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Attraktivität und Wahlerfolg - Bundestagskandidaten: Schönheit vor!

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Eine Studie legt nahe, dass der Wahlerfolg auch von der Attraktivität eines Kandidaten beeinflusst wird. Untersuchungsleiter Ulrich Rosar erklärt im heute.de-Interview, warum.

Archiv: Celine Erlenhofer am 24.09.2017
Celine Erlenhofer (Linke): Die schönste Kandidatin laut der Studie Quelle: dpa

heute.de: Haben attraktive Menschen wirklich die besseren Wahlchancen?

Ulrich Rosar: Ja, attraktive Kandidatinnen und Kandidaten haben einen signifikanten und substantiellen Wettbewerbsvorteil gegenüber ihrer weniger ansehnlichen Konkurrenz. Dies gilt sowohl für den Erst- als auch den Zweitstimmenanteil, den sie im Wahlkreis erringen können.

heute.de: Sind wir tatsächlich so "oberflächlich"?

Prof. Dr. Ulrich Rosar
Ulrich Rosar ist Professor für Soziologie an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf

Rosar: Ja, wir können so oberflächlich sein - und zwar in allen möglichen Lebensbereichen und ohne dass wir es selbst bemerken. Nach unserer Einschätzung war die Vorwahlphase zur Bundestagswahl 2017 aber besonders prädestiniert, eine solche "Oberflächlichkeit" zu provozieren. Zum einen, da der Wahlkampf doch recht ereignis- und konfliktarm war. Zum anderen, weil der Ausgang der Wahl - sprich Neuauflage der GroKo - als einzig realistisches Szenario schon lange im Vorfeld festzustehen schien. Gerade in Ermangelung substantieller Entscheidungskriterien und vor dem Hintergrund scheinbarer Folgenlosigkeit der eigenen Entscheidungen, neigen wir eher dazu, uns an oberflächlichen Aspekten zu orientieren. Das haben zahlreiche Studien nachgewiesen.

Attraktivität und Wahlerfolg

heute.de: Wie wird physische Attraktivität wissenschaftlich definiert?

Rosar: Wenn die Frage meint, ob es die Schönheitsformel gibt, so kann ich nur sagen, dass eine solche Formel überhaupt nicht existiert. Es ließen sich höchstens eine Vielzahl von Aspekten benennen, die - durch wissenschaftliche Untersuchungen nachgewiesen - einen hohen Attraktivitätswert begünstigen. Wenn die Frage darauf abzielt, ob Schönheit wissenschaftlich erforschbar ist, so kann die physische Attraktivität definiert werden als ein objektives Merkmal der zu beurteilenden Person, das weitgehend von Moden, Kulturen und persönlichen Präferenzen unabhängig und daher der wissenschaftlichen Messung zugänglich ist.

heute.de: Können weniger attraktive Menschen ihre Chance erhöhen?

Rosar: Ja, zum einen dadurch, dass sie ihren Nachteil anderweitig kompensieren, zum Beispiel durch härteres Arbeiten. Zum anderen sind manche Merkmale, die den individuellen Attraktivitätswert beeinflussen, auch modellierbar. Ein Beispiel wäre hier die Vermeidung oder der Abbau von Übergewicht.

heute.de: Kann ich als Wähler meine Entscheidung objektivieren?

Rosar: Das ist durchaus möglich. Der erste Schritt hierzu ist die Erkenntnis, dass wir alle grundsätzlich anfällig sind, durch Äußerlichkeiten beeinflusst zu werden. Der zweite Schritt könnte im bewussten Sammeln substantieller Informationen liegen und was drittens helfen kann, ist die kritische Diskussion der eigenen Standpunkte und Entscheidungsgründe mit Personen, die potentiell anderer Meinung sind. So lernt man andere Standpunkte kennen und die Begründung der eigenen Position gegenüber anderen hilft immer, Fehler und Schwachstellen der eigenen Argumentation zu erkennen.

Das Interview führte Mark Ehrbrecht.

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