er gehörte nicht zum gotischen Bau, sondern war bei der umfangreichen Renovierung von Eugène Viollet-le-Duc im 19. Jahrhundert aufs Dach gesetzt worden - wie auch viele der pseudo-mittelalterlichen Statuen an der Fassade.

Macron hat bereits einen internationalen Architektenwettbewerb angekündigt und wünscht sich eine zeitgenössische Variante. Wahrscheinlich träumt der Präsident davon, bauliche Spuren in Paris zu hinterlassen – so wie Georges Pompidou das nach ihm benannte Museum oder François Mitterrand die gläserne Pyramide vor dem Louvre.

Protest gegen Macrons Ankündigung

Der Protest blieb nicht aus. Während die einen eine Verschandelung des mittelalterlichen Baus befürchten, fürchten andere eine politische Instrumentalisierung des Wiederaufbaus der Kathedrale.

Bislang zeichnet sich ab, dass zunächst ein hölzerner Behelfsbau auf dem Vorplatz von Notre-Dame errichtet werden soll, in dem zumindest Gottesdienste gefeiert werden können. Es ist auch durchaus wahrscheinlich, dass die Trümmerstätte, die sich bald in einige riesige Baustätte verwandelt, auch weiterhin zehntausende von Besuchern anziehen wird.

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