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Studie zur Geschlechterdarstellung im TV - Männer erklären die Welt

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Männer dominieren die Bildschirme. Immer noch. Falls Frauen vorkommen, sind sie kaum älter als 30 Jahre. Selbst das Kinderfernsehen liefert Klischees. Einzige Ausnahme: Daily Soaps. Das sind die erschreckenden Ergebnisse einer neuen Studie.

Auf TV-Bildschirmen und Kinoleinwänden beherrschen Männer das Bild. Frauen dagegen sind unterrepräsentiert, wie eine Studie der der Universität Rostock zeigt.

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Vor eineinhalb Jahren fragte Schauspielerin Maria Furtwängler die Medienwissenschaftlerin Elizabeth Prommer von der Universität Rostock, wie hierzulande Frauen in Film und Medien agieren und gezeigt werden. Warum wollte sie das wissen? "Weil ich wie so viele den Eindruck und das Gefühl hatte, dass es eine Schieflage in der Präsenz und Rolle von Frauen in den Medien gibt", sagt Furtwängler. Prommer konnte ihr keine Antwort geben, weil es bis dahin keine belastbaren Zahlen gab. So wurde die von Film und Fernsehen geförderte Untersuchung "Audiovisuelle Diversität? Geschlechterdarstellung in Film und Fernsehen in Deutschland" gestartet. "Fakten haben eine ganz andere Hebelwirkung und schaffen eine Grundlage für Veränderung", glaubt Furtwängler. Jetzt liegen die Zahlen auf dem Tisch.

Frauen kommen kaum zu Wort

In allen untersuchten privaten und öffentlich-rechtlichen TV-Programmen kommt durchschnittlich eine Frau auf zwei Männer - ob in Hauptrollen, als Expertin oder Sprecherin. Ist beispielsweise Expertenwissen in TV-Informationssendungen gefragt, können 79 Prozent Männer ihr Wissen ausbreiten, während nur 21 Prozent Frauen die Welt erklären dürfen. Die Medienwissenschaftlerin Prommer vermutet hinter diesem Ergebnis Redaktionen, die immer nur ihrer gewohnten Adress-Sammlungen zu Rate ziehen und sich nicht die Mühe machten, nach Expertinnen zu suchen.

In Unterhaltungssendungen hören Zuschauerinnen und Zuschauer zu 96 Prozent Männer aus dem Off sprechen und nur zu vier Prozent Frauen - sogar bei Sendungen, die hauptsächlich für Frauen gemacht werden, wie beispielsweise "Shopping Queen", spricht ein Mann die Kommentare im Hintergrund. Ein Drittel der Fernsehvollprogramme funktioniert ganz ohne eine Frau in einer handlungstreibenden Rolle, aber nur 15 Prozent der Sendungen ohne einen Mann in einer solchen Rolle.

Frauen-Themen: Männer und Beziehungen

Falls also überhaupt Frauen gezeigt werden, sprechen sie in ihrer Mehrheit nur über Männer und Beziehungen. Männer dagegen können sich in verschiedenen Rollen entfalten und über vielfältigere Themen als Frauen parlieren. Lediglich in Daily Soaps und Telenovelas sind 52 Prozent der Hauptakteure Frauen und 48 Prozent Männer. Das allerdings nur, wenn die Frauen nicht älter als 30 Jahre sind. Je älter Frauen werden, desto unsichtbarer werden sie in TV und Kino. Ab 50 kommen auf eine Frau drei Männer. Sind Männer älter als 60 Jahre, sind sie für Fernsehmacher zu 80 Prozent durchaus noch präsentabel, Frauen nur noch zu 20 Prozent. Dieser Schwund finde in allen Sendern über alle Formate und Genres statt, sagt Prommer.

Auch im Kinderfernsehen dominieren Männer

Ganz krass läuft es im Kinderfernsehen. Die absolute Zahl der männlichen Figuren ist deutlich höher als die der weiblichen. Nicht nur, dass auch hier in der Mehrzahl Männer die Welt erklärten, sagt Prommer. Selbst gezeichnete oder imaginierte Tiere und Pflanzen würden fast ausschließlich mit Jungen oder Männern identifiziert, weil sie mit männlichen Namen angesprochen würden. Ein Beispiel ist der der Zeichentrickfilm "Yakari und sein kleiner Freund Donner", in dem ein Indianerjunge mit seinem Pferd sprechen kann. Selbst Objekte wie der grölende Schwammkopf "Spongebob" seien männlich codiert. Diese Ergebnisse habe die Wissenschaftlerinnen der Universität Rostock so sehr erstaunt, berichtet Prommer, dass sie die Ergebnisse nochmals auf mögliche Fehler durchrechneten. Doch es blieb dabei: 87 Prozent aller Tiere im Kinder-TV tragen männliche Namen und nur 13 Prozent weibliche; bei Pflanzen nur zwölf Prozent Mädchennamen und 88 Prozent Jungennamen. Immerhin bei Monstern werden schon 31 Prozent als weiblich codiert und nur 69 Prozent als männlich.

Und wie bewertet Maria Furtwängler die Ergebnisse? "Naja, da ist sehr, sehr viel Luft nach oben. Die Tatsache, dass sich die Sender an der Studie beteiligt haben, zeigt, dass sie sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind", hofft sie.

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