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Keine Zweckentfremdung - Studie: Kindergeld kommt bei Kindern an

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In der Politik herrscht oft Skepsis, ob Eltern Direktzahlungen an Familien, wie das Kindergeld, auch für ihre Kinder ausgeben. Eine Studie zeigt: Das Misstrauen ist unbegründet.

Archiv: Kinder schaukeln im Gegenlicht der Sonne, aufgenommen am 11.05.2008
Eine Studie belegt: Kinder profitieren durchaus von direkten staatlichen Geldtransfers wie dem Kindergeld.
Quelle: AP

Eltern würden diese sogenannten Direktzahlungen nicht für Alkohol, Tabak oder Unterhaltungselektronik zweckentfremden, fasst die Bertelsmann-Stiftung am Mittwoch das Ergebnis einer Analyse des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zusammen. Stattdessen investierten sie das Geld in Familienhilfen, in größere Wohnungen, aber auch in bessere Betreuung, Bildung und in die Hobbys der Kinder.

Untersucht wurde für die Studie die Verwendung von zwei staatlichen Leistungen für Familien - dem Kindergeld sowie dem Landeserziehungsgeld - in verschiedenen Bundesländern für den Zeitraum von 1984 bis 2016.

Krippen und Kitas haben an Bedeutung gewonnen

Eltern reduzieren demnach aufgrund des Kindergeldes auch nicht ihre Arbeitszeit. Im Einzelnen heißt das laut Studie: Je 100 Euro Kindergeld steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind eine Kindertagesbetreuung besucht, um 5 Prozentpunkte. Isoliert betrachtet ist dieser Effekt für den Zeitraum nach dem Jahr 2000 mit 10 Prozentpunkten noch größer: Offenbar haben seitdem frühkindliche Bildungseinrichtungen aus Sicht der Familien an Bedeutung gewonnen.

Darüber hinaus führten Direktzahlungen dazu, dass Kinder häufiger zum Sport (Anstieg um 8 Prozentpunkte) oder zur Musikerziehung gehen (Anstieg bei Kindern unter sechs Jahren um 7 Prozentpunkte, bei jenen zwischen sechs und 16 Jahren um 11 Prozentpunkte).

Viele Mittel werden gar nicht erst beantragt

Schlechte Noten erhalten dagegen die zweckgebundenen Sach- und Geldleistungen - wie das Bildungs- und Teilhabepaket: Bei diesen Leistungen werde mit rund 30 Prozent ein erheblicher Teil der zur Verfügung stehenden Mittel für den Verwaltungsaufwand verbraucht. Dazu komme, dass viele Bedürftige die Mittel gar nicht erst beantragten. Die Bundesregierung plant derzeit eine Reform dieser Leistung.

Es bleiben keine Ausreden mehr, um Kinder finanziell endlich so abzusichern, dass sie unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern gut aufwachsen können.
Holger Hoffmann, Geschäftsführer des Deutschen Kinderhilfwerkes

Verschiedene familienpolitische Verbände mahnten Konsequenzen an. Bundestag und Bundesregierung müssten endlich Bedingungen für ein gutes Aufwachsen von armen Kindern schaffen, sagte der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes, Holger Hofmann. "Es bleiben keine Ausreden mehr, um Kinder finanziell endlich so abzusichern, dass sie unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern gut aufwachsen können."

Auch der Familienbund der Katholiken erklärte, die Ergebnisse machten klar, dass Eltern am besten wüssten, wie sie mit Förderleistungen am sinnvollsten umgehen sollten. Bedürftige Eltern in Gesetzen indirekt unter den Generalverdacht der Zweckentfremdung zu stellen, sei einfach falsch, so Familienbund-Präsident Ulrich Hoffmann.

Die Diakonie betonte, die Studie zeige, nicht die Eltern, sondern die unzureichenden Instrumente zur wirksamen Bekämpfung von Kinderarmut seien das Problem. "Diese Einsicht muss endlich politische Bedeutung erlangen", erklärte Diakonie-Präsident Ulrich Lilie. Das Zukunftsforum Familie plädierte ebenfalls dafür, die direkten Finanzhilfen für arme Familien zu erhöhen.

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