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Studie zu Grundschullehrern - Bis 2025 fehlen 26.300 Lehrer

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Wie gravierend ist der Lehrermangel tatsächlich? Eine neue Studie kommt zu dem Schluss: Bis zum Jahr 2025 fehlen noch viel mehr Grundschullehrer, als bislang angenommen wurde.

Der Lehrermangel an Deutschlands Grundschulen ist deutlich schlimmer als erwartet: Laut einer neuen Studie fehlen bis 2025 mehr als 26000 Lehrkräfte.

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Das Wetter der kommenden Woche? Der Ausgang einer Landtagswahl in drei Monaten? Präzise Voraussagen sind bekanntlich eine schwierige Sache. Einfacher wird es natürlich, wenn sich eine Prognose für die Zukunft auf Zahlen von heute stützen kann, die bereits vorliegen. Und genau das haben Klaus Klemm und Dirk Zorn von der Bertelsmann-Stiftung jetzt getan: Aktuelle Bevölkerungszahlen zur Berechnung der benötigten Grundschullehrer von morgen herangezogen. Das Ergebnis: Zumindest bis zum Jahr 2025 fehlen deutlich mehr Grundschullehrer als von der Kultusministerkonferenz (KMK) bislang angenommen.

Mehr Geburten als erwartet

In ihrer so genannten Lehrerbedarfsprognose vom Herbst 2018 geht die KMK davon aus, dass im Jahr 2025 mindestens 15.300 Grundschullehrer fehlen werden. Basis für diese Schätzung war die damals aktuelle Bevölkerungsvorausschätzung – 3,064 Millionen Schülerinnen und Schüler sollten demnach im Jahr 2025 im Grundschulalter sein. Neueste Zahlen des Statistischen Bundesamtes sprechen jedoch eine andere Sprache. Demnach werden es 2025 rund 3,232 Millionen Kinder in den Klassen 1 bis 4 sein. In ihren Berechnungen kommen Klemm und Zorn zu dem Schluss, dass bis zum Jahr 2025 insgesamt bis zu 26.300 Grundschullehrer fehlen könnten, also rund 11.000 mehr als bislang angenommen.

"Die Entwicklung der Geburten verläuft offensichtlich noch dynamischer, als Experten noch vor Kurzem prognostiziert haben", sagt Dirk Zorn. Die Kinder, die bis 2025 eingeschult werden, sind bereits geboren, die Zahlen klar. Ein Beispiel dafür, wie wichtig es sei, ständig an verfügbaren Daten dran zu bleiben und diese auch schneller in neue Schülerzahl- und Lehrerbedarfsprognosen einfließen zu lassen. "Die Zahlen, die das Statistische Bundesamt nun im Juni vorgelegt hat, basieren auf der tatsächlichen Entwicklung bis zum Jahr 2018", so Zorn.

Leistungen von Grundschülern werden schwächer

Ein Beispiel aber eben nicht nur dafür, welche Klippen der ohnehin träge Tanker der Politik ständig umschiffen muss. Sondern vor allem ein weiterer Weckruf, wie drängend die Lehrer-Frage in Deutschland ist. "Fakt ist, es werden in jedem Fall ausgebildete Grundschullehrer im fünfstelligen Bereich fehlen", sagt Bildungsexperte Dirk Zorn. Mit weitreichenden Folgen auf verschiedenen Ebenen – bei ohnehin schon heute großen Herausforderungen. "Der jüngste Ländervergleich hat bereits gezeigt, dass die Leistungen von Grundschülern nach Erfolgen in der Vergangenheit in der Tendenz wieder schwächer werden", erklärt Zorn. Ein stärker werdender Lehrermangel könnte diese Entwicklung forcieren.


Gerade an Brennpunktschulen müssten, so der Bildungsexperte der Bertelsmann-Stiftung, mehr und vor allem gut ausgebildete Lehrer eingesetzt werden, um Schülern aus bildungsschwächeren Familien einen bestmöglichen Start ins Schulleben zu ermöglichen. "Tatsächlich sehen wir aber etwa in Berlin, dass gerade an solchen Schulen vermehrt Quereinsteiger eingesetzt werden." Wächst der Lehrermangel an Grundschulen weiter, spricht das eher für eine Verstärkung dieser Personalpolitik an Grundschulen.

Weiter viele Probleme ungelöst

Wobei selbst mit der "Grundausstattung" an Lehrpersonal ja längst nicht die Ziele erreicht werden können, die Grundschulen in Deutschland im Blick haben müssen: "Nach wie vor bleibt die Umsetzung des inklusiven Lernens eine große Herausforderung für das Schulsystem. Und bis zum Jahr 2025 soll auch noch der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz für Grundschulkinder hinzukommen", so Dirk Zorn. Wie soll das – angesichts eines weiter steigenden Lehrermangels – funktionieren, fragt man sich da.

Vielleicht könnten ja steigende Absolventenzahlen helfen. Aber welche Zahlen eigentlich? Auch hier hat die Schulpolitik mit Prognosen zu kämpfen – allerdings mit ungleich höherer Ungewissheit als bei den Bevölkerungszahlen. "Es ist tatsächlich unklar, wie viele neue Grundschullehrer bis zum Jahr 2025 die Universitäten mit einem Abschluss verlassen werden", sagt Dirk Zorn. Grund dafür sind nicht nur ungewisse Zahlen über diejenigen, die aktuell studieren, sondern auch über zukünftige Studienabbrüche. "Nicht wenige Studierende brechen ihr Grundschullehrer-Studium ab, wie eine Studie für Mecklenburg-Vorpommern letztes Jahr zeigen konnte. Dort liegt die Abbrecherquote bei bis zu 50 Prozent." Und weil unklar ist, wie viele Lehrerstellen unbesetzt bleiben oder durch Quereinsteiger ausgefüllt werden, kann niemand derzeit absehen, ob Deutschland im Zuge der Lehrermangel-Diskussion ab 2025 nicht vielleicht doch eine Lehrerschwemme sehen könnte.

Informationslücken schließen, Transparenz schaffen

Sehr klar hingegen ist, dass aktuell Grundschullehrer fehlen – und dass der Mangel in den kommenden Jahren noch deutlich zunehmen wird. "Die Lehrerlücke muss jetzt mit kurzfristig wirksamen Maßnahmen geschlossen werden, ansonsten drohen noch mehr Unterrichtsausfall, noch vollere Klassen und noch mehr Belastungen für Lehrer", sagt Dirk Zorn. Noch sei das Problem lösbar – wenn sich die Politik den planerischen Herausforderungen stelle. Eine davon: Lücken in der Informationskette schließen, mehr Transparenz schaffen.

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