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Britische Studie - Besser niesen

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Lass es raus! So lautet die Empfehlung der Fachärtze. Wer ein Kribbeln in der Nase spürt, sollte besser niesen. Denn wer den Niesreiz unterdrückt, kann im Krankenhaus landen.

Ein Mann steht im Regen und niest.
Wer ein Niesen unterdrücken will, sollte sich das lieber zweimal überlegen. Britische Ärzte haben herausgefunden, dass das Unterdrücken ernsthafte Risiken mit sich bringen kann.
Quelle: imago/Westend61

Wer einen Nieser herannahen fühlt, sollte ihn frei herauslassen. Versucht man, den Nieser zu bremsen, indem man gleichzeitig die Nasenflügel zukneift und den Mund geschlossen hält, riskiert man erhebliche Verletzungen. Darauf weisen britische Ärzte hin. Einer ihrer Patienten musste nach so einem Nies-Unfall eine Woche künstlich ernährt und mit Antibiotika behandelt werden. Durch den aufgestauten Druck habe er sich einen Riss in der Rachenmuskulatur zugezogen, berichten sie im Fachblatt "British Medical Journal".

Der 34-Jährige war mit starken Schmerzen beim Schlucken und ausgeprägten Sprechbeschwerden in das Krankenhaus Leicester gekommen. Er berichtete von einem platzenden Gefühl in seinem Nacken sowie einer Schwellung, die unmittelbar aufgetreten waren, nachdem er versucht hatte, einem gewaltigen Nieser durch das Zuhalten von Mund und Nase Einhalt zu gebieten.

Riss im Rachenbereich

Bei der Untersuchung hörten die Ärzte ein knirschendes, knisterndes Geräusch vom Nacken bis hinunter zum Brustkorb. Dies deutete auf Lufteinschlüsse im Gewebe hin - eine Vermutung, die eine anschließende Computertomographie bestätigte. Die Diagnose: Ein Loch im Rachen. Um eine Infektion und eine Verschlimmerung der Beschwerden zu verhindern, wurde der Patient stationär aufgenommen, über eine Nasensonde ernährt und prophylaktisch mit Antibiotika behandelt.

Zu einem Riss im Rachenbereich kommt es sehr selten, schreiben die Ärzte in ihrem Aufsatz. Meist seien kräftiges Husten oder Würgen die Ursache. Bei ihrem Patient sei die Sache glimpflich ausgegangen, sein Trommelfell hätte platzen können oder sogar ein Blutgefäß im Gehirn. Nach sieben Tagen wurde der Mann mit dem Hinweis entlassen, künftig nie mehr Nase und Mund beim Niesen zu verschließen. Dem Patienten wurde laut Bericht nach seiner Erholung empfohlen, künftig in ein Taschentuch zu niesen.

Im Extremfall schwere Verletzungen

Das sei ein sehr ungewöhnlicher Fall, sagt Michael Deeg, HNO-Arzt in Freiburg und Pressesprecher des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte. In seiner eigenen Praxis seien ihm vergleichbar schwere Verletzungen noch nicht begegnet. Zu geplatzten Äderchen im Auge oder Irritationen durch Überdehnungen des Gewebes käme es infolge eines unterdrückten Niesers aber durchaus gelegentlich.

"Beim Niesen oder auch Husten wird ein ganz erheblicher Druck aufgebaut. Die Luftgeschwindigkeit kann in etwa Orkanstärke erreichen, da wirken ordentliche Kräfte", erklärt Deeg. Es sei ganz ungesund zu versuchen, diesen Reiz zu unterdrücken. Das könne im Extremfall zu schweren Verletzungen wie dem in Großbritannien führen.

Auch Arzt Zi Yang Jiang vom Gesundheitszentrum der Universität von Texas sagte, das Niesen an sich sei wichtig, um Viren und Bakterien aus dem Körper herauszulassen. "Wenn man damit aufhört, könnte das im falschen Teil des Körpers landen", so Jiang. Mit Blick auf das Fallbeispiel seiner britischen Kollegen sagte er, dass ein einzelnes Niesen so viel Druck erzeuge, um einen physischen Schaden im Körper auszulösen, sei bizarr. Beim Zurückhalten der Luft fürs Niesen trete aber das Problem des Lungenkollaps auf.

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