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Studenten machen aus Biomüll Tierfutter

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Ersatz für Soja und Fischmehl - Studenten machen aus Biomüll Tierfutter

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Massentierhaltung macht Soja zum begehrten Futtermittel. In Brasilien werden dafür große Flächen gerodet. Einige Studenten wollen das ändern: Sie verwandeln Biomüll in Tierfutter.

Wenn Sebastian Mandel in den Garten geht, hat er meistens seinen Biomüll im Gepäck. Mal ein paar Salatblätter, mal eine Portion Nudeln, die keiner mehr geschafft hat. Im Gehege seiner Hühner wirft er die Reste in eine kleine Kiste - wenige Tage später hat er nicht nur fruchtbaren Humus in der Hand, sondern viele krabbelnde Maden. Die sind der perfekte Snack für seine Hühner: proteinreich, lecker, schnell im Magen.

Projekt Frankfurter Studenten

Die Idee, Maden in einem Brutkasten zu züchten, hat Mandel von Frankfurter Studenten. Die Gruppe "Green Grubs", zu Deutsch "grüne Maden" oder "Larven", hat den Brutkasten in Mandels Garten konzipiert. Die Studenten stammen aus unterschiedlichen Fachrichtungen, es gibt Biologen, Wirtschaftswissenschaftler und Produktdesigner. Sie alle arbeiten ehrenamtlich für das Projekt, oft mehrere Stunden pro Woche.

Im Mittelpunkt ihrer Forschung steht die Schwarze Soldatenfliege. "Die Eigenschaften der Fliege machen unsere Idee überhaupt erst möglich. Ihre Maden haben einen phänomenalen Umsatz", sagt Projektleiter Florian Gloger. Das bedeutet: Die Maden fressen fast alles, jeden Biomüll, sogar bitteren Kaffeesatz.

Ihr System ist so angelegt, dass die Schwarze Soldatenfliege im Brutkasten ihren Lebenszyklus durchläuft. Los geht es mit einer Startpopulation ihrer Maden, ein Teil kann bereits verfüttert werden, der Rest darf sich verpuppen und schlüpfen. Später werden sich die Tiere paaren und Eier für die nächste Generation legen. Fertig ist ein System, das sich von Biomüll ernährt und, davon sind die Studenten überzeugt, Futtermittelzusätze ersetzen könnte. Dazu zählt neben Soja auch Fischmehl, das in der Massentierhaltung eingesetzt wird und zur Überfischung der Meere beiträgt.

Ein Brutkasten statt 575 Quadratmeter Regenwald

"In einem Jahr können wir mit unserem Brutkasten proteinreiches Tierfutter in Form von Maden züchten, die 56 Kilogramm Fischbeifang entsprechen", erklärt Gloger. Auch die eingesparte Soja-Menge klingt für den kleinen Brutkasten überzeugend: 575 Quadratmeter Regenwald könnten mit einem Brutkasten im selben Zeitraum gerettet und 12,6 Tonnen CO2 gespart werden.

Kisten der Firma Green Grubs liegen auf dem Boden
Um die 130 Euro kostet der Brutkasten.
Quelle: ZDF

Den Brutkasten bieten die Studenten bislang für etwa 130 Euro an, er richtet sich vor allem an Selbstversorger und Kleinbauern wie Sebastian Mandel. Perspektivisch seien auch viel größere Mengen denkbar, allerdings gehe es den Studenten nicht darum, Geld zu verdienen.

"In Deutschland gibt es keinen finanziellen Anreiz für die Anschaffung eines solchen Brutkastens, aber bei einem unserer Nutzer in Togo ist das anders. Dort liegen die Mangos als Fallobst auf der Straße und liefern eine reichhaltige kostenlose Nahrungsquelle für die Maden", erklärt Clemens Schumm, Kommilitone von Florian Gloger.

Werden wir irgendwann Maden essen?

Mir tut es in der Seele weh, wenn ich sehe, wie der Regenwald kaputtgeht. Aber wir haben die Zügel in der Hand, und können kreative Lösungen finden.
Projektleiter Florian Gloger

Inzwischen haben die Studentinnen und Studenten schon einige Preise gewonnen, ihre Motivation ist allerdings eine andere. "Mir tut es in der Seele weh, wenn ich sehe, wie der Regenwald kaputtgeht. Aber wir haben die Zügel in der Hand, und können kreative Lösungen finden. Zu den wichtigsten Erfahrungen bei 'Green Grubs' gehört für mich: Wenn man es einmal geschafft hat, Leute zu begeistern, ist viel möglich", erklärt Projektleiter Gloger.

Perspektivisch sei es sogar denkbar, dass sich auch die Menschen hierzulande von den Maden ernähren, das sei alles eine kulturelle Frage: "Ich habe zurzeit auch keine Lust, Maden zu essen", sagt Gloger. "Aber das ist ein langer Prozess und wer weiß, wie die Ernährung von morgen aussieht?"  

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