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Neuausrichtung bei Bosch - Brennstoffzelle: Es tut sich was

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Bisher stand die Brennstoffzelle bei der E-Mobilität im Schatten der Batterie. Bosch setzt gleichwohl auf den Wasserstoff-Antrieb. Und auch beim Tankstellennetz tut sich was.

Lange Ladezeiten und geringe Reichweiten schrecken bislang von Elektrofahrzeugen ab. Die Brennstoffzelle kann eine Lösung sein. Aber Deutschland und Bosch kommen eigentlich zu spät.

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Jetzt also doch. Mit dem Stuttgarter Zulieferer Bosch bekennt sich ein großer Player der Automobilindustrie zum Brennstoffzellenantrieb. Das unterstrich der Vorstand jetzt bei der Bilanzpressekonferenz auf dem Bosch-Forschungscampus in Renningen. Jahrzehntelang war die Brennstoffzelle im Schatten der Dieselentwicklung verkümmert. Doch die andauernde Diskussion über Grenzwerte und CO2-Ausstoß bringt sie wieder auf die Tagesordnung.

Strom erzeugen aus Wasserstoff

Das Prinzip: In der Brennstoffzelle vereinigen sich Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O) zu Wasser (H2O). Dabei wird elektrischer Strom frei, der im Fahrzeug Elektromotoren antreibt. Klingt simpel, erfordert aber viel Know-how in Betrieb und Herstellung.

Alternative Antriebe - ein Überblick

Gas-Ströme regeln, das Kühlen elektrischer Systeme steuern - damit kenne sich das Unternehmen aus, sagt Jürgen Gerhardt, Produktionsbereichsleiter "Mobile Brennstoffzelle" bei Bosch. Das Know-how gelte es jetzt für die Brennstoffzelle einzusetzen, um sie möglichst einfach fertigen zu können. Das Herzstück, den sogenannten Brennstoffzellenstapel, erhält Bosch vom schwedischen Unternehmen PowerCell und will ihn in Kooperation weiterentwickeln.

Für den Erfolg des Projekts ist noch eine wichtige Hürde zu nehmen, unterstreicht Gerhardt: "Die Brennstoffzelle muss natürlich noch ein Stück günstiger werden - das ist das, was jetzt vor uns liegt. Wir rechnen uns Chancen mit der Industrialisierung aus, jetzt von den vorhandenen Kleinserien in eine echte Großserien-Anwendung zu gehen." Spätestens 2022 soll die Serienfertigung angelaufen sein.

Brennstoffzellen-Antrieb – eine gut Ergänzung

Automobil-Experte Stefan Bratzel von der Hochschule Bergisch-Gladbach sieht den Brennstoffzellen-Antrieb als gute Ergänzung: "Ein Szenario der Mobilität der Zukunft könnte etwa sein, dass für Nutzfahrzeuge und Langstrecke die Brennstoffzelle die bessere Alternative ist, für Kurzstreckenverkehr oder mittlere Strecken eignet sich batterieelektrische Mobilität, so wie wir das jetzt schon von Elektrofahrzeugen kennen."

Hinzu komme die Erkenntnis der Autoindustrie, dass die Wertschöpfung im Bereich batterie-elektrischer Mobilität ja relativ gering sei und dass die Kompetenzen eher bei asiatischen Herstellern lägen. Mit der Brennstoffzelle könnten die deutschen Hersteller und Zulieferer künftig noch Erfolge erzielen, weil sich diese alternative Antriebsform langsamer entwickle. Allerdings sind die asiatischen Hersteller wie Toyota und Hyundai auch auf diesem Feld den deutschen voraus. Sie präsentieren auf den Automobilmessen bereits Serienfahrzeuge.

Wasserstofftankstellen - Die Henne-Ei-Problematik

Dabei sehen sich Verbraucher und Industrie wie bei vielen neuen Technologien der Henne-Ei-Problematik ausgesetzt - also der Frage, was zuerst kommt: das Produkt oder eine erforderliche Infrastruktur. Ohne Wasserstofftankstellen wird sich kaum jemand ein Brennstoffzellenfahrzeug kaufen wollen - ohne Kauf-Nachfrage wird kein Hersteller in die Serienfertigung einsteigen, also kann der Kunde kein Fahrzeug kaufen.

Darum hat sich ein Konsortium aus Tankstellenkonzernen, Wasserstoffherstellern und Autobauern zusammengetan, um das Tankstationennetz auszubauen. Bis Ende des Jahres sollen es knapp 100 sein, vorrangig in Ballungsräumen und an Autobahnen, alle 14 Tage etwa eröffnet eine neue.

Für den Bosch-Produktionsbereichsleiter Jürgen Gerhardt auch der Grund, warum zunächst Nutzfahrzeug-Antriebe für ihn im Fokus stehen. "Das ist mit Nutzfahrzeugen einfacher, weil Sie mit einer relativ überschaubaren Anzahl von Tankstellen schon eine große Flotte bedienen können - anders als beim Pkw, wo sie in die Breite müssen. Also Start für die Brennstoffzelle beim Truck, aber später geht es dann auch in den Pkw."

Wasserstoff regenerativ erzeugen

Entscheidend für die Umweltverträglichkeit der Brennstoffzelle ist die Herkunft des Wasserstoffs. Dieser muss mit regenerativ erzeugtem Strom entstehen, betont Gerhardt. "Wir haben heute schon in Deutschland Tage, an denen wir einen negativen Strompreis zahlen müssen, an denen wir ausländische Abnehmer dafür bezahlen, dass sie unseren Strom abnehmen. Wenn wir regenerative Quellen ausbauen, wird dieser Überschuss weiter ansteigen, das müssen wir irgendwie speichern und dafür bietet sich Wasserstoff an."

Das Tanken von Wasserstoff jedenfalls dauert nicht länger als bei Benzin- oder Diesel-Fahrzeugen, was Brennstoffzellenfahrzeugen einen Vorteil gegenüber batteriegetriebenen verschafft. Und so hat jede Technologie ihre Vor- und Nachteile und man wird nicht beobachten müssen, welche sich durchsetzt. Eher könnte es wohl künftig einen Mix der Antriebsarten für die jeweiligen Anforderungen geben. Für dieses Geschäft hat sich Bosch jetzt schon mal positioniert.

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