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Vor Europawahl - Studie: EU-Binnenmarkt bringt Einkommensplus

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Freier Handel in der EU - der Binnenmarkt beschert den Bürgern höhere Einkommen, sagt eine Studie kurz vor der Europawahl. Deutschland zählt demnach zu den großen Gewinnern.

Archiv: Mit Containern beladene Lastwagen stauen sich am 07.04.2014 auf der Köhlbrandbrücke im Hafen von Hamburg
Das Geschäft floriert: Lastwagen im Hamburger Hafen.
Quelle: dpa

Im Durchschnitt steigert der Binnenmarkt die Einkommen der EU-Bürger jährlich um rund 840 Euro pro Person. In Deutschland seien es 1.046 Euro. Der Binnenmarkt habe nicht nur den Abbau von Grenzkontrollen bewirkt, sondern den Europäern grundsätzlich auch ein Plus im Portemonnaie beschert, heißt es in einer Studie der Bertelsmann-Stiftung. In Deutschland summierten sich die erzielten Einkommensgewinne auf 86 Milliarden Euro im Jahr. Vor allem Regionen mit starker Industrie und hoher Exportorientierung seien Gewinner.

Die größten regionalen Nutznießer seien der Regierungsbezirk Oberbayern und Hamburg, auf Ebene der Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. "Auch Regionen mit starkem Mittelstand und Zuliefererbetrieben, die viel in die EU exportieren, sind Gewinner", sagte Dominic Ponattu, Mitautor der Studie. Am schwächsten seien die Effekte in ostdeutschen Ländern wie Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

Was sind die Gründe?

Der EU-Binnenmarkt ist der größte Wirtschaftsraum der Welt. Er soll den freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Personen und Kapital garantieren. Das Wegfallen von Zöllen und anderen Hemmnissen lasse den Handel wachsen, schildern die Autoren. Es gebe mehr Wettbewerb, was sich positiv auf Produktion und Preise auswirke. Handelskosten würden gesenkt. Der Binnenmarkt berge noch viel Potenzial für weitere Wohlstandsgewinne - vor allem beim Handel mit Dienstleistungen, meinte die Stiftung in Gütersloh.

"Nicht jeder profitiert gleichermaßen, aber alle gewinnen", betonte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann-Stiftung, Aart De Geus. Der Binnenmarkt sei "größter Treiber für unseren Wohlstand".

Auf Bundesländerebene erzielt Nordrhein-Westfalen mit 18,6 Milliarden Euro - rechnerisch pro Person jährlich 1042 Euro - die höchsten Einkommenszuwächse. Der EU-Binnenmarkt bringe Bayern knapp 15,4 Milliarden jährliches Einkommensplus (1.198 Euro) und Baden-Württemberg fast 13,2 Milliarden Euro (1.211 Euro), schätzt die Studie, die das reale Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und Jahr misst. Dagegen fallen die Einkommenssteigerungen in eher strukturschwachen Ländern wie Mecklenburg-Vorpommern mit 700 Euro pro Person, in Sachsen-Anhalt mit 692 Euro und Brandenburg mit 672 Euro vergleichsweise gering aus.

Schweiz liegt vorn, Spanien hinten

Die Autoren gehen davon aus, dass insgesamt EU-weit rund 420 Milliarden Euro Einkommenszuwächse jährlich durch den 1993 eingeführten Binnenmarkt erzielt werden. Die Analyse stellt zudem fest, dass ausgerechnet die Schweiz - Nicht-EU-Mitglied, aber über bilaterale Verträge mit dem europäischen
Binnenmarkt besonders verbunden - mit 2.914 Euro Einkommensplus pro Kopf und Jahr am stärksten profitiert. Es folgen Luxemburg (2.834 Euro) und Irland (1.894 Euro). Unter den besonderen Gewinnern sind auch Belgien, Österreich, die Niederlande. Frankreich (1.074 Euro) und Deutschland (1.046 Euro) gehören noch zu den Top-Ten-Profiteuren.

Niedriger seien Zuwächse bei Staaten mit geringerer Wettbewerbsfähigkeit, etwa Spanien, Portugal oder Griechenland mit rund 600 bis 400 Euro pro Person und Jahr.

 "Für Länder wie beispielsweise die Niederlande oder Österreich ist der Binnenmarkt Gold wert, denn sie verfügen über wettbewerbsfähige Branchen, sind aber aufgrund kleiner Inlandsmärkte vom Export abhängig", erläuterte Ponattu. Städte profitierten in der Regel auch deutlich mehr als ländlich geprägte Regionen.

Autoren warnen vor Brexit-Effekt

Genannt wurden etwa Zürich und London. "Damit sind einige der größten Gewinner des Binnenmarktes aktuell in Ländern zu Hause, die momentan kein EU-Mitglied sind oder zukünftig die Gemeinschaft und damit auch den Binnenmarkt verlassen könnten." In Großbritannien sei das Gefälle besonders groß.

Interessanterweise hätten auch Regionen für den EU-Austritt gestimmt, die am stärksten vom Binnenmarkt profitierten. "Dazu gehört etwa die südenglische Region Kent", ergänzte Ponattu. "Ein vollständiger Austritt der Briten aus dem Binnenmarkt würde neben dem Großraum London vor allem industrie- und innovationsstarke Regionen im Süden des Landes hart treffen."

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