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Kinder besser schützen - Studie: Jugendämter brauchen Fachkräfte

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Jugendämter haben viel zu wenig Personal, um Kinder ausreichend vor Gewalt und Missbrauch zu schützen und mit bedürftigen Familien Lösungen zu finden. Das zeigt eine Studie.

"Jugendamt" ist am 14.09.2017 auf einem Schild in Dresden (Sachsen) zu lesen
In vielen Jugenämtern fehlt Personal. Quelle: dpa-Zentralbild

Die Untersuchung der Hochschule Koblenz belegt, dass es in vielen Jugendämtern zu wenig Personal für zu viele Fälle gibt. Zudem sei die Ausstattung oft unzureichend. Für die Studie im Auftrag des Jugendamts Berlin-Mitte wurden in den vergangenen zwei Jahren 652 Mitarbeiter aus 175 Jugendämtern befragt. Demnach bleibe etwa für Hausbesuche bei betroffenen Familien häufig zu wenig Zeit. 58 Prozent der befragten Mitarbeiter der Jugendämter verbringen den Angaben zufolge maximal eine Stunde bei Terminen in den Familien.

Kaum Zeit und Raum für Gespräche

Etwa zwei Drittel der Arbeitszeit in den Jugendämtern werde für die Fall-Dokumentation aufgewendet. Nur jeder fünfte Sozialarbeiter schafft es laut der Studie, die für Fallübergaben und Verfahren wichtigen Gesprächsprotokolle während oder noch am Tag des Gesprächs auszufüllen. Mehr als jeder zweite Fall bleibe mindestens eine Woche unprotokolliert. In den Ämtern fehlt zudem häufig der Raum für eine geschützte Gesprächsatmosphäre.

Derzeit sind den Angaben zufolge rund 13.400 Mitarbeiter im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) tätig - dem Bereich, der Kinder vor Gewalt, Verwahrlosung und Missbrauch schützen soll. Notwendig seien aber etwa 16.000 zusätzliche ASD-Mitarbeiter bundesweit, so die Autorin der Studie, die Sozialwissenschaftlerin Kathinka Beckmann. Problematisch sei auch die Finanzierungsstruktur.

Unterschiede je nach Kommune

Weil größtenteils die Kommunen für den Unterhalt der Jugendämter zuständig seien, hänge die Ausstattung von der finanziellen Lage der jeweiligen Städte und Gemeinden ab. Diese Verzahnung müsse aufgelöst werden, fordert die Soziologin. Verbesserungen seien darüber hinaus in der Kommunikation zwischen Familiengerichten, Polizei und Jugendämtern notwendig. Beckmann empfiehlt die Einrichtung eines Bundeskinderschutzbeauftragten: "Jemanden mit Kompetenzen und Befugnissen, der sich auf oberster Ebene einmischt."

Die deutsche Kinderhilfe begrüßt die Untersuchung als erste dieser Art, die den Status quo in den Jugendämtern aus Sicht der Fachkräfte aufzeigt und mit Vermutungen und Unterstellungen aufräume, erklärte Vorsitzender Rainer Becker. Die Ergebnisse zeigten, dass die Rahmenbedingungen im System der Kinder- und Jugendhilfe eine professionelle sozialpädagogische Arbeit behindern, sagte Becker.

Becker ergänzte, Sozialpädagogen und Sozialarbeitern im "Allgemeinen Sozialen Dienst" der Behörden werde es oft schwergemacht, "die für die Familie bestmögliche Entscheidung zu treffen". "Kinderschutz darf nicht auf Kosten von Spardiktaten vernachlässigt werden", sagte Becker. Mit Blick auf die hohe Fallzahlbelastung mangele es an ausreichend Zeit für die Arbeit mit den Kindern und ihren Familien.

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