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Blackout in Südamerika - "So massiv war es noch nie"

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Stromausfälle sind häufig in Argentinien - aber ein derart massiver Blackout? Millionen Menschen dort und im Nachbarland Uruguay waren betroffen. Viele staunen über das Ausmaß.

Millionen Menschen waren von dem ganztägigen Stromausfall in den beiden lateinamerikanischen Ländern betroffen.

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In Teilen Südamerikas ist es am Sonntag zu einem massiven Blackout gekommen. 44 Millionen Menschen in Argentinien und Uruguay waren stundenlang ohne Strom. Die Energieversorger arbeiteten unter Hochdruck an einer Lösung des Problems: Im Netz der Hauptstadt und des Großraums Buenos Aires begann der Strom nach einigen Stunden wieder zu fließen. Acht Stunden nach dem Blackout sei gut die Hälfte der Kunden in Argentinien wieder am Netz gewesen, erklärte Energiesekretär Gustavo Lopetegui. Mittlerweile sei die Stromversorgung wieder "zu 100 Prozent" wiederhergestellt - auch in Uruguay.

Das Stromnetz der beiden Länder ist verbunden - Argentiniens ist allgemein für seinen schlechten Zustand bekannt. Umspannwerke und Leitungen sind vielerorts mangelhaft. In Uruguay war das Licht bis zum frühen Nachmittag in drei Regionen wieder an.

Stromausfall in Argentinien und Uruguay
Gemütliche Kerze, dafür kalte Küche: Bar in Buenos Aires
Quelle: dpa

"Nicht normal"

Zu dem Stromausfall war es gegen 7 Uhr morgens Ortszeit gekommen. Die argentinische Tageszeitung "Clarín" berichtete, Züge seien abrupt gestoppt worden, auch die Metro funktionierte nicht. Die Verkehrsampeln blieben aus. Die meisten Krankenhäuser versorgten sich anscheinend über Generatoren. Auf der Südhalbkugel der Erde beginnt jetzt der Winter, zum Teil wird auch mit Strom geheizt.

Die Ursache des Blackouts ist noch unklar. Der argentinische Versorger Edesur erklärte, an einer Übertragungsstelle zwischen den Werken Yacyretá und Salto Grande im Nordosten des Landes habe es eine Panne gegeben. Argentiniens Energiesekretär Gustavo Lopetegui sagte auf einer Pressekonferenz, das System sei automatisch abgeschaltet worden, weil eine Destabilisierung der Spannung wahrgenommen wurde. An einem Sonntag ohne extreme Temperaturen verfüge das Netz über eine Stromreserve von 20 Prozent, daher sei die allgemeine Abschaltung nicht normal gewesen. Lopetegui schloss einen Hacker-Angriff nicht aus, hielt aber eine Cyberattacke nicht für die erste Hypothese. Ein Ergebnis der laufenden Untersuchungen werde erst in sieben bis zehn Tagen feststehen.

Stromausfall in Argentinien und Uruguay
Flächendeckender Blackout: Laden in Buenos Aires
Quelle: Reuters

Wahlen im Handy-Licht

Während die Behörden kaum für Kommentare zur Verfügung standen, bezeichneten viele Einwohner das Geschehen als beispiellos. Einen solchen Ausfall im gesamten Land habe er noch nie erlebt, sagte Taxifahrer Silvio Ubermann in Buenos Aires. Anwohner Lucas Acosta klagte: "Ich war gerade auf dem Weg, um mit einem Freund zu essen, aber wir mussten alles absagen. Es gibt keine U-Bahnen, nichts funktioniert." Südlich von Buenos Aires an der Küste sei es kalt, berichtete eine Augenzeugin. Die Ampeln funktionierten nicht, auch könne man nicht tanken. "Es ist sehr merkwürdig, so massiv war es noch nie", sagte die junge Frau.

Auch die Gouverneurswahlen in Argentinien waren von dem Ausfall betroffen. Wähler mussten das Licht ihrer Handys nutzen, um bei der Stimmabgabe etwas sehen zu können. Auswirkungen bekamen auch Patienten zu spüren, die im Alltag auf medizinische Geräte angewiesen sind. Sie wurden aufgefordert, Krankenhäuser mit Generatoren aufzusuchen.

Marode Infrastruktur

Argentinien, wo im Herbst Präsidentschaftswahlen stattfinden, leidet unter einer schweren Wirtschaftskrise. Die Infrastruktur gilt als marode. Lokale Stromausfälle sind häufig - allerdings eher in den Sommermonaten, wenn Klimaanlagen die Netze überlasten. Der Unterstaatssekretär für Zivilschutz, Daniel Russo, sagte in Radio Mitre, dies sei ein Ausfall in einem für Argentinien beispiellosen Ausmaß. Auf Twitter zogen argentinische Nutzer unter Hashtags wie "SinLuz" Vergleiche zu Venezuela, wo es seit März 2019 immer wiederkehrende Stromausfälle gab. "Mit (Präsident) Macri sind wir lediglich Venezuela", schrieb ein Nutzer.

Infokarte Südamerika
Quelle: ZDF

Betroffen waren nach Angaben Edesurs auch Paraguay sowie der Süden Brasiliens. Der brasilianische Kraftwerkbetreibers ONS dagegen erklärte, das Land sei nicht von dem Stromausfall betroffen. Argentinien und Uruguay teilen sich ein Stromnetz, das vom gemeinschaftlich betriebenen Staudamm Salto Grande ausgeht. Dieser befindet sich rund 450 Kilometer nördlich von Buenos Aires und rund 500 Kilometer nördlich von Uruguays Hauptstadt Montevideo. Paraguay teilt sich mit Argentinien das Kraftwerk Yaciretá auf dem Paraná-Fluss.

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