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Studie belegt positiven Einfluss - "Frauen in Chefetagen tun Unternehmen gut"

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Frauen gelten als weniger risikofreudig - und schützen damit Unternehmen vor riskanten Entscheidungen. Eine Studie bestätigt nun den positiven Einfluss von Frauen auf Unternehmen.

Geschäftsmänner und -frauen auf Treppe
Quelle: imago

Die wirtschaftlichen Auswirkungen von Frauenförderung haben bereits viele Studien in den Blick genommen. Allerdings schauten die meisten Analysen auf den Börsenwert - und nicht auf den Wert des gesamten Unternehmens. Genau das hat Jan Riepe von der Universität Tübingen nun getan. Der Wirtschaftsprofessor fand in einer Studie heraus: "Unternehmen mit einem hohen Anteil weiblicher Führungskräfte gelingt es besser, ihre Risiken zu senken und nachhaltigen Erfolg sicherzustellen."

40-Prozent-Quote in Norwegen

"Frauen in Chefetagen tun den Unternehmen gut", fasst Riepe die Studien-Ergebnisse zusammen. "Unternehmensanleihen gewinnen an Wert, wenn der Anteil von Frauen in den Gremien steigt." Als Fallbeispiel diente dem Ökonomen Norwegen. Hier wurde bereits 2006 eine verbindliche Frauenquote von 40 Prozent in Leitungsgremien eingeführt. Anders als in Deutschland gibt es in Norwegen keine strikte Trennung zwischen Vorständen und Aufsichtsräten. Das heißt: Die 40 Prozent gelten nicht nur für das Aufsichtsgremium, sondern auch für den operativen Vorstandsbereich.

Der Ökonom erklärt sich den Geschlechterunterschied so: Frauen gelten im Vergleich zu Männern als weniger risikobereit. Es gibt diverse wissenschaftliche Studien, die belegen, dass Männer eher bereit sind finanzielle Risiken einzugehen als Frauen. Dieses Muster könne sich positiv für ein Unternehmen auswirken, sagt Riepe: weil Frauen an der Spitze dafür sorgten, dass weniger riskante Geschäfte abgewickelt würden.

Männer verhalten sich anders

Riepe geht aber auch von einem disziplinierenden Effekt aus. "Männer verhalten sich anders, wenn eine Frau mit in der Runde sitzt." Auch hierzu gibt es Studien. Will heißen: Die Anwesenheit von Frauen kann Männer zu anderen Entscheidungen verleiten. Männergremien seien nicht so professionell, sagt Riepe: "Die Kontrolle nur unter Männern funktioniert nicht so gut." Reine Männerrunden seien anfälliger für Seilschaften und Kumpaneien.

Natürlich kann man nicht alle Männer und Frauen über einen Kamm scheren. So wie es männliche Manager gibt, die Risiko scheuen, gibt es Managerinnen, die Risiken eingehen. So wie Erin Callan, Finanzchefin bei Lehman Brothers. Sie verhielt sich ähnlich wie ihre männlichen Kollegen und bewahrte die Bank nicht vor der Wirtschaftskrise.

Positive Effekte nicht allen bekannt

Bleibt die Frage, warum sich manche Unternehmen mit Frauenquoten immer noch schwertun. Kein Verständnis dafür hat die Unternehmensberaterin Monika Schulz-Strelow. Sie engagiert sich in der Initiative "FidAR" - die Abkürzung steht für "Frauen in die Aufsichtsräte". Schulz-Strelow ist überzeugt: "Viele Studien zeigen, dass divers besetzte Gremien unabhängigere Entscheidungen treffen und damit die Corporate Governance der Unternehmen verbessert wird."

Die Präsidentin der Organisation geht davon aus, "dass diese positiven Effekte bei vielen Unternehmen immer noch nicht wirklich angekommen sind". Dabei empfehle der Corporate Governance Kodex schon seit zehn Jahren, für mehr Vielfalt in den Kontrollgremien zu sorgen. "Die Beharrungskräfte von gefassten Meinungen sind sehr hoch", kritisiert Schulz-Strelow.

Ökonom fordert verbindliche Quote

Laut der Initiative werde "nur dort, wo die gesetzliche Quote Druck entfaltet, aktiv an einer Steigerung des Frauenanteils gearbeitet". Als positives Beispiel nennt die "FidAR"-Präsidentin die Konzerne SAP und Wirecard. "Sie haben jeweils 50 Prozent Frauen im Aufsichtsrat", sagt Schulz-Strelow. Das Schlusslicht bilde die Linde AG mit 16,7 Prozent Frauen im Aufsichtsrat.

Auch Jan Riepe von der Universität Tübingen befürwortet eine verbindliche Quote. Denn die Aktionäre hätten oft kein Interesse an mehr Frauen an der Spitze. Denn Aktionäre belohnten ein risikoreiches Verhalten, schließlich verdiene man mit Kursschwankungen mehr Geld.

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