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Studie der TU Berlin - Immer mehr Antisemitismus im Internet

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In sozialen Medien, Blogs und Online-Kommentaren haben antisemitische Kommentare zugenommen wie noch nie. Das zeigt eine Studie der Technischen Universität (TU) Berlin.

Archiv: Ein Mann mit einer Kippa nimmt am 04.05.2018 an der Solidaritätskundgebung "Berlin trägt Kippa" der Jüdischen Gemeinde teil.
Ein Mann mit einer Kippa
Quelle: dpa

Die Antisemitismus-Forscherin Monika Schwarz-Friesel sprach von einem "besorgniserregenden Phänomen". Sie stellte eine Zunahme von antisemitischen Äußerungen von 7,51 Prozent im Jahr 2007 auf mehr als 30 Prozent im Jahr 2017 fest.

Judenhass selbst auf Verbraucher-Seiten

Zugleich habe sich die Sprache radikalisiert, sagte Schwarz-Friesel. Seit 2009 hätten sich NS-Vergleiche, Gewaltfantasien und drastische, Juden dämonisierende und das Menschsein absprechende Zuschreibungen verdoppelt. Juden würden häufiger als "Krebs", "Unrat" oder "Pest" bezeichnet, die das "größte Elend der Menschheit sind". Zu finden seien antisemitische Stereotype praktisch auf allen Portalen einschließlich Fanforen oder Verbraucher- und Ratgeberportalen wie gutefrage.net.

Über die Hälfte der judenfeindlichen Äußerungen (54 Prozent) sind dabei Stereotype des klassischen Antisemitismus, ein Drittel betrifft den Hass auf Israel (33,35 Prozent) und in über zwölf Prozent der Fälle wird der Holocaust relativiert oder angezweifelt. Die Absender der Kommentare seien gleichermaßen Rechte und Linke oder kämen aus der Mitte der Gesellschaft.

300.000 Texte analysiert

Für die Untersuchung über Judenhass im digitalen Zeitalter werteten die Wissenschaftler am TU-Institut für Sprache und Kommunikation mit Hilfe von Textverarbeitungsprogrammen mehr als 300.000 Texte etwa aus Twitter und Facebook, Debattenforen und Meinungskanälen von Onlinemedien aus. Das Internet sei ein zentraler Ort für Meinungsbildung und Information - aber auch für die Verbreitung von Judenhass, lautet ein Fazit der Studie, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wurde.

Jeden Tag würden Tausende neue antisemitische Äußerungen gepostet - in Bild, Text und Video. Zwischen 2007 und 2018 habe sich die Zahl antisemitischer Online-Kommentare nahezu verdreifacht. Es gebe fast keinen Bereich im Netz, in dem Nutzer nicht die Gefahr liefen, auf judenfeindliche Texte zu stoßen, heißt es in der Studie "Antisemitismus 2.0 und die Netzkultur des Hasses".

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