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IAB-Studie zu Flüchtlingen - Familiennachzug zu hoch geschätzt

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Die Debatte über den Familiennachzug von Flüchtlingen in Deutschland wird nach einer Studie des staatlichen Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit zu hohen Zahlen geführt. Das IAB rechnet bis Ende 2017 mit bis zu 180.000 Nachzüglern.  

Zehntausende Angehörige von Flüchtlingen bemühen sich um einen Familiennachzug. Dieses Thema zählt zu den Knackpunkten bei den anstehenden Gesprächen von Union, FDP und Grünen über die Bildung einer Jamaika-Koalition.

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"Die Zahl der im Ausland lebenden nachzugsberechtigten Angehörigen von Geflüchteten ist deutlich geringer als in der Öffentlichkeit angenommen wird", sagte der Zuwanderungsexperte Herbert Brücker. Auf jeden Asylbewerber kämen im Schnitt 0,28 nachzugsberechtigte Ehegatten oder Kinder, die im Ausland lebten - also etwa eine nachzugsberechtigte Person auf vier Flüchtlinge. In absoluten Zahlen wären das bis Ende 2017 150.000 bis 180.000 Personen.

Widerspruch zu politischer Debatte

Brücker widerspricht damit auch in der politischen Debatte genannten weitaus höheren Zahlen. Auf der Höhe der Flüchtlingszuwanderung 2015 war zeitweise von drei bis vier nachzugsberechtigten Familienangehörigen die Rede. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere sprach noch Ende August von "gewaltigen" Zahlen, mit denen beim Familiennachzug von Syrern zu rechnen sei.

"Wir schätzen auf jeden Flüchtling einen, der über Familiennachzug kommen wird", sagte der CDU-Politiker. Tatsächlich ist der am Donnerstag veröffentlichten Studie zufolge das Nachzugspotenzial um zwei Drittel geringer, obwohl dieses bei Syrern in Deutschland besonders hoch ist und über dem Durchschnitt liegt: Auf drei syrische Geflüchtete kommt ein Nachzugsberechtigter.

Brücker: Mehrheit der Kinder schon hier

Selbst wenn über die Nachzugsberechtigten hinaus auch unverheiratete Lebenspartner oder erwachsene Kinder den Familiennachzug beantragen, fällt die Zahl mit 0,45 Nachzugsberechtigten pro Flüchtling nur halb so hoch aus wie von de Maiziere in den Raum gestellt.

Brücker führte die niedrigeren Zahlen vor allem auf zwei Gründe zurück. Die Asylbewerber seien häufig ledig, nicht einmal jeder Zweite sei verheiratet und nur 43 Prozent hätten Kinder. Die Mehrheit der verheirateten Geflüchteten sei zudem gemeinsam mit dem Ehepartner nach Deutschland gekommen, nur 27 Prozent hätten Ehepartner in Herkunfts- und Transitländern zurückgelassen. Auch die Mehrheit der Kinder sei mitgekommen.

Stoff für Koalitionsstreit

Die Studie liefert eine Zahlengrundlage für einen der Streitpunkte zwischen Union, FDP und Grünen bei den am Mittwoch angelaufenen Gesprächen über eine neue Bundesregierung. CDU und CSU wollen den Familiennachzug für Geflüchtete mit subsidiärem Schutzstatus über März 2018 hinaus aussetzen.

Die Grünen wollen auch für sie den Nachzug von Ehegatten und minderjährigen Kindern erlauben. Darauf haben nach geltendem Recht derzeit nur anerkannte Asylbewerber und Flüchtlinge nach der Genfer Konvention einen Anspruch. Auf sie entfallen der Studie zufolge zum Jahresende 2017 100.000 bis 120.000 Ehegatten und minderjährige Kinder im Ausland. Bei Flüchtlingen mit subsidiärem Schutzstatus seien es 50.000 bis 60.000.

Nachzug ohne Anspruch nicht berücksichtigt

Brückers Studie beruht auf einer repräsentativen Befragung von über 4.800 erwachsenen Flüchtlingen. Der Forscher zog dazu auch Daten des Ausländerzentralregisters und der Visa-Statistik des Auswärtigen Amtes heran. Die Zahl der nachzugsberechtigten Familienangehörigen lasse sich so recht präzise bestimmen, sagte Brücker.

Der tatsächliche Familiennachzug könne die Zahl der Nachzugsberechtigten möglicherweise erheblich unterschreiten. Dabei müsse aber auch berücksichtigt werden, dass auch Familienangehörige ohne Nachzugsanspruch in einem gewissen Umfang nach Deutschland nachziehen würden.

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