Sie sind hier:

Deutscher Umweltpreis - Alte E-Motoren mit gewaltigem Sparpotenzial

Datum:

Deutschlandweit surren rund 35 Millionen Elektroantriebe in Industriemaschinen. Viele davon sind alt und wahre Stromfresser. Dabei wäre das Einsparpotential gewaltig.

Maschine für Banknotenpapier mit E-Motor
Maschine für Banknotenpapier mit E-Motor Quelle: dpa

Bei den Stichwörtern "Elektromotor" und "Umwelt" denken die meisten wohl erst einmal an E-Autos. Elektrische Antriebe in allen erdenklichen Größen sind aber weit verbreitet - vor allem in der Industrie. Sie stecken in Schreddern, Mischern, Sägen, Pumpen, Kompressoren, Transportbändern, Schiffsantrieben, Wasser- und Windkraftgeneratoren. "In einer einzigen Werkshalle sind oft 500 Elektromotoren installiert", sagt Gunther Koschnick vom Elektroindustrieverband ZVEI. Echte Arbeitstiere, die aber zu einem großen Teil in die Jahre gekommen sind. "Viele dieser Antriebe sind seit über 20 Jahren im Einsatz."

Neue Motoren sind allerdings teuer. So lange die alten laufen, verabschieden sich die meisten Betriebe deshalb nur ungern davon. Dabei wäre das Stromsparpotenzial gewaltig. "In der deutschen Industrie haben Elektromotoren einen Anteil von 70 Prozent am Stromverbrauch", erklärt Reinhard Albert vom Umweltbundesamt. Den seit 2011 für neue Antriebe geltenden gesetzlichen Mindesteffizienzanforderungen entsprechen viele davon nicht mehr. Aber: "Da Elektromotoren eine Lebensdauer von zehn bis 15 Jahren haben, wird der Motorenbestand in Industrie und Gewerbe erst nach und nach erheblich energieeffizienter werden", so Albert.

Enormes Einsparpotenzial

Und "erheblich" scheint nicht übertrieben, jedenfalls wenn die Schätzungen des ZVEI auch nur ansatzweise stimmen. Der Verband geht davon aus, dass jährlich 33 Milliarden Kilowattstunden Strom eingespart werden könnten. Zum Vergleich: Ein Haushalt mit vier Personen verbraucht im Schnitt pro Jahr rund 4.000 Kilowattstunden Strom. Das heißt: Er käme mit dem eingesparten Strom mehr als acht Millionen Jahre bequem über die Runden. Insgesamt könnten in Deutschland jährlich etwa fünf Milliarden Euro Energiekosten gespart werden.

Dazu müssten alle Antriebe entweder durch moderne ersetzt oder da, wo es sinnvoll ist, mit einer elektronischen Drehzahlregelung versehen werden, so der ZVEI. Denn sehr oft werde die Drehzahl noch mechanisch mit Klappen oder Ventilen gesteuert. Der Motor arbeitet dabei sozusagen härter, als er eigentlich müsste. Eine moderne Regelung gibt dem Anwender dagegen die Möglichkeit, je nach Bedarf die Motordrehzahl anzupassen und damit nur genau so viel Energie aus dem Netz zu ziehen, wie gerade gebraucht wird. Der Einsatz der elektronischen Drehzahlregelung allein würde 80 Prozent des Energieeinsparpotenzials bei Elektromotoren ausmachen, schätzt das Umweltbundesamt.

Umweltpreis an E-Motorenhersteller

Johannes Oswald
Johannes Oswald Quelle: Oswald Elektromotoren

Große Zahlen, die offenbar auch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) beeindruckt haben. Der von ihr vergebene Deutsche Umweltpreis geht in diesem Jahr zur Hälfte an die Firma Oswald im fränkischen Miltenberg. Deren energieeffiziente Motoren hätten einer "Revolution in der Antriebstechnik zum Durchbruch verholfen", so die Stiftung. Von einer "stillen Revolution" spricht dabei Geschäftsführer Johannes Oswald, "denn E-Motoren arbeiten selten im Rampenlicht".

Tatsächlich ist der Torquemotor, den der Familienbetrieb mit 180 Mitarbeitern seit etwa 2000 herstellt, wohl fast nur Fachleuten ein Begriff. Bis zu 2.000 Stück jährlich liefert die Firma an Maschinenbauer. Die Motoren wiegen zwischen 50 Kilogramm und 15 Tonnen. Das Besondere an ihnen: "Im gleichen Volumen steckt viel mehr Motor drin", so Oswald zu heute.de. Bedeutet: Im Vergleich zu normalen Motoren sind sie bei gleicher Leistung deutlich kleiner. "In einem Torquemotor steckt etwa drei- bis viermal so viel Kraft wie in einem Standardmotor." Und er braucht "keine Übersetzungsglieder wie Getriebe oder Riemen - sie verbinden problemlos niedrige Drehzahlen und hohe Momente", so Oswald.

"Bereit und innovativ"

Das Ergebnis: In der Anschaffung kosten sie zwar meist mehr, sie brauchen aber weniger Energie, weniger Material und Platz. Außerdem sind sie wartungsärmer. Der Einspareffekt beim Endkunden sei zweistellig, sagt Oswald. "20, 40, 60 Prozent und mehr gegenüber der vorher auch nicht schlechten Technik. Das ist aus technischer Sicht revolutionär." Noch müsse bei vielen aber "Überzeugungsarbeit" geleistet werden. "Unser Kunde muss bereit und innovativ genug sein, seine Technik umzustellen."

Eine stille Revolution, wie gesagt, aber eine, die Vieles verändern kann. Ins Rampenlicht könnten die neuen Antriebe dennoch bald rücken. Publikumswirksamer als in Schreddern oder Winden kommen E-Motoren nämlich in Fortbewegungsmitteln zum Einsatz. Oswalds Firma baut bereits Spezialmotoren für Nutzfahrzeuge und Schiffe. Und entwickelt nebenbei einen effizienteren Hybrid-Antrieb für Flugzeuge. Denn auch in der Luft lässt sich Energie sparen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.