Sie sind hier:

Opposition in Nicaragua - Studentenführer contra Präsident

Datum:

Er ist mal gerade 20 Jahre alt und fordert einen der mächtigsten Männer Lateinamerikas heraus: Studentenführer Lesther Aleman ist der Kopf der Protestbewegung in Nicaragua.

Lesther Aleman streckt in der Diskussion die rechte Hand aus
Lesther Aleman unterbricht Präsident Daniel Ortega während des "Nationalen Dialogs" zur Krise in Nicaragua am 16. Mai 2018. Quelle: dpa

Kurze schwarze Haare, Hornbrille und ein Halstuch in Landesfarben: Lesther Aleman, Studentenführer und Gegner von Nicaraguas Präsident Daniel Ortega, sieht eher nach einem Pfadfinder aus als nach einem Herausforderer von einem der mächtigsten Politiker in Lateinamerika. Doch sein Erscheinungsbild täuscht. Lesther Aleman ist im Rahmen des von der katholischen Kirche vermittelten "Nationalen Dialogs" zwischen sandinistischer Regierung und Zivilgesellschaft eine der Schlüsselfiguren.

"Unser Kampf für Nicaragua"

Wie versteinert saß Präsident Ortega vor ein paar Tagen da, als Lesther Aleman zu seiner Rede ansetzte, die ihn berühmt machen sollte. "Wir sitzen hier, um hier Ihren Abschied zu verhandeln", rief Aleman mit fester und lauter Stimme ins Mikrofon. Eine offene Kampfansage, mit der Ortega nicht gerechnet hatte.  Die Szene hat ihn berühmt gemacht und ihn urplötzlich an die Spitze der Oppositionsbewegung gespült. "Das ist unser Kampf für Nicaragua", sagt Aleman in anschließenden Interviews.

Die Lage in Nicaragua bleibt dramatisch. Nach Schätzungen von Menschenrechtlern sind rund 130 Menschen seit Ausbruch der Proteste vor einigen Wochen ums Leben gekommen, mehr als 1.000 Menschen wurden verletzt. Die interamerikanische Menschenrechtskommission der Organisation Amerikanischer Staaten macht die staatlichen Sicherheitskräfte für die Mehrzahl der Toten verantwortlich. Die Regierung beschuldigt Opposition. Regierungsnahe Medien verbreiteten Bilder, die das belegen sollen. Die Opposition kontert mit Videosequenzen in den sozialen Netzwerken, die die Sicherheitskräfte schwer belasten.

"Alle sagten Lesther"

Inmitten der tobenden Proteste rief die katholische Kirche zu einem "Nationalen Dialog" auf, in der beide Seiten ihre Positionen austauschen sollten. Dann kam es zum Auftritt von Aleman, der in die Geschichte des Landes eingehen wird. Zuvor hatten die Studenten beraten, wer sie in den Gesprächen vertreten soll. "Die Kommilitonen, meine Generation begann Vorschläge zu machen, wer uns repräsentieren könnte. Und irgendwie sagten alle Lesther. Sie sagten das auf Facebook, Twitter und Whatsapp." Der Ruf wurde immer lauter, so dass er sich dieser Rolle nicht mehr entziehen konnte, berichtete Mutter Lesbia Alfaro gegenüber internationalen Medien.

Inzwischen steht Lesther Aleman für den Protest gegen Ortega, der im April begann. Damals gingen drei Gruppen auf die Straße: Rentner, die wegen schmerzhafter Einschnitte in das Sozialsystem protestierten. Kleinbauern, die von Landenteignungen durch das Mega-Projekt Nicaragua-Kanal betroffen waren und Studenten sowie Umweltschützer, die wegen eines Großbrandes in einem Naturschutzpark der Regierung Tatenlosigkeit und Komplizenschaft mit den Großgrundbesitzern vorwarfen. Aus dieser unterschiedlichen Interessenlage war es zunächst schwierig, Vertreter zu finden, die sich für die Zivilgesellschaft bei dem Nationalen Dialog positionieren sollten.

Ortega fürchtete Staatsstreich

Die Wucht der Proteste, aber auch das selbstbewusste Auftreten Alemans überraschte die Ortega-Regierung, die anschließend vom Versuch eines Staatsstreiches sprach. Der Präsident sei frei gewählt und seine Ablösung eine Forderung ausländischer Kräfte, unterstützt durch die USA. Der "Nationale Dialog" scheiterte, weil die gleichzeitig parallel laufenden Proteste brutal niedergeschlagen wurden. Die Kirche ziehe sich zurück, solange die Regierung mit Repression antworte, teilten die Bischöfe mit.

Inzwischen gibt es eine neue Entwicklung. Nach mehr als 130 Toten unternahm die Kirche einen neuen Vorstoß und traf sich in dieser Woche erneut mit Ortega. Die Bischöfe übergaben ein Vorschlagspaket zur Demokratisierung des Landes, wie sie sich ausdrückten. Ortega will die Vorschläge prüfen und sich am Wochenende dazu äußern.

Für Aleman ist Ortegas Abschied unvermeidlich

Unterdessen wird Lesther Aleman zum Ansprechpartner für internationale Medien. Er nutzt seine neue Popularität dafür, das Anliegen der Studenten nun einem breiten internationalen Publikum vorzutragen. Er glaubt, dass die Proteste nicht mehr zu stoppen sind. "Es war unglaublich zu sehen, wer da alles bei den Demonstrationen an unserer Seite mitlief. Frauen in hochhackigen Schuhen, Männer in Anzügen und Krawatte - sie alle marschierten mit." Die Protestbewegung, so glaubt er, ist nicht mehr aufzuhalten. Ortegas Abschied sei früher oder später unvermeidlich.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.